Kreis Heinsberg: Botschafts-Fotos zeigen inszenierte nationale Identität

Kreis Heinsberg : Botschafts-Fotos zeigen inszenierte nationale Identität

Zu einer neuen Fotoausstellung lädt der Kunstverein Region Heinsberg vom 26. Juni bis zum 17. Juli in den Horster Hof in Heinsberg-Unterbruch ein. Zu sehen sein werden Arbeiten von Anja Nitz aus der Serie „Inszenation“. Es sind Bilder aus Botschaften, Landesvertretungen und den Vereinten Nationen in Berlin, London und New York, entstanden in den Jahren 2011 bis 2013.

Anja Nitz setzt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit Institutionen von gesellschaftlicher Relevanz auseinander: Sie zeigt die Innenwelten von Bibliotheken oder Botschaftsgebäuden ebenso wie die von Krankenhäusern oder Atomkraftwerken. Die Fotografin thematisiert bildhaft gewordene Vorstellungswelten — wie etwa das Menschenbild in der Klinik, die Definition von Nation in der Botschaft oder das Verständnis von Zivilisation und Natur im Atomkraftwerk.

Auf diese Weise dokumentieren die Aufnahmen von Anja Nitz historisch oder kulturell bedingte Werteverschiebungen. Für die Auseinandersetzung mit den genannten Themen betritt Anja Nitz für gewöhnlich öffentliche oder repräsentative Gebäude und porträtiert deren Innenräume. Hierbei sucht sie unter anderem nach dem vermeintlich Selbstverständlichen oder Unbedeutenden, um dann ein allgemeines Verständnis sichtbar zu machen, das diesen Institutionen zu Grunde liegt.

Eine besondere Charakteristik der Arbeiten von Anja Nitz ist, dass sie einerseits eine analytische Distanz zum Abgebildeten bewahren und andererseits über ihr Interesse für das Spektakuläre im Gewöhnlichen eine lebendige und deutlich formulierte Position beziehen.

Gegenstand der Arbeit mit dem Titel „Inszenation“ von Anja Nitz ist die Frage nach der Inszenierbarkeit von nationaler Identität. In ihren Aufnahmen thematisiert sie Konventionen bezüglich der Eigenpräsentation von Nationalitäten, so wie diese sich innerhalb von Botschaftsgebäuden und Landesvertretungen darstellen: Welche Attribute werden für die Darstellung bevorzugt, womit scheint die Repräsentation geglückt?

Gibt es hier Selbstverständlichkeiten oder regelhafte Vorstellungen? Und nicht zuletzt: Lässt sich ein Widerspruch zwischen kultureller Globalisierung auf der einen Seite und dem Bedürfnis nach nationaler Identifikation und Unterscheidung auf der anderen Seite erkennen?

Um diesen Fragen auf die Spur zu kommen, hat sich die Künstlerin Zugang zu großen Botschaftsgebäuden in Berlin, London und dem Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York verschafft und dort die Ausstattung der Innenräume porträtiert.

Die Ausstellung in Unterbruch wird am Sonntag, 26. Juni, um 11.30 Uhr eröffnet

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