Erkelenz-Hetzerath: Das Wesentliche in einem Strich

Erkelenz-Hetzerath : Das Wesentliche in einem Strich

Die Sommerakademie auf Haus Hohenbusch hat mit einem besonderen Angebot aufgewartet: Auf dem Kursplan stand erstmals auch traditionelle chinesische Tuschemalerei.

Mit Xiaolan Huangpu hatten die Organisatoren einen Experten auf diesem Gebiet als Kursleiter gewinnen können. Der international anerkannte Künstler hat in China und Österreich studiert und bekleidet heute das Amt des Vizedekans an der Kunsthochschule in Beijin. Darüber hinaus lehrt er in Wien die traditionelle chinesische Tuschezeichentechnik.

„Das Interesse der Europäer an dieser alten Kunstform ist so groß wie das der Chinesen an der europäischen Ölmalerei”, freut sich der Professor. Durch seine Arbeit trage er dazu bei, dass sich die unterschiedlich geprägten Kulturkreise annäherten. So auch auf Hohenbusch.

Die elf Kursteilnehmerinnen hatten zu Beginn des Kurses keine Erfahrungen mit Tusche und Pinsel gesammelt. Überzeugt hatte sie unter anderem die Ankündigung, in dem Kurs würden sich „Körper, Geist und Seele wieder finden”. So lernten sie diese traditionelle chinesische Kunstform in Theorie und Praxis kennen. „Es hat viel mit Selbstvertrauen und der inneren Einstellung zu tun”, betont Huangpu.

Das Bild müsse im Kopf des Malers schon fertig sein, damit er den Pinselstrich in der richtigen Geschwindigkeit und Intensität auf das Papier bringen könne. So sei die Arbeit mit Tusche ein „durchaus meditativer Prozess”, wie die Malschülerinnen bestätigten. Die Tuschemalerei spiegelt die chinesische Kunstauffassung der Reduktion wider, in der der Fokus des Betrachters auf das Wesentliche gelenkt wird.

Dabei komme dem Prozess des Malens noch der geringste Anteil bei der Arbeit zu. Nachdem das Bild auf spezielles dünnes Papier gemalt wurde, muss es auf andere Papierbögen geklebt werden. Wichtig ist die Wahl des geeigneten Papiers, das die Tusche schnell aufsaugen muss, um ein ungewolltes Zerrinnen der Tusche zu verhindern.

„Die handwerkliche Beschäftigung mit dem Bild ist sehr beruhigend”, so Huangpu. „Die Art des Klebens ist eine kunsthandwerkliche Tradition, die auch für Restaurationen verwendet wird.” Am Anfang des einwöchigen Kurses standen Theorie und das Kochen des speziellen Klebers in der Klosterküche. Neben Mehl und Wasser beinhaltet die Rezeptur auch Rosenpfeffer, der eine besondere Funktion hat. „Da alle Zutaten des Tuschebildes aus natürlichen Rohstoffen bestehen, sind sie für Insekten ein gefundenes Fressen”, betont der 49-jährige. Der Rosenpfeffer soll das Bild im wahrsten Sinne des Wortes für seine natürlichen Feinde „ungenießbar” machen.

Die Teilnehmerinnen waren mit dem Kurs zufrieden. Zum Beispiel Marianne Müller. Sie war aus Frankfurt angereist, um dabei sein zu können. „Neben der Maltechnik habe ich viel über die Philosophie der Tuschemalerei gelernt”, bestätigt sie. Auch die Handhabung der Bilder auf dem hauchdünnen Papier sei anspruchsvoll. „Ein Fehlgriff beim Abziehen und das Bild ist zerstört.” Doch mit Hilfe ihres Lehrers schafften es die Künstlerinnen, ihre Bilder unbeschadet aufzukleben.

Auch Huangpu hat in der Woche auf Hohenbusch etwas gelernt. „Es ist interessant, wie unterschiedlich die Wahrnehmung des Wesentlichen ist”, betont er. Die Bilder seiner Schülerinnen würde er immer wiedererkennen, da sie eine „deutsche” Wahrnehmung widerspiegelten.