Erkelenz: Bunte Reise rund um den Globus

Erkelenz : Bunte Reise rund um den Globus

Merals Hände sind ein wenig zittrig. Mit zusammengebissenen Zähnen versucht sie, den Faden in das winzige Nadelöhr zu zwängen.

Sie feuchtet das Ende des Garns an. Endlich gelingt es, nun muss noch ein zweiter Faden durch das gleiche Loch.

Meral Cetin ist 17 Jahre alt, Schülerin der Gemeinschaftshauptschule in Erkelenz, und gerade testet sie ihre Tauglichkeit für die Produktionssituation in den Billiglohnländern.

Sie hat schon fünf Papierhütchen gefaltet, Streichhölzer ganz gleichmäßig in eine Schachtel sortiert, und nun steht ihr noch ein Haufen T-Shirts bevor, die säuberlich gefaltet auf einen Stapel gelegt werden müssen. Etwas lieblos legt Meral die Shirts aufeinander.

Letzte Aufgabe: Einen 25 Kilogramm schweren Leinensack über eine kurze Strecke tragen. Meral kommt ins Ziel, die Zeit wird gestoppt: vier Minuten und neun Sekunden. Ein gutes Ergebnis, aber ein wenig zu langsam. „Nur wer den Parcours in vier Minuten schafft, wäre in der Lage, sich als Arbeiter in den Billiglohnländer zu behaupten”, steht in bunten Buchstaben auf einem Plakat geschrieben.

Heute ist Aktionstag in der Gemeinschaftshauptschule. Das Projekt „Youth in World Practice”, an dem die Schule seit zwei Jahren teilnimmt, hat sich diese Veranstaltung ausgedacht.

Die Neuntklässler haben ein buntes Informations- und Unterhaltungsprogramm zusammengestellt, mit dem sie ihre Mitschüler der anderen Jahrgänge über das Thema Globalisierung informieren wollen.

Und um dafür auch einen Anreiz zu schaffen, gilt es, auf einem Laufzettel Punkte an den verschiedenen Stationen dieser „Reise um den Globus” zu sammeln. Die Punkte können sie dann später gegen fair gehandelte Lebensmittel - Speckbananen, Schokolade, Bananenmilch oder Kakao - eintauschen.

Im ersten, bunt gestalteten Klassenzimmer informieren Stellwände über die Produktion von Textilien. An langen Leinen quer durch den Raum hängen 15 Kilogramm Wäsche - der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch eines Deutschen in einem Jahr. „Damit nimmt Deutschland die Spitzenposition ein”, erklärt der 15-jährige Carsten Jäger.

Der Schüler hat zusammen mit seinem Klassenkameraden die Informationen zu diesem Thema gesammelt. Jetzt steckt er eine kleine Stecknadel mit blauem Kopf in eine riesige Weltkarte. „Hier soll jeder Schüler einmal zeigen, wo seine Jeans eigentlich herkommt und die Stelle dann auf der Karte markieren.” Die Karte ist schon über und über mit bunten Nadelköpfen übersäht.

Im zweiten Klassenzimmer gibt es Informationen rund um das Thema Banane. Hier können die Schüler Punkte sammeln, indem sie Fragen zur Fruchtstaude und zum fairen Handel mit Bananen beantworten. Die Fragen sind nicht sehr schwierig, auf den Laufzetteln der Schüler häufen sich die Punkte.

Im dritten Raum präsentieren einige Schülerinnen und Schüler ein kleines, selbst ausgedachtes Theaterstück. Es handelt von den Unterschieden im Leben von Jugendlichen in Deutschland und in Thailand. Das Theaterstück zeigt, unter welchen Bedingungen die Kleider, die Jugendlichen hier zu Spottpreisen in den Läden kaufen können, im Ausland produziert werden.

Der Schlusspunkt der Globalisierungs-Reise ist der Geschicklichkeitsparcours, den Meral gerade hinter sich gebracht hat. Sie hat es zwar nicht ganz geschafft, trotzdem bekommt sie zwei Punkte für ihre Leistung. Enttäuscht ist sie nicht, zumal der nächste, der seine Produktionsfähigkeiten testet, Hansjosef Buchkremer ist, Professor an der Universität Köln und Mitbegründer des Projektes „Youth in World Practice”.

Und der ist deutlich langsamer als Meral. Fünf Minuten und sechs Sekunden braucht er für die Aufgaben. Leider zu langsam, dafür sind die T-shirts sehr akkurat gefaltet. „Hier kann also selbst ich noch was lernen”, lacht Buchkremer, der noch ein wenig außer Atem ist vom Sackschleppen. „Ein schöner Tag, für die Organisatoren und auch für die Schüler.”´