Aachen/Würselen/Nordeifel: Das Mobbing der Mitschüler hat Sängerin Sam Czekanski stark gemacht

Aachen/Würselen/Nordeifel : Das Mobbing der Mitschüler hat Sängerin Sam Czekanski stark gemacht

„Du kannst alles machen, wenn du es wirklich willst. Du musst es nur versuchen.“ So klingt Sam Czekanskis Variante von der Weisheit des italienischen Philosophen Tommaso Campanella, der im 17. Jahrhundert sagte: „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!“ Auch wenn die junge Frau diese Woche erst ihren 28. Geburtstag feierte, kann sie von dieser Lebensphilosophie ein Lied singen — und das buchstäblich. Denn Sam, die eigentlich Samantha heißt, ist auf dem besten Wege, sich selbst ihren Traum vom Leben einer Sängerin zu erfüllen.

Samantha Czekanski ist in der Eifel aufgewachsen, genauer gesagt in Höfen. Dort entdeckte sie schon früh ihre Liebe für die Musik und das Singen. „Diesen Satz liest man nur zu oft in Musikerbiographien — ich singe aber tatsächlich seit meiner frühesten Kindheit“, sagt die 28-Jährige. Bereits mit sieben Jahren begann Samanthas Vater damit, dem Töchterchen Gitarre spielen beizubringen. „Das Singen kam dann von ganz alleine hinzu“, sagt die junge Frau und erinnert sich: „Als eifrige Zuschauerin der Mini-Playback-Show träumte ich bereits damals von der großen Bühne.“

Mit dem selbst geschriebenen Soing „Best Cookies in Town“ überraschte Sam den Aachener Lambertz-Chef Dr. Hermann Bühlbecker.

Und tatsächlich hatte Samantha schon mit zehn Jahren ihren ersten Auftritt — am Silvesterabend 2000, vor einer 100-Personen-Gesellschaft. Die Begeisterung für das Singen nahm die junge Samantha natürlich auch mit zur Schule. Bereits als Sechstklässlerin gründete sie gemeinsam mit vier Mitschülern eine Schulband. Das Quintett der Elwin-Christoffel-Realschule in Monschau nannte sich „X-Five“ und bestand genau fünf Jahre, nämlich bis zur Abschlussfeier im Sommer 2007.

„Wir hatten diverse Auftritte auf Schulveranstaltungen und bei den Abschlussfeiern, in der Kirche oder auch bei anderen Festen“, weiß die 28-Jährige zu erzählen und nennt einen weiteren Meilenstein ihrer musikalischen Vita: „Mit genau 16 Jahren schrieb ich meinen ersten eigenen Song. Er hieß ,I‘ve never felt like this before‘ und wurde dann auch eine Art Schulprojekt, für das wir sogar ein richtiges Musikvideo drehten“, erinnert sich Samantha.

Wer nun denkt, die Schülerin sei als talentierte Sängerin der Schulband an einer Realschule mit über Dreiviertel Jungenanteil sehr beliebt gewesen, der irrt gewaltig. „Meine Schulzeit war der pure Horror“, sagt Sam sichtlich traurig und wird konkreter: „Das hatte nichts mit der Schule oder den Lehrern zu tun, sondern hauptsächlich mit den Mitschülerinnen“, erzählt sie offen von massivem Mobbing gegen ihre Person. „Ich war eine Außenseiterin wie aus dem Bilderbuch, hatte eine Zahnspange und stand in den Pausen immer alleine auf dem Schulhof — weil ich nicht so aussah und mich nicht so anzog wie die anderen Mädels.“

Bei den Auftritte wahrte sie den schönen Schein, „obwohl mir immer schlecht war, wenn ich auf die Bühne ging, weil ich wusste, dass 99 Prozent der Leute nur darauf warteten, dass ich hinfliege oder irgendwas schief geht.“ Heute aber stehe sie auf der Bühne „und nichts haut mich mehr um oder macht mir Angst“. Sie ist überzeugt, dass das Mobbing sie letztlich stark gemacht habe: „Es gibt an jeder Schule eine Sam und die wird es auch immer geben. Aber ich möchte all jenen, die gerade vielleicht etwas Ähnliches erleben, Mut machen, nicht den Glauben an sich zu verlieren“, sagt Samantha, die nach dem Realschulabschluss an der ECR an der Höheren Handelsschule ein ähnliches Martyrium durchlebte.

Hier gipfelten die Anfeindungen gar in der körperlichen Attacke einer Mitschülerin im Sportunterricht, in deren Folge Samantha mit einem dreifachen Jochbeinbruch ins Klinikum eingeliefert werden musste. Die Übeltäterin entschuldigte sich zwar später halbherzig für ihre Tat, doch „für mich war das endgültig das Signal, mein Leben nachhaltig zu ändern“, weiß Samantha Czekanski heute.

In Equipment investiert

Sie zog aus der Eifel nach Aachen, ging weiter zur Schule und absolvierte mit Erfolg eine Ausbildung zur IT-Systemkauffrau. „Der Vertrieb liegt mir, aber diese Tätigkeit erfüllte mich nicht und wollte ich nicht mein ganzes Leben lang machen“, schaut sie zurück. Jetzt war die Zeit gekommen, ihren Lebenstraum in die Tat umzusetzen. „Ich investierte in ein kleines Equipment mit Mikrofon, Boxen und Verstärker zum Üben zu Hause und für meine Auftritte und eignete mir an, die Technik auch selbst zu bedienen.

Das Üben intensivierte sie und eignete sich ein stattliches Repertoire an. Die Wandelbarkeit hält sie dabei selbst für ihre größte Stärke: „Ich bin wirklich gerne die elegante Diva, die Lovesongs ins Mikro haucht, kann aber genau so als Röhre mit guten Pop- und Rocksongs einheizen“, umreißt Sam ihr Spektrum. Nur auf ein Genre reagiert die junge Frau geradezu allergisch: „Ich singe alles außer Schlager“, sagt Samantha und nennt ein Beispiel: „Bei den Liedern von Helene Fischer beispielsweise kann ich nichts fühlen. Und bei ‚Atemlos‘ würde mir der Atem wegbleiben.“

Über erste Auftritte bei Firmenjubiläen oder Hochzeiten in Aachen und Umgebung sowie die daraus resultierende Mund-Propaganda und positives Feedback begann Sam, sich ein Netzwerk aufzubauen. „Die Anfragen begannen sich zu häufen“, sah die junge Frau sich auf dem richtigen Weg.

Und tatsächlich vergeht heute kein Tag mehr ohne eine Anfrage per E-Mail oder Anruf. „Da ist mein Mann mir eine große Hilfe“, ist Samatha ihrem Mann Chris dankbar, dass er ihren Traum von einer Sängerin mitlebt und unterstützt. Schließlich haben die Beiden auch noch ihren kleinen, 15 Monate alten Sonnenschein, der manchmal zu Bett gebracht werden muss, wenn Mama auf der Bühne steht. „Die Kleine steht aber nach wie vor an erster Stelle in meinem Leben“, sagt Sam mit Nachdruck.

Ungewöhnlich an Samanthas Karriere ist sicherlich, dass die 28-Jährige nie eine Stunde Gesangsunterricht hatte, sondern sich alles, was sie kann, mit ihrem Talent und autodidaktisch angeeignet hat. Das hat übrigens auch schon die Jury der TV-Castingshow „DSDS“ (Deutschland sucht den Superstar“) überzeugt, als die Bohlen-Show noch etwas mehr Format hatte, nämlich 2008. „Ich kam damals in den Recall und wurde danach mit intimsten Fragen gelöchert. Die wollten ein ganz bestimmtes Bild von mir zeichnen und mich in eine Schublade stecken. Da bin ich ausgestiegen“, erzählt die junge Frau, die diese Episode aber keineswegs bereut: „Das war eine wichtige Erfahrung für mein Leben.“

Ein „Türöffner“ könnte für Samantha aber auch eine Begegnung auf der Lambertz-Monday-Night Ende Januar im Alten Wartesaal in Köln gewesen sein. Als Gast tummelte Sam sich bei der Megaparty des Aachener Geschäftsmanns Dr. Hermann Bühlbecker unter VIP‘s aus aller Welt („Ich bin die Sam aus Aachen“) und hatte eine Idee: „Die faszinierende Geschichte, wie Hermann Bühlbecker dieses 330 Jahre alte Traditionsunternehmen gerettet und an die Spitze gebracht hat, hat mich zu einem Song darüber inspiriert“, erzählt die 28-Jährige.

Wenige Wochen später stattete sie, begleitet von einigen Musikern, dem Lambertz-Firmenchef einen Besuch ab und überraschte Dr. Bühlbecker mit dem sehr persönlichen, jazzigen Lied: „The best Cookies in Town“ — natürlich eine Anspielung auf die Kekse und Printen, die von Aachen aus in die ganze Welt gehen. Bühlbecker sei sichtlich überrascht und begeistert gewesen und schickte wenige Tage später auch ein persönliches Dankesschreiben an Sam und ihre Kollegen.

„Was jetzt aus der Sache wird, steht noch in den Sternen. Aber vielleicht wird der Song ja für die Lambertz-Werbung genutzt oder kann ich ihn nächstes Jahr bei der Lambertz-Monday-Night performen“, hofft Sam.

Noch nicht abschätzen kann die 28-Jährige die Auswirkungen eines Auftritts im Rahmen der VOX-Fernsehsendung „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“. Hier sang Sam vor laufenden TV-Kameras unter anderem „Perfect“ von Ed Sheeran, dem Hochzeitslied, das laut Samantha in diesem Jahr bei keiner Hochzeit fehlen wird. Wann die Folge mit dem Duisburger Brautpaar und der Aachener Sängerin ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest. Allerdings haben sich aus Sams Auftritt bei den Dreharbeiten danach schon vier weitere Engagements ergeben.

Stile und Eigenkompositionen

„Wenn ich ehrlich bin, möchte ich ein bisschen wegkommen vom Hochzeitsgesang und mehr eigene Songs und andere Stilrichtungen singen und ausprobieren“, verrät Samantha. Da passen auch zwei Auftritte diesen Sommer ins Bild: Gemeinsam mit dem Saxofonisten Karim Kahtan und dem DJ Tim Kramer wird Sam am 3. und 24. Juni beim Sommerbriese Open Air in Rheine und Mönchengladbach zu erleben sein — „mit House, aktuellen Charthits und vielen bekannten alten Songs“, verspricht die 28-Jährige.

Wo ihr Weg als Sängerin hinführt, davon möchte Sam sich selbst überraschen lassen. Sie wird aber, ganz getreu ihrer Lebensphilosophie, nichts unversucht lassen, um viele Menschen mit ihrer schönen Stimme zu erreichen. Denn, so sagt sie: „Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein Nein. Und dann wird eben weitergemacht.“

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