Aachen: Das Brander Bezirksamt unter dem Fluch der Topbewertung

Aachen : Das Brander Bezirksamt unter dem Fluch der Topbewertung

Es geht in diesen Tagen hoch her im städtischen Bürgerservice und in den Bezirksämtern. Kurz vor Beginn der Hauptreisezeit herrscht Stoßverkehr, weil viele Menschen kurz vor knapp noch ihre Ausweispapiere verlängern müssen und andere Behördengänge zu erledigen haben.

„Die Leute sitzen schon auf der Treppe“, meldete zu Wochenbeginn Wolfgang Sanders, Leiter des Bezirksamts Brand, dessen Kolleginnen seit geraumer Zeit einen besonders großen Ansturm bewältigen müssen und für die die neue Woche so begann wie die alte endete: mit Arbeit bis zum Anschlag.

Warum es so viele Menschen ausgerechnet dort hinzieht, konnten sich Sanders und seine Mitarbeiterinnen anfangs nicht erklären. Inzwischen wissen sie: Die Google-Bewertung ist schuld. Der Andrang in Brand ist sozusagen der Fluch der fünf gelben Sternchen. Kein anderes Bezirksamt hat diese durchweg positiven Beurteilungen, die einer Bestnote entsprechen. Man werde „super freundlich“ und mit einem Lächeln empfangen, heißt es unter Internet-Usern. „Nett“ und „hilfsbereit“ seien die Damen, und gelobt werden auch die kurzen Wartezeiten.

Doch mit den Wartezeiten ist das inzwischen so eine Sache. Denn je mehr Menschen sich an der Google-­Bewertung orientieren, um so länger werden die Schlangen auch in Brand. „Ich habe gute Mitarbeiterinnen, die machen ihre Arbeit gerne und fühlen sich dem Service verpflichtet“, sagt Sanders, „aber im Moment haben sie das Gefühl, an ihre Grenzen zu stoßen.“ Inzwischen gibt es auch dort schon mal Wartezeiten von einer Stunde und länger, da werden dann auch wohlwollende Menschen ungeduldig. „Aber wir können es ja nicht ändern“, bittet Sanders um Verständnis.

Dabei ist das Bezirksamt wegen der Größe des Stadtteils und der Vielzahl der Fallzahlen, die dort bearbeitet werden, schon besonders stark besetzt. Doch die Engpässe in den innerstädtischen Bürgerservice-Einrichtungen am Hauptbahnhof und am Katschhof und womöglich auch die vielen auf Google nachzulesenden Kommentare von unzufriedenen Kunden haben zunehmend zu einer Verlagerung der Kundenströme in die Bezirksämter geführt.

Um den Bürgerservice zu verbessern, wurden erst kürzlich vier neue Stellen geschaffen — zwei in der Innenstadt, vier Halbtagsstellen für die Bezirke. Schwer genug sei es gewesen, die passenden Kräfte zu finden, die die hohen Anforderungen erfüllen können, heißt es seitens der Verwaltung. Denn sie müssen ein breites fachliches Wissen haben und zugleich dem hohen Publikumsandrang gewachsen sein.

Dem Urteil der Kunden zufolge scheint die Besetzung in Brand besonders gut gelungen zu sein, und das scheint sich rumzusprechen. Interne Erhebungen des Brander Bezirksamtsleiters zeigen, dass viele Kunden gar nicht aus Brand sind, sondern aus Aachen-Mitte kommen — im Juni habe ihr Anteil bei 41 Prozent gelegen. Und obwohl es in Brand gar keine Bewohnerparkzone gibt, müssen die Mitarbeiterinnen dort immer häufiger Bewohnerparkausweise ausstellen — auch dies ist ein Indiz dafür, dass die Google-­Bewertung Einfluss auf manch einen Behördengang nimmt.

Vieles geht auch online

Wer Wert auf eine zügige Bearbeitung seiner Anliegen legt und sich lästige Wartezeiten ersparen will, hat allerdings auch andere Möglichkeiten, als sich bei Google zu informieren. So rät Rita Klösges vom Presseamt ohnehin dazu, Termine zu vereinbaren. Viele Gänge zum Amt kann man sich allerdings auch ganz ersparen. Was inzwischen online erledigt werden kann, hat die Stadt auf www.aachen.de unter dem Schlagwort E-Government zusammengefasst. Bewohnerparkausweise etwa kann man sich zu Hause auch selber ausdrucken.

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