Hückelhoven: CDU schwenkt um: Ja zur Gesamtschule

Hückelhoven : CDU schwenkt um: Ja zur Gesamtschule

Die Stadt Hückelhoven wird bei der Bezirksregierung in Köln den Antrag auf Errichtung einer Gesamtschule stellen.

Das ist das Ergebnis eines Workshops, bei dem Vertreter der Politik, Schulleiter und die Spitze der Verwaltung über die Konsequenzen aus dem kürzlich vorgestellten Schulentwicklungsplan für den Kreis berieten. „Wir werden nach den Sommerferien eine Elternbefragung durchführen, um so formell die Voraussetzungen für die Errichtung einer Gesamtschule in Hückelhoven zu erfüllen”, sagt CDU-Fraktionschef Heinz-Josef Kreutzer.

Seine Partei hatte sich in der Vergangenheit stets gegen eine weitere Gesamtschule im Kreis auf Hückelhovener Gebiet ausgesprochen. Nachdem im neuen Schulentwicklungsplan allerdings auch die Umformung des Schulzentrums Ratheim zu einer Gesamtschule vorgeschlagen wurde, hat bei der CDU ein Umdenken stattgefunden. „Wir reagieren auf das Elternverhalten und nicht auf irgendwelche politischen Vorgaben”, sagt Kreutzer.

Bürgermeister Bernd Jansen präzisiert das so: „Wir verstehen uns als Schulstadt. Mit einer Gesamtschule können wir alle vier weiterführenden Schulformen im Stadtgebiet anbieten.” Hückelhoven, so der Bürgermeister, erhebe den „Anspruch, möglichst viele Schüler auch in Hückelhoven zu beschulen”.

Das ist heute offenbar nicht so: „Im laufenden Schuljahr haben wir 626 Auspendler, die ihre Wunschbeschulung in Hückelhoven nicht bekommen”, sagt Hildegund Wilkop. Die Vorsitzende des Schulausschusses der Stadt glaubt zwar nicht, dass mit einer neuen Gesamtschule diese Zahl der Pendler auf Null gedrückt werden kann, „aber sie wird sich deutlich nach unten hin verschieben”.

Am stärksten betroffen von einer Gesamtschule wäre sicher die Realschule in Ratheim. Aber Bürgermeister Jansen glaubt, dass „auch diese Schule neben der vierzügigen Gesamtschule dreizügig weiter bestehen kann”. Georg Schiefelbein, Leiter der Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Hauptschule in Ratheim, ist sich darüber im Klaren, dass eine Gesamtschule im Schulzentrum Ratheim für seine Schule das Aus bedeuten wird: „Uns wird es nicht mehr geben. Und das ist gut so, denn ich bin für die Errichtung einer Gesamtschule.” Seine Kollegin Christiane Müller von der Hauptschule In der Schlee dagegen plädiert eindeutig für den Bestand der Hauptschule.

Der ist mit den Neu- und Anbauten, die dort in den vergangenen Monaten gemacht wurden, auch nicht gefährdet. „Wir sehen unsere Entscheidung für eine Gesamtschule in Hückelhoven nicht als Einstieg zum Ausstieg aus dem dreigliedrigen Schulsystem”, betont Heinz-Josef Kreutzer. „Wir sehen darin eine Bereicherung unseres Schulsystems”

Natürlich, das betonen sowohl Kreutzer als auch Jansen, werde man sich bei der Realisierung des Vorhabens „Gesamtschule” auch mit den Nachbargemeinden absprechen. „Wir wollen nicht in einen Wettbewerb mit Erkelenz und Heinsberg treten”, sagt der CDU-Fraktionschef. Es habe, sagt er, bereits Gespräche mit Erkelenz gegeben. „Wir sind da weiter als manche denken.”

Was für Hückelhoven positiv wäre: Erkelenz wolle, so hört man, die Zügigkeit seiner beiden Gymnasien reduzieren. Kreutzer dementiert das nicht. Dass man nicht hopplahopp mit der Realisierung der neuen Schule beginnen kann, das ist der Vorsitzenden des Schulausschusses klar: „Wir werden in der Sitzung des Ausschusses am 7. Juli die Verwaltung beauftragen, die Einrichtung einer Gesamtschule im Stadtgebiet zu genehmigen. Das kann bis zu zwei Jahre dauern, bis über den Antrag entschieden wird”, sagt Hildegund Wilkop.

CDU-Stadtverbandsvorsitzender Thomas Schnelle glaubt, dass die brandneuen politischen Konstellationen in Düsseldorf dafür sorgen könnten, dass sich das Genehmigungsverfahren in Köln beschleunigt: „Wir können ohne Probleme sehr zeitnah räumlich und finanziell im Schulzentrum Ratheim auf Gesamtschule umschalten.” Und der Bürgermeister sagt: „Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen und den nachhaltigen Bedarf für eine mindestens vierzügige Schule, also 112 Schüler, nachweisen.” Das werde man jetzt anpacken. Er hofft, dass „da alle Parteien im Rat mitziehen”.