Kreis Heinsberg: „Bündnis gegen Rechts” aus der Taufe gehoben

Kreis Heinsberg : „Bündnis gegen Rechts” aus der Taufe gehoben

Das „Bündnis gegen Rechtsextremismus - für Demokratie und Toleranz im Kreis Heinsberg”, kurz Bündnis gegen Rechts genannt, ist am Dienstagabend in der Evangelischen Kirche in Ratheim offiziell aus der Taufe gehoben worden.

Rund 200 Menschen waren zur Gründungsversammlung gekommen. Pfarrerin Susanne Bronner hatte in ihren Begrüßungsworten an Aktivitäten der rechten Szene unter anderem in Wegberg, Randerath und Erkelenz erinnert, aber auch an die Kommunalwahl. Dabei hatte - wie Dusty Bock erläuterte - die NPD in den Städten Erkelenz und Hückelhoven ebenso wie im Kreistag einen Sitz erreicht.

Nach dem Vorbild von Düren, Aachen und anderen Städten solle das Bündnis im Kreis Heinsberg gegründet werden, so Susanne Bronner - einerseits, um nach außen sichtbar zu machen, dass es Menschen gebe, die der NPD und rechtsextremistischen Bewegungen etwas entgegensetzen wollten.

Andererseits gehe es um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit rechtsextremistischem Gedankengut. Da müssten Haltungen und Einstellungen hinterfragt und nach Ursachen geforscht werden. Dies sei ein unspektakulärer und langer Prozess.

Doch neben Bildungsarbeit und Aktionen denke sie auch an Musik, Theater und Kabarett, an Ausstellungen und insbesondere an Jugendarbeit, so Bronner. „Die Jugendlichen müssen erfahren, dass sie gebraucht werden und wichtig sind.” Die Pfarrerin äußerte ihre Hoffnung auf ein breites Bündnis und auf eine breite Zustimmung. „Die Resonanz macht Mut”, sagte sie.

In einem Grußwort betonte der Hückelhovener Bürgermeister Bernd Jansen, es sei wichtig, Zeichen zu setzen: „Wir sind alle gefordert, Flagge zu zeigen.” Mit seiner Unterschrift werde er für die Stadt Hückelhoven den Beitritt zum Bündnis erklären, rief er die anderen Städte und Gemeinden und den Kreis auf, diesem Beispiel zu folgen. „Rechtsextremismus hat in Hückelhoven und im Kreis Heinsberg keine Chance.”

Wilfried Mercks als Moderator dieses Abends in der Friedenskirche betonte noch einmal, dass dieses Bündnis auf langfristige Kooperation angelegt sei. Dass es zuletzt gelungen sei, mit einer Gegendemonstration eine Versammlung der NPD in Erkelenz zu verhindern, solle kein einmaliger Erfolg bleiben.

Einstimmig wurde mit der Verabschiedung des Grundlagenpapiers das Bündnis gegründet. In dem Papier wurde die Zielsetzung dieses über politische, religiöse und weltanschauliche Grenzen hinweg gegründeten Bündnisses formuliert: ständige Auseinandersetzung mit und Widerstand gegen Rechtsextremismus, Revanchismus, Rassismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung und Nationalismus im Alltag in der Heinsberger Region.

In sechs Arbeitsgruppen ist Engagement möglich: Bildung (Erwachsenenbildung); Kinder und Jugend; Sport und Kultur; Integration; Veranstaltungen; Eilaktion. Mit Letzterem sind beispielsweise Telefonketten gemeint, um schnell reagieren zu können.

Dem Sprecherrat vom Bündnis gegen Rechts gehören die neun Mitglieder des Vorbereitungsteams an: Susanne Bronner (Evangelischer Kirchenkreis Jülich), Wilfried Mercks (Deutsches Rotes Kreuz), Karl Panitz (Deutscher Gewerkschaftsbund), Michael Stock (SPD), Christian Ehlers (Integrationsagentur der Diakonie), Mehmet Yilmaz (Verband der islamischen Kulturzentren Hückelhoven), Norbert Reyans (CDU), Dusty Bock (Schülervertretung) und Maria Meurer (Grüne).

Bei der Versammlung wurden außerdem zwei weitere Personen in den Sprecherrat gewählt: Adem Onur (Türkisch Islamische Gemeinde Hückelhoven) und Peter Echterhoff (FDP).

Nachnominiert werden soll zudem noch ein Vertreter der katholischen Kirche.