Erkelenz-Lövenich: Chorleiter übt Kritik an „Würdenträgern”

Erkelenz-Lövenich : Chorleiter übt Kritik an „Würdenträgern”

Das 125-jährige Bestehen nahm der Kirchenchor Cäcilia Lövenich bei der Jahreshauptversammlung zum Anlass, den Wandel in der Kirche näher zu betrachten. Dazu äußerte sich der erfahrene Kirchenmusiker, Komponist und Chorleiter Theo Schläger in seinem Jahresbericht rückblickende aus Sicht des Chores, auch wegen zwiespältigen Erfahrungen, die zum Nachdenken anregen sollen.

Immerhin feiert Theo Schläger im kommenden Jahr sein 50-jähriges Chorleiterjubiläum. Seine Arbeit mit Kirchenchor Katzem-Lövenich, Patchwork, Kinderchor und Instrumentalkreis erfüllen im Grundsatz verschiedene Aufgaben und Funktionen in der Gemeinde.

Mit dem Kirchenchor bei Hochfesten, Weihnachten, Kar- und Ostertagen, Pfingsten, Allerheiligen, Pfarrpatrozinien. Die Gruppe Patchwork gestaltet Jugendchristmette, ist Ansingegruppe bei modernen Chorwerken mit anderen Chören und Mundartwerken. Der Kinderchor wirkt mit bei Erstkommunion, Familien- und Reisegottesdiensten. Dazu meditative Musik des Instrumentalkreises.

Der Wandel in den Jahren ist unübersehbar. Die Bandbreite der vier Gruppen lassen keine eindeutige Zuordnung erkennen. Alle Chöre singen eigentlich alles, was dem gemeinsamen Musizieren bei Gottesdiensten förderlich ist. Die Bandbreite geht von Mozartmessen bis hin zu Rockmusik, von der kirchlichen bis zur weltlichen Chorliteratur.

Dazu stellte der Chorleiter die Fragen, auf dessen Antworten der Chor wartet: „Was ist heute anders im Chor als früher? Was hat sich für und um den Chor herum verändert? Gibt es Unterschiede um den Chor und in der Kirche? Welche Stellung, Stellenwert und vor allem, welche Aufgabe, welchen Auftrag hat er?”

Theo Schläger erinnerte sich: „Vor Jahren wäre es undenkbar gewesen, moderne, rhythmisch dominierte Musik im Gottesdienst zu verwenden. Die offizielle Stellungnahme der Kirche sieht sie bis heute als fast abwegig. Früher sprach man bezeichnender Weise von „Einlagen”, die der Chor sang. Heute ist der Chorgesang durchaus ein Bestandteil im Gottesdienst.”

Die Schwierigkeiten des Wandels wurden dem Chor vor Augen geführt, als in Lövenich jahrelang nur über den Standort der Chöre diskutiert wurde, ohne den Stellenwert der Chorbeiträge zu berücksichtigen. Dabei sind die Chöre zum Mitgestalter geworden. Früher hieß es auch nur, wie auch heute oft: Der Chor hat schön gesungen - ohne zu berücksichtigen, dass die Texte, die von der Musik transportiert werden, gleichberechtigt neben den gesprochenen Gottesdiensttexten stehen.

Die musikalisch und liturgisch umwälzenden Strömungen in der Kirche begannen in den Beatmessen der 1960er-Jahre, also aus der Jugend heraus, eine Entwicklung von unten, die wie alle Entwicklungen äußerst skeptisch gesehen, zunächst eindeutig ablehnend von der offiziellen Kirche beurteilt, ja verurteilt wurden. Der Chorleiter gab zu, dass auch die Kirchenbesucher bei den ersten Versuchen den Chören fast feindselig gegenüber standen.

Damals war die Jugendbewegung so stark, dass sie den Gottesdienst mit ihrem Engagement nachhaltig beeinflusste und die Abläufe, die Sprache und Ausgestaltung veränderte. Der Chorleiter betonte in seinen Ausführungen ausdrücklich, dass dieser Rückblick keine Abrechnung sei. „Was mich bedrückt ist die Tatsache, dass wir immer die Kirche anklagen, doch wissend, dass es Menschen sind, die entscheiden, die das Bild, die Lehre, die Einstellungen der Kirche prägen. Nicht âdie Kirche´ kann sich ändern, sondern Ihre Entscheidungsträger müssen das, auch die vor Ort.”

Dazu ergänzte Theo Schläger, oft habe er erlebt, dass gute Ansätzen aus den Kreisen der jungen Menschen scheiterten, weil Verantwortliche aus der Pfarre abblockten, was als zartes Pflänzchen zu wachsen begann. „So starben hier liturgische Arbeitsgruppen des Kinder- und Jugendchores, weil sie keine Plattform fanden.”

Inzwischen sind die Kirchenchöre meist überaltert, weil eine ganze Generation in der Kirche fehlt. „Um so wichtiger ist es für uns, dass wir es auch und wesentlich als unsere Aufgabe betrachten, die Verantwortlichen in der Kirche, die gute neue Wege beschreiten, die auf die Zeichen der Zeit hören, ohne sich von Modernismen beeinflussen zu lassen, das wir sie mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen, gerade wir als Kirchenchorsängerinnen und -sänger.”

Der Rückblick zeigte auch positive Seiten auf, die den vier Gruppen Mut machen, nach 125 Jahren im gleichen Sinne ihre Aufgaben im kirchlichen und weltlichen Bereich wahrzunehmen.