Städteregion: Bildungskoordinatoren machen Vielfalt der Möglichkeiten sichtbar

Städteregion : Bildungskoordinatoren machen Vielfalt der Möglichkeiten sichtbar

Das Angebot an Sprach- und Integrationskursen, berufsvorbereitenden Maßnahmen oder Mutter-Kind-Cafés für Geflüchtete und Neuzugewanderte ist groß. Das gilt für private Initiativen und öffentliche Institutionen gleichermaßen. Da den Überblick zu behalten, ist schwierig.

Aus mehreren hundert Angeboten zu finden, was genau auf den Suchenden passt, ist noch viel schwieriger. Doch jetzt können ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie hauptberuflich Tätige, die in irgendeiner Weise mit geflüchteten Menschen zu tun haben, schnell im Internet fündig werden.

Drei sogenannte Bildungskoordinatoren haben in akribischer Arbeit bereits rund 300 verschiedene Angebote erfasst und übersichtlich aufbereitet. Recht schnell findet man hier dank verschiedener Filter das, was man sucht. Und stellt fest, dass es längst nicht alles überall gibt.

Angebotsdschungel lichten

Sascha Derichs, Leiter des städteregionalen Bildungsbüros, ist froh, dass die drei Bildungskoordinatoren Ricarda Albrecht, Jan Röder und Nadine Ogiolda den Angebotsdschungel in der Städteregion gelichtet haben und es weiter werden. Ihre Aufgabe sei es, den Geflüchteten und Neuzuwanderern beziehungsweise denen, die sie beraten und unterstützen, den Zugang zu Angeboten zu erleichtern, indem Transparenz geschaffen wird.

In den ersten Monaten haben die drei folglich erst mal versucht, selbst einen Überblick über Anbieter einerseits und Angebote andererseits zu bekommen. Sie haben im Internet recherchiert, bei den Kommunen und Kammern, bei Verbänden und Vereinen nachgefragt und sind — soweit vorhanden — in kommunale Arbeitskreise gegangen und haben sich und ihre Aufgabe vorgestellt. „Netzwerken“ nennt man das heute.

„Es gibt eine große Vielfalt an Angeboten“, sagt Jan Röder. „Aber vieles läuft nebeneinander her, ohne dass einer vom anderen weiß.“ Entsprechend schwierig war es bislang für jemanden, der beispielsweise einen Sprachkurs für geflüchtete Kinder ohne Deutschkenntnisse suchte oder einen Mutter-Kind-Treff oder eine Vorbereitungskurs zur Erreichung des Hauptschulabschlusses, etwas zu finden.

Das ist jetzt kein Problem mehr: Im Internet kann man gezielt suchen — nach Art des Angebots, nach Angeboten für bestimmte Altersgruppen, nach Ort und nach vorausgesetzten Deutschkenntnissen. Jedes Angebot wird kurz beschrieben, und zu jedem ist ein Ansprechpartner benannt. Die Übersicht wird zudem ständig aktualisiert.

Anbieter und diejenigen, die sich geflüchteten Menschen und Neuzuwanderern (Derichs: „Damit sind nicht Bayern gemeint, die nach Nordrhein-Westfalen kommen, auch nicht Niederländer oder Belgier.“) beschäftigen, haben positiv auf die Bildungskoordinatoren und ihre Anliegen reagiert, sagt Röder. „Viele Menschen sind froh, dass es jetzt so eine Übersicht gibt, das kommt sehr gut an.“

Eines können (und sollen) die drei Koordinatoren allerdings nicht: Flüchtlinge direkt beraten. Ihre Zielgruppe ist ausschließlich die der ehrenamtlich und der beruflich in der Flüchtlingshilfe Tätigen. Die drei Bildungskoordinatoren sind aber nicht nur damit beschäftigt, Angebot und Nachfrage nach Bildungsangeboten miteinander zu vernetzen. Eine weitere Aufgabe sehen sie darin, Arbeitshilfen für das Fachpersonal etwa in Kitas, Schulen, Arbeitsagenturen und Jobcentern sowie der Berufsberatung zu entwickeln.

„Im frühkindlichen Bereich geht es um Themen wie Sprache, ärztliche Versorgung, Übergang von der Kita in die Grundschule und Fördermöglichkeiten“, erklärt Nadine Ogiolda. „Beim Übergang von der Schule in den Beruf oder ins Studium geht es vor allem um die Themen Schulabschlüsse, Berufsorientierung, Ausbildungsvorbereitung, ausbildungsbegleitende Hilfe und Sprache, aber auch Aufenthaltsrecht“, ergänzt Jan Röder. Beide Arbeitshilfen erscheinen als Lose-Blatt-Sammlung mit Antworten auf häufig gestellte Fragen sowie Kontaktdaten von Ansprechpartnern.

Vom Bund finanziert

Die drei Stellen werden komplett vom Bund finanziert. „Der Bund darf ja nicht direkt vor Ort in Bildung investieren“, erklärt Bildungsbüroleiter Sascha Derichs. „Aber es gibt Anknüpfungspunkte, beispielsweise das Programm ‚Lernen vor Ort‘ , das wir hier auch umgesetzt haben.“ Nach diesem Muster ist dann auch das auf zwei Jahre angelegte Koordinatorenprogramm aufgelegt worden. „Ein Riesenprogramm“, wie Derichs sagt. 411.660 Euro erhält die Städteregion daraus.

Und was wird, wenn das Förderprogramm ausläuft? Das sei eine politische Entscheidung, sagt Sascha Derichs. „Es wird spannend sein, wie die neue Bundesregierung mit dem Thema Integration umgehen wird.“ Und der Bildungsbüroleiter fügt hinzu: „Wenn man Integration will, muss man bei der Bildung ansetzen. Wir versuchen, unsere Arbeit so aufzustellen, dass man vor Ort möglichst lange davon profitieren kann.“