Uetterath: Brudermanns: „Wir leben mit und von der Natur”

Uetterath : Brudermanns: „Wir leben mit und von der Natur”

Das Gesicht der Äcker und Felder verrät es: Die Landwirte haben zurzeit viel Arbeit, die Ernte läuft auf Hochtouren.

Sind hier und dort die Flächen schon abgeräumt - etwa beim Getreide und Heu -, so warten beispielsweise der Mais und die Zuckerrüben noch auf die Erntemaschinen.

Die HZ besuchte gemeinsam mit Betriebsberater Franz-Werner Geditz von der Kreisstelle Heinsberg der Landwirtschaftskammer Rheinland den „Försterhof” in Uetterath, um mit Familie Brudermanns einen Blick auf die Situation der Landwirtschaft zu werfen.

„Wir sind gerne Landwirte und möchten das auch in Zukunft gerne bleiben”, sagen Herbert und Bettina Brudermanns. Trotz manch schlechter Nachricht aus der Landwirtschaft, zweifeln sie keineswegs an der Richtigkeit ihrer Berufswahl.

Im Gegenteil, Herbert Brudermanns führt den Betrieb in der dritten Generation und mit den Söhnen Johannes und Christian ist auch schon der mögliche Nachwuchs auf dem „Försterhof”.

Der Familienbetrieb, der früher näher am Uetterather Ortskern lag, ist nun ein Stück weiter Richtung Randerath gezogen und umfasst inzwischen - verteilt über rund 14 Kilometer - Flächen, die im Gesamtumfang drei bis vier Höfen vor etwa 15 Jahren entsprechen.

Vor allem dank der Technik ist es möglich, mit gleichbleibender Personenzahl immer mehr Fläche zu bewirtschaften. Die Flächennutzung des Betriebs Brudermanns ist etwa zur Hälfte auf die Bereiche Milchwirtschaft und Ackerbau aufgeteilt. Angebaut werden Getreide, Zuckerrüben und Viehfutter.

Die mittlerweile abgeschlossene Getreideernte hat vor allem unter den starken Niederschlägen gelitten. „Das geht auf die Qualität”, bestätigt Herbert Brudermanns.

Die Ertragsmenge liege etwa zehn bis 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau und folge damit dem landesweiten Trend von zirka minus zehn Prozent. „Wir haben noch Glück gehabt, dass die letzte Woche trocken war. Eine Woche länger Regen und das Getreide wächst aus. Wir leben mit und von der Natur, Schwankungen dieser Art hat es immer gegeben”, sagt Herbert Brudermanns und hat wohl weniger mit dem Wetter als mit der reglementierenden EU-Agrarpolitik zu kämpfen.

Die Preise für Getreide liegen 12 bis 15 Prozent niedriger als noch 2001, nicht zuletzt durch den wachsenden Druck von Importen auch aus Osteuropa. Das Rohprodukt Weizen sei fast nichts mehr wert, meint Herbert Brudermanns: „Wenn ich mit meiner Familie ausessen gehe, kostet mich eine Mahlzeit umgerechnet 200 Kilo Weizen.”

Für 100 Kilo seien etwa neun Euro zu erzielen. Da auch immer wieder die Brötchenpreise mit den Weizenpreisen in Zusammenhang gebracht werden, erläutert der Landwirt, dass der Anteil des Weizens am Preis eines Brötchens zirka einen Cent betrage. Weitere Nutzungen des Getreides liegen in der Saatgutgewinnung bzw. -vermehrung sowie in der Verwertung des Strohs.

Als Nächstes steht ab Mitte/Ende September die Zuckerrübenernte bevor. Zwischendurch, so Herbert Brudermanns, werde der Mais eingefahren. „Alle Hackfrüchte sind in die Masse gegangen, darunter leidet natürlich die Qualität”, schildert er das Ergebnis erster Proben. „Bei den Zuckerrüben wird es eine durchschnittliche Ernte geben, dicke Rüben mit wenig Zucker. Wir hatten zu wenige Sonnentage.”

Je nach Arbeitsaufkommen wird der Betrieb von drei bis fünf Familienmitgliedern geführt - die Milchwirtschaft, um die sich besonders Bettina Brudermanns kümmert, und die Wartung der Maschinen inklusive. Fachkräfte als Festangestellte wären nicht nur ein erheblicher Kostenfaktor, sie wären auch äußerst schwer zu finden.

Als Herbert Brudermanns Ende der 80-er Jahre die Meisterschule begann, starteten mit ihm ungefähr 60 weitere junge Männer aus dem Kreis Heinsberg. Heute sind es fast 90 Prozent weniger, die nächste Landwirtschaftsschule ist angesichts stetig sinkender Schülerzahlen demnächst in Köln-Auweiler.

Der Uetterather Betrieb Brudermanns ist zwar ein klassischer Familienbetrieb, wo auch der Vater noch mit anpackt, doch ohne die Unterstützung durch Lohnunternehmer zu gewissen Arbeitsspitzen geht es nicht, alleine schon wegen der enormen Kosten der Erntemaschinen.

„Bei der Maisernte beispielsweise sind eigene Maschinen nicht profitabel”, erklärt Herbert Brudermanns. Der Maschinenpark einer solchen Erntekolonne stelle ein Investitionsvolumen von schätzungsweise 400 000 bis 500 000 Euro dar.

Wer als Landwirt überleben will, muss nicht nur seine Produkte im Griff haben, sondern auch Entwicklungen der Agrarpolitik und -märkte frühzeitig erkennen, für sich analysieren und Konsequenzen ziehen.

Hierbei hilft unter anderem die Landwirtschaftskammer mit einem Arbeitskreis unter Leitung von Betriebsberater Franz-Werner Geditz.

Zehn mal im Jahr treffen sich in diesem Kreis Landwirte, um über neue Entwicklungen informiert zu werden, Erfahrungen auszutauschen und Entscheidungshilfen für etwaige Neuausrichtungen ihrer Betriebe zu erhalten. „Spezialisierung statt Vielfalt” heißt in der Regel das richtige Rezept.

So hat der Betrieb Brudermanns beispielsweise die Rinder- und Schweinemast aufgegeben und sich auf Milchwirtschaft konzentriert - eine glückliche Entscheidung, wie sich in der BSE-Krise beweisen sollte.

Ergänzt wird das Wissen der Beratungsprofis durch den lebenslangen Erfahrungsschatz der Elterngeneration. Wenn diese einmal fehlt und Fachkräfte nicht zu finden sind, „wird man erkennen, was der Vater wert ist”.

Im Kreis Heinsberg gibt es gegenwärtig rund 900 landwirtschaftliche Betriebe. Die Zahl ist weiter rückläufig und verringert sich pro Jahr im Schnitt um drei bis fünf Prozent. Die aufgegebenen Flächen werden allerdings in der Regel noch von Nachbarbetrieben übernommen, so dass auch hier von Konzentration oder „Fusionen” gesprochen werden könnte.

Die Zahl der Lehrlinge, die sich zu Fachkräften in der Landwirtschaft ausbilden lassen wollen, ist kreisweit dramatisch zurückgegangen. Waren es vor 15 Jahren noch zirka 60 Lehrlinge, die ihre Ausbildung begannen, so sind es derzeit fünf bis acht pro Jahr, massiver Fachkräftemangel ist die Folge.