Deckers wirft Hut in den Ring, wenn...

Deckers wirft Hut in den Ring, wenn...

Kreis Heinsberg. Parteiintern wird in der CDU immer mehr Kritik laut an dem „Hau-Ruck-Verfahren”, mit dem Kreisvorstand und Kreistagsfraktion ein Votum für Kreisverwaltungsdezernent Helmut Preuß (54) als Nachfolgekandidat für Landrat Karl Gruber (60) abgegeben haben.

Aus Altersgründen will Gruber bei der Kommunalwahl am 26. September nicht mehr antreten. Gruber selbst schlug Preuß als Nachfolger vor.

Bei einer Versammlung des CDU-Ortsverbandes Oberbruch (in dem sowohl Landrat Karl Gruber als auch sein Stellvertreter in der Verwaltung, Kreisdirektor Peter Deckers, Mitglied sind) kam das Thema am Dienstagabend unter Punkt „Verschiedenes” zur Sprache.

Dabei zeigte sich die Parteibasis doch sehr erstaunt: einerseits über das ungewöhnliche Prozedere auf der Ebene von Kreistagsfraktion und Kreisvorstand, andererseits darüber, dass Deckers, wie er auf Nachfrage erklärte, überhaupt nicht gefragt, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei.

Parteibasis erstaunt

Gruber verwies darauf, dass schnelles Handeln erforderlich gewesen sei, um ein Gerangel in der Nachfolgefrage, wie es beispielsweise in der Hückelhovener SPD zu beobachten gewesen sei, zu vermeiden. Der Landrat bescheinigte Deckers ausdrücklich, ein guter und loyaler Mitarbeiter zu sein.

Peter Deckers (46) ließ Entschlossenheit erkennen: Wenn der Ortsverband Oberbruch und der Stadtverband Heinsberg seine Kandidatur unterstützen sollten, dann werde er auch offiziell seinen Hut in den Ring werfen, bekräftigte Deckers am Mittwoch auch noch einmal im Gespräch mit unserer Zeitung. Ihm sei bewusst, dass es schwierig werde, da es das Votum von Kreisvorstand und Kreistagsfraktion für Preuß nun einmal gebe; „auf welchem Weg es auch immer zustande gekommen ist”.

Andererseits habe er in Gesprächen mit Kreistagsabgeordneten der CDU den Eindruck gewonnen, dass das Verfahren nicht ordnungsgemäß abgelaufen sei. Er sehe sich wahrlich nicht automatisch als der Nachfolger von Landrat Karl Gruber, wenn aber schon eine Verwaltungslösung favorisiert werde, dann „wäre es ein Gebot der Fairness gewesen, zumindest mit mir zu reden”.

Deckers fühlt sich zudem von Parteifreunden zur Kandidatur ermuntert: „Das bin ich mir selbst schuldig. Das bin ich aber auch all denen schuldig, die Kritik am Verfahren geäußert haben, die sagen, dass ich mir das nicht bieten lassen sollte, und mir bestätigen, dass sie mich für die Position des Landrates als sehr gut geeignet ansehen.”

Den Beifall, den er bei der Oberbrucher Versammlung erhielt, wertet Deckers als Zustimmung des Ortsverbandes.

Becke erfreut

Heinz-G. Becke, der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Heinsberg, war bei der Versammlung in Oberbruch ebenfalls anwesend. Er nahm „erfreut zur Kenntnis, dass aus unserem großen Stadtverband, dem größten im Kreis, ein Kandidat für dieses Amt zur Verfügung steht”.

Becke will nun das Thema mit dem geschäftsführenden und erweiterten Vorstand erörtern. Und möglicherweise, so Becke, werde daraus die Nominierung von Deckers zum Landratskandidaten resultieren. Dann käme es bei der Kreisvertreterversammlung am 13.Mai in der Stadthalle Heinsberg zu einer Kampfabstimmung zwischen Preuß und Deckers.

Zur Person: Peter Deckers

Peter Deckers, geboren 1957 in Heinsberg, wohnhaft in Oberbruch, wurde 1997 für acht Jahre vom Kreistag zum Kreisdirektor gewählt. Dies ist der allgemeine Vertreter des Landrates.

Volljurist Deckers leitet in der Kreisverwaltung das Dezernat III mit Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt sowie Gesundheitsamt. Er fungiert unter anderem als Vorsitzender vom Heinsberger Tourist-Service.

Deckers (verheiratet, keine Kinder) hatte nach dem Studium in Bonn, nach dem juristischen Vorbereitungsdienst und dem zweiten Staatsexamen seine berufliche Laufbahn 1986 als Kreisrechtsrat beim Kreis Heinsberg begonnen. Mitglied der CDU ist er seit 1995.