Würselen: Das Team vom Segelcamp ist startklar

Würselen : Das Team vom Segelcamp ist startklar

„Jeder Jeck ist anders“: Diesen Satz stellte Städteregionsrat Helmut Etschenberg bei seinen Grußworten in der gerade frisch gedruckten Broschüre zur inzwischen elften Auflage des integrativen Segelflugcamps in Merzbrück voran.

Und für Uschi Brammertz, Ideengeberin und Motor hinter dem Event, der von Freitag bis Dienstag, 15. bis 19. Juli, wieder für Begegnungen aller Art in Merzbrück sorgen wird, ist dies auch so etwas wie eine schöne mundartliche Umschreibung für das, was das Camp ausmacht.

Spaß und Spiel: Teilnehmer vergangener Camps mussten sich zum Beispiel auf nur ein paar Pappdeckeln von A nach B bewegen. Foto: M. Bienwald

„Wir machen überhaupt keinen Unterschied“, sagt sie über die rund 100 jugendlichen Teilnehmer mit und ohne Behinderung, die beim Camp ganz von alleine zueinanderfinden und sich in der Gruppe wohlfühlen. „Hier wächst einfach so alles zusammen“, umschreibt Brammertz dieses besondere Camp-Gefühl.

„Das liegt sicherlich daran, dass jeder, der hier ankommt, so angenommen wird, wie er ist“, sagt sie. Aber elf Camps, das bedeutet nicht nur viele Begegnungen und neue Freundschaften, die geschlossen wurden. Es bedeutet auch viel Organisation und hohe finanzielle Mittel, die geflossen sind.

„Das sind auch 800 bis 900 Jugendliche, die bei uns in den letzten Jahren ein wirklich grenzüberschreitendes Camp erlebt haben“, ergänzte Herbert Olivier. Als Vorsitzender des am Flugplatz Merzbrück ansässigen Luftsportvereins Aachen und Vorsitzender des Fördervereins zur Förderung von Integrativen Jugendcamps freut er sich natürlich auch auf die Flugzeit, die er und seine Mitstreiter mit den erwarteten bis zu 100 Jugendlichen beim diesjährigen Camp Ende verbringen wird.

Grenzen überwinden

Er sieht, wie auch Oliver Paasch, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, und Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, die Grenzen auch länderübergreifend überwunden. Dazu steht schließlich auch bei passendem Wetter die Segelflugmannschaft bereit.

Dem Himmel sehr nah kommen die Teilnehmer, die zwischen 14 und 25 Jahren jung sind, aber nicht nur im Cockpit des lautlosen Gleiters. Es gibt zusätzlich viele Angebote, die das Camp neben dem Fliegen und der Begegnung noch interessanter machen. Im letzten Jahr waren das beispielsweise die brasilianische Tanz-Kampfsportkunst Capoeira, der Bau von eigenen Trommeln mit echtem Kuhfell oder auch Graffiti-Workshops.

„Es ist ein bestechend durchdachtes Konzept, dem man sich einfach nicht verschließen kann“, lobt Oberbürgermeister Philipp. Denn neben dem Miteinander von Jugendlichen unterschiedlichster Herkunft, mit und ohne Handicap, wird auch die ehrenamtliche Arbeit beim Camp immer groß geschrieben.

„So werden Momente, Emotionen und Eindrücke geschaffen, die für Jahrzehnte bestehenbleiben“, ist Philipp sicher. Im Camp gibt es, das weiß Uschi Brammertz genau, eine selbst gewachsene Struktur, ein Netzwerk, das die Jugendlichen von selbst aus spinnen und so jeden aus der Gruppe integrieren. „Es gibt sogar echte Patenschaften, denn einer ist verantwortlich für den anderen, das gilt fürs Essen ebenso wie nachts, wenn einer aus dem Zelt auf die Toilette muss oder auch bei Ausflügen“, erklärt Brammertz.

Den inklusiven Anspruch hob bei der Programmvorstellung auch die stellvertretende Städteregionsrätin Elisabeth Paul hervor. Mit einem Bezug auf der von Altbundespräsident Richard von Weizsäcker geprägte Ausspruch: „Es ist normal, verschieden zu sein“ würden hier Barrieren einfach fallen. Und das gelte insbesondere für die in diesem Jahr besonders fokussierte Gruppe von unbegleiteten männlichen Flüchtlingen, die hier ebenfalls ganz selbstverständlich integriert wird.