Städteregion: Bildung: Mit weniger Geld die Qualität halten

Städteregion : Bildung: Mit weniger Geld die Qualität halten

Vernetzung von schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen, Schulentwicklungsbegleitung, Gestaltung der Übergänge von der Kita in die Grundschule und von dort weiter bis hin zur Berufs- oder Hochschulausbildung, Entwicklung von Qualitätsstandards im Offenen Ganztag, Förderung der mathematisch-naturwissenschaftlichen und auch der kulturellen Bildung oder Qualifizierung von ehrenamtlichen „Bildungsberatungslotsen“.

Fünf Jahre lang hat die Städteregion solche Projekte entwickeln und ausbauen können. Über das Förderprogramm „Lernen vor Ort“ des Bundes sind jährlich rund 600.000 Euro geflossen. Damit ist es jetzt vorbei.

Aber das, was dank der Bundesmittel an Vernetzung in der regionalen Bildungslandschaft aufgebaut worden ist, wird weitgehend erhalten bleiben. „Wir können jetzt zwar nicht mehr alles machen und müssen Prioritäten setzen“, sagt Markus Terodde, Bildungsdezernent der Städteregion. Aber die Städteregion habe die „Rückendeckung der Bürgermeister“, künftig immerhin bis zu 225.000 Euro pro Jahr in den Erhalt und die Weiterentwicklung von Bildungsnetzwerken zu stecken.

Dass dies im Sinne der Praktiker in Kitas, Schulen und Bildungseinrichtungen ist, zeigen die Ergebnisse einer Befragung im Auftrag des NRW-Schulministeriums. „Die Werte sind einfach traumhaft“, sagt Wolfgang Rombey. „Das zeigt uns, dass wir nichts Aufgesetztes machen, sondern die Praktiker erreicht und mitgenommen haben.“ Der frühere Stadtdirektor von Aachen war die treibende Kraft bei der Gründung des städteregionalen Bildungsbüros vor sechs Jahren, ist noch immer im sogenannten Lenkungskreis engagiert und ist laut Terodde „unser Außenminister“, der die Bildungsregion Aachen bei Tagungen bundesweit vertritt. Nicht nur das: „Er ist unser Türöffner für neue Förderprogramme“, sagt Sascha Derichs, Leiter des städteregionalen Bildungsbüros, und jedes Programm sei auf Netzwerkarbeit ausgelegt.

„In Sachen Vernetzung der Bildungsakteure ist Aachen Vorreiter in Deutschland“, sagt Rombey denn auch mit Stolz. „Wenn ich erzähle, was wir alles machen, werde ich immer gefragt, wie wir das schaffen.“ Dann sage er: „Wenn der Häuptling sich nicht die Feder an den Hut steckt, hat Vernetzung keine Chance. Überall da, wo Verwaltungschefs und politische Gremien hinter Bildungsnetzwerken stehen, funktioniert es.“

Doch wie ist es möglich, dass mit deutlich weniger als der Hälfte der finanziellen Mittel fast alle Arbeitsfelder in nahezu ähnlichem Umfang weiter beackert werden können? Zum einen werden bisherige „Lernen vor Ort“-Projekte an laufende oder neue Förderprojekte angedockt. So gibt es beispielsweise im Übergangsmanagement Schule-Beruf das Projekt „Kein Abschluss ohne Anschluss“. da ergeben sich laut Terodde Synergieeffekte. „Letztlich beschäftigen wir uns ja immer mit der gleichen Zielgruppe, da ist es sinnvoll, Organisationsstrukturen zusammenzufassen.“ Und dadurch Kosten zu senken. Zum anderen werde bei der Öffentlichkeitsarbeit, die in Förderprogrammen oft vorgegeben sei, abgespeckt. „Veranstaltungen für die Galerie brauchen wir nicht mehr“, sagt Terodde.

Sorge, dass das, was in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut worden ist, über kurz oder lang kaputt gehen könnte, hat Rombey nicht: „Das Netz ist geknüpft. Wir müssen jetzt den Standard halten.“ Die Voraussetzungen dafür seien gut. „Wir müssen aber die Bildungs- und Jugendpolitiker in den zahn Kommunen noch besser unterrichten“, meint er. Dazu wird jetzt ein Beirat eingerichtet.