Hückelhoven: Comedy ohne ganz großen Knaller

Hückelhoven : Comedy ohne ganz großen Knaller

Es weihnachtet sehr - selbstverständlich und vor allem auch in Saffelen, der idyllischen Selfkant-Siedlung mit dem gewissen Etwas.

Bereits zum vierten Mal in Folge organisiert ein kompetentes Organisationskomitee die großartige Weihnachtsgala im „Pfarrsälchen”. Nach dem Glühwein-Wetttrinken und der Tanzvorführung der California-Striptease-Company in den Vorjahren wird nun das erste Saffelener Kinder-Weihnachtsmusical - ausgedacht von „Schlömer Karl-Heinz” - seine Premiere feiern. Der Titel lässt Großartiges erahnen: „Der weggekommene Weihnachtsfrosch”.

Sicherlich hätte das Rurtal Trio noch mehr Neuigkeiten zu berichten gehabt, doch mussten sich Brüh und Mahoni beim achten Hückelhovener Comedy-Festival in der Aula des Gymnasiums auf ihre Fähigkeiten als Moderatoren besschränken. Der ganz große humoristische Knaller blieb am Samstagabend aus, doch pendelte sich der Unterhaltungswert auf einem gleich bleibend hohen Niveau ein.

In Anbetracht der illustren Gäste war das auch nicht weiter verwunderlich. Und alle Comedians - Dampfplauderer Matze Knop, Telefonator Paul Panzer, Verbaltaifun Christoph Brüske und das Improvisationstheater „Improvisite” - vollbrachten das Kunststück, ihren Darbietungen eine würzige Prise Lokalkolorit beizumischen.

Brüske etwa, gestählt durch eine klassische Gesangsausbildung, griff sich kurzerhand den Frank-Sinatra-Klassiker „New York, New York” und textete ihn effektvoll zu einer Hommage an die Gastgeber-Stadt um.

Überhaupt nicht glücklich ist der Rheinländer mit der Entwicklung der deutschen Sprache. „Alles ertrinkt in Anglizismen. Das hat etwas zu tun mit dieser Political Correctness.” Putzfrau zum Beispiel hieße nun „Cleaning Assistant der osteuropäischen Hemisphäre”, Kellner seien Mitglieder des „Service Management”, und der neudeutsche Begriff für Obdachlose sei „Location Freelancer” lauten.

Der englischen Sprache eher etwas hilflos gegenüber steht Paul Panzer. Die Stimme von 100,5 telefoniert lieber auf Deutsch. Dass Sohn Bolle mit 38 Jahren nun endlich unter die Haube kommt - die Auserwählte hört auf den Namen Lulu und kommt aus Thailand - fordert dem subversiven Biedermeier etliche Höchstleistungen ab.

Das Brautpaar nämlich, so berichtete Panzer, wolle nur im Kölner Dom den Bund fürs Leben eingehen. Aber nicht irgendwie: Per Bungee-Seil wollen sie sich durch die Kuppel direkt vor den Traualter stürzen. Ein Anruf bei Dachdecker-Meister Geneter, einem kölschen Urgestein, brachte endgültige Klarheit darüber, ob denn die Dom-Kuppel kurzzeitig mal abgedeckt werden könne.

Matze Knop hatte sein Alter Ego Richi nicht mitgebracht, erwies sich aber als Reiseberichterstatter höchster Güte. So erfuhr der interessierte Zuschauer von einem Hotel auf einer sehr bekannten Balearen-Insel mit dem klangvollen spanischen Namen „Almhütte”.

Die drei sympathischen Herren von „Improvisite” aktivierten gar das Publikum: Auf Zurufen eines beliebigen Begriffes entstand ein Reigen grotesk-komischer Szenen.