Erkelenz: „Das große Krabbeln” auch in Erkelenz

Erkelenz : „Das große Krabbeln” auch in Erkelenz

Dass die Erkelenzer Innenstadt alles andere als tot ist, bewiesen der Botaniker Martin Temme und Michael Straube von der Nabu Naturschutzstation in Haus Wildenrath.

Beim „Tag der Artenvielfalt”, den das Magazin „Geo” vor fünf Jahren ins Leben gerufen hat, nahmen sie mit interessierten Bürgern die Innenstadt von Erkelenz unter die Lupe.

Dort fanden sie rund 200 Pflanzenarten - nur Wildwuchs, keine Gartenpflanzen - und stellten mehrere Vogel- und Insektenarten fest. DamitÊwar wohl eindeutig bewiesen: Das „große Krabbeln” gibt es auch in Erkelenz. Ob Käfer, Schnecken, Vögel, Pflanzen oder Insekten, die Naturfreunde machten den Bereich innerhalb der vier Erkelenzer Promenaden unsicher. Es hieß „Augen auf für die Natur”.

Organisiert, aber nicht bis ins Detail vorbereitet, hatten die Exkursionen, die von der Erkelenzer Burg starteten, Martin Temme und Michael Straube. „Wir wollen uns lieber überraschen lassen, was es in der Innenstadt alles zu finden gibt”, erklärten die beiden. Ziel dieses Geo-Projektes, an dem der Naturschutzbund im Kreis Heins-berg sich erstmals beteiligte, sollte sein, der wachsenden Naturentfremdung entgegenzuwirken.

Zumindest bei den Teilnehmern war von einer solchen Entfremdung nichts zu spüren. Mit Netzen, Keschern, Lupen, Sammelgläschen und Bestimmungsbüchern durchstreiften sie das Gebiet um die Erka-Burg. Dabei gab es so viel zu entdecken, dass selbst dieses kleine Stück Erkelenzer Land riesig erschien. Bei Fragen hatten Temme und Straube immer eine Antwort parat und alles, was wächst, krabbelt und fliegt, wurde schließlich eifrig katalogisiert und bestimmt.

Mit auf Exkursion hatte sich auch Dr. Michael Bierbach, Schulleiter des Cusanus-Gymnasium begeben. Der ehemalige Biologiestudent ging in der Suche nach Pflanzen und Insekten richtig auf. In ihm schlägt halt immer noch ein „Biologen-Herz”. Beim Anblick einer Kellerassel etwa fiel ihm damals Gelerntes wieder ein. „Die stammen von Krebstieren ab und atmen über Kiemen”, bestätigte auch Straube und fügte hinzu, dass diese Tierchen gerne in feuchter Umgebung leben.

Das „Botaniker-Herz” schlug dagegen bei Martin Temme höher, als die „Naturkundschafter” in der Nähe des Schulhofes der Gemeinschaftshauptschule Erkelenz eine wild wachsende Orchidee fanden. Noch mehrere von dieser Art fanden einige Naturfreunde außerhalb des für den „Tag der Artenvielfalten” abgesteckten Gebiets an der Anton-Heinen-Straße in Höhe des ehemaligen Friedhofes. Doch leider waren diese Exemplare verstümmelt Von den „Gärtnern” der Stadt scheinbar nicht bemerkt, werden die Orchideen ständig umgepflügt.

Auf den Spuren nach Insekten gab es viele angeknabberte Blätter zu sehen. da wurden Marienkäfer, Bienen und sogar ein prachtvolles Exemplar einer Bremse gefunden. „Keine Angst, die stechen selten Menschen, sondern eher Tiere.”

In den Abendstunden stand die Exkursion ganz im Zeichen der Fledermaus. Einige Zwergfledermäuse, die sich wie alle ihre Artgenossen mit Hilfe von Ultraschalllauten orientieren, sollten die Naturfreunde sogar auf dem Rasenplatz zwischen Westpromenade und Stadion zu sehen bekommen. „Nicht nur die Fledermäuse, sondern auch deren Quartiere stehen unter Schutz”, betonte Straube Dies sei notwendig, da sowohl Fledermäuse, als auch ihre Quartiere sehr selten geworden seien.

Die Luftkünstler, die wie Kolibris schweben können, quartieren sich gerne in Dachstühlen, Kellern oder sogar in Dachziegeln ein. Bei Dachstühlen werde es allerdings immer schwieriger für die Säugetiere Die Forschungsergebnisse werden in nächster Zeit dem Magazin „Geo” zur Verfügung gestellt, mal sehen, ob sich dann auch der „Blick von Außen” einmal auf Erkelenz richtet.