Wegberg: Böses Spiel um einen Spätpubertierenden

Wegberg : Böses Spiel um einen Spätpubertierenden

„Die Reifeprüfung” stand im Rahmen der Wegberger Theaterreihe im Forum auf dem Programm. 1967 verhalf die Verfilmung des Romans von Charles Webb dem Schauspieler Dustin Hoffman zum Durchbruch.

Neben der bekannten Schauspielerin Anja Kruse, die als Mrs. Robinson viel Haut zeigte, stand auch der aus Erkelenz stammende Stephan Schleberger als Mr. Braddock auf der Bühne. Als Vater des jungen Benjamin bewies er durchaus komödiantisches Talent.

Er und seine Frau, gespielt von Susanne Huber, sind dem orientierungslosen Sohn keine wirklichen Stützen. Schon die Party zu dessen College-Entlassung ist eher ein Fest für ihre Freunde und Geschäftspartner, auf dem sich der Junge mit einem Taucheranzug lächerlich machen soll.

Immer wieder schaffte es Schleberger, durch seine Auftritte den Zuschauern herzhafte Lacher zu entlocken. So auch bei seinem Kurzauftritt als Manager des Hotels, in dem Benjamin in den Armen der desillusionierten Mrs. Robinson seine Unschuld verliert.

Die Auflockerungen, die Schleberger immer wieder präsentierte, waren streckenweise auch dringend nötig, denn Sebastian Schlemmer überzeugte über weite Strecken als Benjamin nicht wirklich. Den enttäuschten Spätpubertierenden mochte man ihm nicht recht abkaufen. Erst als er auf Elaine Robinson traf, die sehr erfrischend von Emily Nora Brede dargestellt wurde, kam auch sein Spiel in Gang. Obwohl er sie abschrecken will, verlieben sich die beiden. Damit beginnt Mrs. Robinsons böses Spiel, das die Gruppe ziemlich durcheinander wirbelt.

Anja Kruse, mit blonder Perücke und tieftrauriger Stimme, gab die vom Leben enttäuschte„heruntergekommene Alkoholikerin” vielleicht sogar etwas zu überzeugend und schaffte es so, der immer wieder aufkommenden guten Laune einen gehörigen Dämpfer zu verpassen.

Bemerkenswert war auch das karge Bühnenbild, das aus einer Wand mit Türen und Oberlichtern bestand. Durch wenige Requisiten und den Einsatz von Licht verwandelte sie sich in Räume, Bars und das Hotel, in dem Mrs. Robinson den jungen Mann verführte. Das Bühnenbild stammte vom Regisseur René Heinersdorff. Es konnte mit wenigen Griffen von den Schauspielern umgebaut werden, wodurch das Stück nicht ins Stocken geriet.

Musikalisch wurde nicht nur das gleichnamige Lied des Duos Simon & Garfunkel präsentiert, sondern eine ganze Reihe von Liedern aus deren Repertoire, die nichts mit der Handlung des Stückes zu tun hatten. So wurde die Grundstimmung der 60er-Jahre zumindest musikalisch in das Forum transportiert. Insgesamt eine durchaus gelungene Produktion des Düsseldorfer Theaters an der Kö und der Münchener Komödie im bayerischen Hof, die von den Zuschauern mit anhaltendem Applaus belohnt wurde.