Dueren: „Das Kita-Personal braucht unbedingt eine Lobby“

Dueren : „Das Kita-Personal braucht unbedingt eine Lobby“

Düren Aufmerksamer Zuhörer des „Lila-Salongesprächs“ war Ansgar Kieven. Der 61-Jährige ist seit sechs Jahren Leiter des Dürener Jugendamts — und somit auch im Fall der Fälle mit Problemen in Kindergärten beschäftigt. Im Interview mit Franz Sistemich sagt Kieven: „Es ist schon eine Menge, was von den Erzieherinnen verlangt wird.“

Die Aussagen der Autorinnen und der Erzieherinnen im „Komm“ waren eindeutig. Haben sie Recht?

Kieven: Die Belastung der Erzieherinnen ist uneingeschränkt hoch. Die Ansprüche an sie sind gewachsen. Es ist schon eine Menge, was von ihnen in ihren Bildungseinrichtungen verlangt wird, auch vor dem Hintergrund, dass die Beobachtungs- und Dokumentationspflicht enorm gestiegen ist.

Und dann kommen die „Rotzlöffel“ und ihre Eltern — und nicht nur diese — noch hinzu...

Kieven Die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder ist in der Tat von einem auf drei bis fünf Kinder pro Gruppe gestiegen. Die Kinder werden immer schwieriger, so dass der Auftrag, jedem Kind die gleiche Bildungschance zu geben, eine zustätzliche besondere Herausforderung ist. Die Situation in den Kitas ist leider Teil der gesellschaftlichen Entwicklung, an der auch Eltern ihren Anteil haben. Mein Wunsch wäre, dass mehr Erziehungsberechtigte anerkennen, dass in den Kitas, der ersten institutionellen Einrichtung, hervorragende Arbeit geleistet wird. Wenn das Zusammenspiel zwischen Kita und Eltern wegen eines „Rotzlöffels“ zum Beispiel nicht funktioniert und Ihr Amt wegen des nicht zu lösenden Konfliktes eingeschaltet wird: Wie sehen Sie die Rolle des Amtes?

Kieven Wenn es soweit kommt, sehen wir uns in einer gemeinsamen Verantwortungsgemeinschaft, um eine angemessene Form der Unterstützung zu finden. An erster Stelle steht das Kind. Man muss aber auch klar sagen: Ohne den Willen der Eltern mitzuwirken, sind Kita, Träger und uns die Hände gebunden, es sei denn, es liegt eine Kindeswohlgefährdung vor. Als Jugendamt bieten wir ja quer durch das Gesetz schon viele Hilfe an, beispielsweise angefangen von der Kinderkrankenschwester.

Was muss sich ändern, damit sich die Situation in den Kitas verbessert?

Kieven Auch wegen des Neubaus von Kitas und Gruppen und des Ausbaus der U3-Betreuung besteht ein erheblicher Bedarf an Fachkräften. Wir brauchen mehr Personal, vor allem auch männliche Erzieher. Das Personal muss besser bezahlt werden. Es muss eine verbesserte Regelung für die Freistellung der Kita-Leitungen geben. Wir brauchen eine Qualitätsoffensive, um die Anforderungen erfüllen zu können. Bund und Land müssen sich finanziell stärker beteiligen an den Kosten für die Kitas. Und: Unser Kita-Personal braucht wie jetzt die Pflegekräfte unbedingt eine Lobby.