Erkelenz: Briefe der Mutter bleiben lange Zeit ungelesen

Erkelenz : Briefe der Mutter bleiben lange Zeit ungelesen

Auf Einladung des Erkelenzer Altius Verlages ist die deutschstämmige Autorin Monique Köpke in die Stadtbücherei Erkelenz gekommen, um aus ihrem Buch „Nachtzug nach Paris” zu lesen.

Das Buch mit den Erinnerungen Köpkes war 2000 beim Altius Verlag erschienen. Darin erzählt die mittlerweile 84-jährige auf beeindruckende Weise, wie sie 1934 als kleines Mädchen aus Berlin nach Paris fliehen musste, wo sie mit ihren Eltern das ärmliche Leben der Emigranten führen musste.

Jahrelang war sie auch mit anderen Emigrantenkindern in Kinderheimen untergebracht und von ihren Eltern getrennt worden. Mit der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht geriet sie in neue Gefahr, denn ihr drohte wie ihren Eltern die Deportation. Köpkes Eltern waren im ersten Transport nach Auschwitz, das sie nicht überlebten.

Die junge Monique überlebte, weil sie von jüdischen Pfadfindern versteckt und heimlich in die Schweiz gebracht wurde, wo wieder das Internierungslager auf sie wartete. Da die junge Frau aber bereit war, Arbeiten zu verrichten, für sich die Schweizer zu fein waren, durfte sie das Lager verlassen und im Land bleiben.

Unter anderem schlug sie sich als Dienstmädchen durch. Nach dem Krieg kehrte sie nach Paris zurück, wo sie 1952 im Kino ihren späteren Mann Wulf Köpke kennen lernte. Gemeinsam mit ihm lebt sie heute in Houston, wo er als Literaturprofessor lehrt. Die Vertreibung und Verfolgung durch die Nazis hat ihre Leben geprägt, denn Köpkes Forschungsgebiet ist die Emigrantenliteratur.

Während die alte Dame aus ihren Erinnerungen las, herrschte gebannte Stille unter den rund 40 Zuhörern. Plastisch verstand sie in ihren Texten, die Angst und die Hoffnungen ihrer Kindheit zu beschreiben. Die Briefe der Mutter konnte sie nicht selbst vorlesen, weshalb ihr Mann Wulf dies übernahm.

Der Autorin war anzusehen, dass sie immer noch sehr emotional auf die Worte der Mutter reagierte, die sie nie mehr wieder sehen sollte. Besonders anrührend war die Szene, als Monique ihre Mutter ein letztes Mal im Internierungslager in Frankreich besuchen durfte, bevor diese nach Deutschland und in den sicheren Tod verschleppt wurde.

Die Briefe der Mutter lagen Jahrzehnte lang unberührt in einer Schublade, da sie sich nicht getraut habe, sie noch einmal zu lesen, betonte die Autorin. Das Buch half ihr, mit diesem düsteren Kapitel ihres Lebens und Deutschlands umzugehen. Weitere Informationen über die Autorin und ihr Werk findet man auch im Internet unter http://www.altius-verlag.de.