Heinsberg: Demonstranten kämpfen vergeblich für den Erhalt eines Freibades

Heinsberg : Demonstranten kämpfen vergeblich für den Erhalt eines Freibades

Nur kurz unterbrachen die Gäste der Cafés und Restaurants an der Heinsberger Hochstraße am Donnerstagnachmittag, kurz nach 16 Uhr, ihre Gespräche und blickten interessiert auf die Flaniermeile der Kreisstadt. Mit Trillerpfeifen und selbst gemalten Plakaten, flankiert von Ordnern und am Heck die Polizei, bahnten sich über 60 Demonstranten ihren Weg in Richtung Rathaus.

„Wir protestieren“ und „Wir brauchen ein Freibad“ skandierten Jung und Alt. Im Vorfeld der im Rathaus anberaumten Sitzung der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke sollte noch einmal deutlich Flagge gezeigt werden, um den drohenden Beschluss, beide Freibäder in Heinsberg zu schließen, vielleicht doch noch abzuwenden.

„Wir haben einfach noch die Hoffnung, dass die Mitglieder der Versammlung uns noch ein Jahr Aufschub geben, damit wir ein geeignetes Konzept vorlegen können“, erklärte Angelika Dohmen gegenüber unserer Zeitung. Sie fungiert mittlerweile als Sprecherin der Initiative, die aus der Bürgerversammlung zum Erhalt des Oberbrucher Freibades hervorgegangen ist.

„Die Stimmung in der Gruppe ist so, dass alle wenigstens ein Freibad erhalten wollen.“ Welches dies sei, spiele am Ende keine wirkliche Rolle. Dass die geringeren Sanierungskosten letztlich wohl für das Oberbrucher Bad sprächen, weiß Dohmen wohl.

„Wir wünschen uns betreutes Schwimmen für Kinder und Erwachsene. Dazu gehören die Badeaufsicht in einem gesicherten Gewässer und Sanitäranlagen. Keiner möchte schließlich mit Kot im Mund schwimmen.“ Mit Politik habe sie nichts am Hut, sagt Angelika Dohmen. „Es geht mir nur darum, für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen etwas Lebensqualität zu erhalten. Das habe ich von Anfang an gewollt, und nichts anderes.“

Die „Lebensqualität“ schien für einige Vertreter der Gesellschafterversammlung bei ihrem Eintreffen am Rathaus gegen 17 Uhr kurzfristig ein wenig eingeschränkt. Denn das Pfeifkonzert, das ihnen entgegengellte löste bei so manchem Mitglied sichtlich Unbehagen aus. Einige vermieden sogar den direkten Augenkontakt zu den Demonstranten und lenkten ihre Schritte zügig zum Eingang des Rathauses.

Vielleicht lag es ja daran, dass sie schon wussten, dass am Ende der Beratung nicht wirklich der Beschluss stehen würde, der im Sinne der Menschen auf dem Rathausplatz sein würde. Bürgermeister Dieder bestätigte noch am Abend gegenüber unserer Zeitung, dass die Gesellschafterversammlung mit neun Ja-, vier Nein-Stimmen und einer Enthaltung entschieden habe, die beiden Freibäder nach dem Ende der Badesaison nicht weiter zu betreiben. Im Gegenzug werde das Hallenbad ab 2016 ganzjährig geöffnet. „Über die weitere Verwendung der Freibadgelände wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.“ Genau hier liegt nun die Chance für die Bürgerinitiative, denn eine Frist wird nicht gesetzt. Jetzt müssen die Bürger zeigen, ob sie in der Lage sind, ein geeignetes Konzept für den Erhalt eines Freibades in eigener Regie zu erarbeiten. Die Bestrebungen hierzu laufen ja bereits.