Gangelt: Bundesstraße 56n nicht vor 2016 komplett

Gangelt : Bundesstraße 56n nicht vor 2016 komplett

Die frommen Wünsche der Politik haben nichts genutzt. Die Bundesstraße 56n wird auf keinen Fall vor 2016 fertig. Grund ist offenbar Ärger, den es um die Vergabe eines einzelnen Auftrags gibt — und dessen Beendigung der Landesbetrieb Straßen.NRW abwarten muss, bevor das letzte Teilstück angegangen werden kann.

Ein Bauunternehmen, das gern den letzten noch zu vergebenden Auftrag für eine Brücke gehabt hätte, diesen aber nicht bekommen hat, hat Beschwerde bei der Vergabekammer der Düsseldorfer Bezirksregierung eingelegt. Und bis die zu einem Ergebnis gekommen ist, stellt Roland Schmidt von Straßen.NRW fest, kann der Vertrag mit dem Unternehmen, dass eigentlich den Zuschlag erhalten soll, nicht unterschrieben werden.

Die Kommunalpolitik fiebert der Fertigstellung des Projekts schon seit geraumer Zeit entgegen. Selfkants Bürgermeister Herbert Corsten etwa teilte nach Rücksprache mit Straßen.NRW bei der Gemeinderatssitzung im August 2013 freudig mit, dass die Bundesstraße bis 2015 fertig sein soll. Und auch seinem Gangelter Amtskollegen Bernhard Tholen ist die Angelegenheit seit Jahr und Tag ein wichtiges Anliegen. Denn beide Orte versprechen sich durch den frischen Asphalt eine erhebliche Entlastung, insbesondere vom Lkw-Verkehr. In Gangelt ist daran überdies der Umbau der Sittarder Straße geknüpft.

Im Gespräch mit Roland Schmidt klingt durch, dass das Ziel einer Fertigstellung noch kommendes Jahr wohl ohnehin relativ ambitioniert war. Die Beschwerde des Bauunternehmers habe dies aber nun endgültig unmöglich gemacht. „Das Unternehmen nimmt nur sein demokratisches Recht wahr“, stellt Schmidt fest. Ärgerlich ist die Sache für ihn und seine Leute natürlich trotzdem. Gleichwohl geht er fest davon aus, dass die Vergabekammer den Einspruch ablehnen wird — „und dann ist der Vertrag mit dem anderen Unternehmen innerhalb von einer Stunde unterschrieben.“

Wann das sein wird, ist offen. „Im Moment kann das Zeitfenster bis zu einer abschließenden Entscheidung noch nicht abgesehen werden“, heißt es lediglich aus den Reihen der Bezirksregierung, die sich auch zum genauen Gegenstand der Beschwerde mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern will.

An der Wichtigkeit des Projekts ändert sich durch den Schlamassel natürlich nichts. Die Direktverbindung zwischen A46 und den Niederlanden wird nicht nur neue Wege eröffnen, sondern auch für Entlastung sorgen. Das sagt Projektleiter Markus Reul vom Landesbetrieb Straßen.NRW. „Da sich das letzte Teilstück in vielen Ortslagen in Tieflage unterhalb des bisherigen Straßenniveaus befindet, wird von der Straße nicht viel zu sehen sein.“ Zwischen Birgden und Schierwaldenrath ist genau das schon jetzt hervorragend zu erkennen, denn hier werden eigens Überführungen für Straßen- und Schienenverkehr gebaut, die später über die bis zu dreispurige B56n führen sollen. Auf genau 7,88 Kilometer neue Straße zwischen Gangelts Ortsteil Vinteln und dem Anschluss an die A46 bei „Janses Mattes“ kommt das Teilstück, dessen Fertigstellung nun durch die Beschwerde behindert wird. 24 Brückenbauwerke, dazu noch Unterführungen beispielsweise für Wasser und fünf Knotenpunkte summieren sich in diesem Projekt auf Gesamtkosten von 84,2 Millionen Euro. Gut 20.000 Fahrzeuge sollen dann — irgendwann — Tag für Tag über die Verbindung rollen.

Gewerbeansiedlungen

Das ist auch wirtschaftlich interessant. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg (WFG) etwa will für neue, attraktiv gelegene Gewerbeansiedlungen entlang des Verlaufs sorgen. Strukturell wird die Trasse dreispurig ausgebaut, es wird jeweils zwei Fahrstreifen in beide Richtungen plus einen Streifen für die Gegenrichtung im Wechsel geben, ähnlich wie auf der B221. An den Anschlussstellen werden aus Sicherheitsgründen zwei durchgehende Fahrstreifen je Fahrtrichtung eingeplant, entsprechend sind die Brückendurchfahrten auch für die Aufnahme von vier Fahrspuren geeignet.