Hückelhoven: Das Frühstück auf der Sohle

Hückelhoven : Das Frühstück auf der Sohle

Franz-Josef Sonnen ist ziemlich begeistert: „Ja, hier tut sich was: Heute haben wir die Wand fertig gekriegt, nächste Woche wird der Beton eingegossen”.

Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende von Sophia-Jacoba ist stolz auf seine Männer vom „Förderverein Schacht 3”. Die arbeiten nämlich seit Monaten mit Hochdruck direkt neben der Maschinenhalle unter dem Förderturm auf dem Gelände von Schacht 3 an der Fertigstellung eines „Besucherbergwerkes”.

44 ehemalige Bergleute, vom Hauer bis zum Obersteiger, nehmen jeden Mittwoch und Donnerstag bei Wind und Wetter ziemliche Mühen auf sich, um eine Strecke so wieder aufzubauen, wie die Kumpel sie vor der Schließung der Zeche untertage tagtäglich bei der Maloche vorgefunden haben. Um die Idee in die Tat umzusetzen, waren Sonnen, der heute Vorsitzender des Fördervereins Schacht 3 ist, und seine Männer ganz und gar nicht zimperlich: „Wir haben hunderte von Teilen allein aus der Bergberufsschule geraubt.”

Was für Nichtbergleute ziemlich kriminell klingt, ist für die Kumpel allerdings ganz normal: „Wir haben das Material für unsere Zwecke zurückgewonnen”, sagt Sonnen und lächelt dabei verschmitzt.

Eigenes Bild machen

Damit in einigen Monaten Besucher, die vom Bergbau untertage bisher allenfalls über das Fernsehen Einblick gewonnen haben, sich von Streb und Strecke, von der Sohle und dem Hangenden oder von den Firsten ein eigenes Bild machen und die Knochenarbeit der Kumpel 600 Meter unter dem Erdoberfläche selbst und am eigenen Leibe erfahren können. „Wer das Museumsbergwerk begehen will, der muss sich darauf einstellen, dass er ein paar Meter kriechen muss, sagt Sonnen.

Viele Tipps bekommen

Der Streb, dessen Wand in der kommenden Woche gegossen wird, ist nämlich nur einen Meter zwanzig hoch. Das war überhaupt ein Problem für die Männer: Keiner von ihnen hatte Erfahrung im Hochbau oder von der Statik. „Aber wir haben von allen, an die wir uns bei solchen Fachfragen gewendet haben, wertvolle Tipps bekommen”, sagt Sonnen. Natürlich war auch der EBV sehr hilfsbereit, und auch die Stadt zeigt sich inzwischen kooperativ.

„Die Stützen für die Verschalung der Wand”, sagt Sonnen, „hat uns Bürgermeister Jansen zur Verfügung gestellt”. Für Hückelhoven kann die Initiative des Fördervereins nur von Vorteil sein, da ist sich Sonnen sicher: „Es ist doch klar, dass das Bergwerk über Tage in direkter Nähe zum Hückelhoven Center noch mehr Besucher hierher locken wird.” Schon heute ist das alte Zechengelände eine Attraktion für Nicht-Hückelhovener. „Im vergangenen Jahr habe ich 70 Gruppen hier über das Gelände geführt”, sagt Franz-Josef Sonnen.

Seit dem 1. Januar sind diese 90-Minuten-Exkursionen unter fachkundiger Leitung nicht mehr kostenlos: Sechs Euro pro Nase verlangt der Verein jetzt. Dafür gibt es aber auch bei morgendlichen Führungen ein Erbsensuppe, nachmittags Kaffee und Kuchen und bei Abendführungen wird gegrillt. Und wenn das Besucherbergwerk fertig ist, wird zum Abschluss auf der Sohle „gebuttert”, wie die Bergleute das Frühstück untertage nannten.

Der „Förderverein Schacht3” ist inzwischen auch Mitglied im Heinsberger Tourist-Service (HTS) geworden. „Wir bezahlen als Verein einen Mitgliedsbeitrag, dafür macht der HTS für uns Werbung in den einschlägigen Publikationen.” Ein gutes Geschäft, da ist sich Sonnen sicher.

Bis die erste Besuchergruppe durch das Bergwerk übertage geführt werden kann, werden allerdings noch ein paar Monate ins Land gehen und für die Männer noch einige Stunden harter Arbeit zu bewältigen sein. „Wir haben alle Maschinen und Gerätschaften hier parat liegen”, sagt Franz-Josef Sonnen. Es muss alles nur noch fachgerecht zusammengefügt werden. „Das kriegen wir hin,” sagt Sonnen. Er blickt entschlossen.