Wassenberg: Clemens verlässt die Wassenberger SPD

Wassenberg : Clemens verlässt die Wassenberger SPD

Rund zehn Jahre lang war er der Ortsvereinsvorsitzende der SPD in Wassenberg. Zuletzt hinter Walter Windeln der zweite Mann in der Fraktion des Stadtrates.

Dass sich Hilmar Clemens bei der Klausurtagung am Samstag anschickte, Partei und Fraktion offiziell den Rücken zu kehren, sorgte wohl für Katerstimmung bei den Genossen zum Beginn des neuen Jahres.

„Es war ein äußerst schwieriger Schritt”, bekannte Clemens denn auch gegenüber unserer Zeitung. Bei seiner langjährigen Verbundenheit zur Partei sei ihm diese Entscheidung gewiss nicht leicht gefallen.

Für den Ausstieg aus der Fraktion seien letztlich „unüberbrückbare menschliche und politische Differenzen mit dem Bürgermeister” verantwortlich. Eine nähere Begründung ließ sich Clemens jedoch nicht entlocken. „Ich bin nicht bereit, diese internen Dinge in die Öffentlichkeit zu tragen und hier schmutzige Wäsche zu waschen.”

Bürgermeister Manfred Erdweg dazu: „Auf der Klausurtagung, zu der Kämmerer Darius und ich als Referenten zum Haushalt 2004 eingeladen waren, wurden alle Teilnehmer vom öffentlichkeitswirksamen Rücktritt des SPD-Stadtverordneten und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Herrn Clemens überrascht. Ich bedauere es sehr, dass Herr Clemens bei zahlreichen persönlichen Gesprächen mit der Fraktion und mit mir nicht erkennen ließ, dass er diesen kompromisslosen Weg vor dem Hintergrund der anstehenden Kommunalwahl gewählt hat, sich von seinen ehrenamtlichen politischen Ambitionen zurückzuziehen. Ich gehe davon aus, dass dabei seine unerfüllten politischen und privaten Vorstellungen eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Für die Zukunft wünsche ich Herrn Clemens alles Gute.”

Seinen Austritt aus der Partei begründet Clemens mit den bundespolitischen Beschlüssen der letzten Monate, die er nicht mittragen könne. „Es liegt bei jedem Einzelnen, wie lange er das mit seinem Gewissen vereinbaren kann”, meint Clemens.

Nach langen Gesprächen in der Familie über die Feiertage habe sein Entschluss festgestanden, Partei und Fraktion zu verlassen. Ob er jedoch der „Gemeinschaft unabhängiger Stadtverordneter” beitreten werde, sei noch ungewiss.

Die Ex-SPDler Jürgen Thüring und Ralf Barten möchten in dieser neuen Ratsfraktion ihre politische Arbeit fortsetzen. „Ich muss erst sehen, wo Barten und Thüring hinwollen”, gibt sich Clemens noch zurückhaltend. Dennoch sei ihm klar, dass ein fraktionsloses Ratsmitglied nur wenige möglichkeiten habe, Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen.

SPD-Ortsvereinsvorsitzender Hans-Joachim Gossing bedauert zwar Clemens Entscheidung, von Auflösungserscheinungen der Fraktion will er aber nichts wissen. Auch wenn er damit rechnet, dass eventuell noch ein weiterer Austritt folgen werde.

Zudem habe es die Wassenberger SPD geschafft, gegen den Bundestrend ihre Mitgliederzahl weitgehend konstant zu halten. Erst Ende des letzten Jahres seien neun neue Mitglieder hinzugekommen. Und nun hätten eben drei die Partei verlassen.

Noch ein besonderes Bonbon: Clemens habe sich noch im Dezember letzten Jahres gemeinsam mit Gossing für den Verbleib von Barten und Thüring in Partei und Fraktion stark gemacht, um nur wenige Wochen später selber auszutreten.