Kreis Heinsberg: BUND: NRW ist „nahezu gentechnikfrei”

Kreis Heinsberg : BUND: NRW ist „nahezu gentechnikfrei”

Bei der Mitgliederversammlung der Kreisgruppe Heinsberg vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in der Erkelenzer Gaststätte Kirchhofer referierte Ralf Bilke von der Düsseldorfer Landesgeschäftsstelle über den derzeitigen Stand der Gentechnik in der Landwirtschaft.

Bilke betonte, dass man „vor großen Weichenstellungen” stehe, da es darum gehe, die Landwirtschaft in Deutschland gentechnikfrei zu halten. Seit 1. Mai bestehe nach einer zweijährigen Diskussion und einer Änderung des Gentechnikgesetzes eine Kennzeichnungsregelung: Lebensmittelhersteller können ihre Produkte mit dem Hinweis „ohne Gentechnik” versehen.

Bereits seit April 2004 gilt: Lebens- und Futtermittel mit Gentech-Anteilen über 0,9 Prozent müssen auf der Zutatenliste als „genetisch verändert” ausgewiesen werden. Unterhalb von 0,9 Prozent sind Produkte nur dann von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen, wenn ihre Hersteller nachweisen können, dass die gentechnische Verunreinigung „zufällig„ und „technisch unvermeidbar” war.

Der Agrarrefreent des BUND in NRW hatte auch die Nachricht für die Zuhörer, dass die Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen „nahezu gentechnikfrei” sei. Einzig im Kreis Unna bestehe eine Anbaufläche von rund 0,26 Hektar Größe für Gen-Mais. Bei einer gesamten Anbaufläche von rund 220.000 Hektar Mais liege der Genanteil demnach „im Promillebereich”. In den neuen Bundesländern sehe dies mit einem Anteil von rund 0,2 Prozent deutlich anders aus.

In Frankreich und Rumänien sei der Anbau von gentechnisch verändertem Mais verboten. In Deutschland werde jedoch mit der Sorte „Mon 810” experimentiert. In gentechnisch veränderten Pflanzen seien die Erbinformationen verändert. „Mon 810” sei zum Beispiel resistent gegen Bodenbakterien, schädige aber auch andere Insekten und Schmetterlinge. Den Widerstand gegen Gentechnik bezeichnete Bilke als „Agrarpolitik von unten”. 95 Prozent des gentechnisch veränderten Anbaus finde in den USA, Kanada, Südamerika und China statt. Betroffen seien neben Mais auch Soja, Raps und Baumwolle.

In Europa werde derzeit nahezu gentechnikfrei produziert. Trotz der Kennzeichnungspflicht sei gerade bei Eiern ein Defizit zu beklagen, da nicht gekennzeichnet sei, ob die Hühner mit gentechnisch verändertem Mais gefüttert würden. Als einen Knackpunkt nannte er das dauerhafte Nebeneinander von gentechnikfreier und gentechnisch veränderter Landwirtschaft, da sich die Erbinformationen der Genpflanzen durch Pollenflug verbreiten würden.

Als Umweltauswirkungen des Einsatzes von gentechnisch veränderten Pflanzen nannte Bilke die Verarmung der Artenvielfalt und eine Veränderung auch der Wildkräuter und Ackergräser. Auch seien Wechsel- und Nebenwirkungen noch völlig ungeklärt. Wirtschaftliche Vorteile für die Landwirte seien durch Gentechnik nicht zu erwarten. So müssten die Produkte zum Beispiel separat gelagert werden, um eine Vermischung zu vermeiden.

In der Gentechnikfreiheit sah er eine Schlüsselqualifikation für die Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte. Bilke warb für ein breites Bündnis gegen die Gentechnik. In NRW hätten sich bereits 19 Kommunen an der Aktion „Keine Gentechnik auf kommunalen Flächen” beteiligt; bundesweit seien es rund 140. Sein Fazit: „Vernünftige Landwirtschaft braucht keine Gentechnik.”