Gangelt/Heinsberg: Bienenflüsterer: Was verrät das Summen der Bienen?

Gangelt/Heinsberg : Bienenflüsterer: Was verrät das Summen der Bienen?

Wenn die Bienen schreien, dann haben sie ein Problem. Möglicherweise fehlt ihnen eine Königin, möglicherweise gibt es eine Krankheit im Stock. Wenn sie hingegen zufrieden summen, ist die Bienen-Welt in Ordnung. Die Königin legt Eier, die übrigen Bienen versorgen den Nachwuchs. Leo Scherrers kann die Stimmung seiner Völker schon am Summton erkennen.

Er kann erhorchen, ob die Bienen entspannt die Sonne genießen oder ob sie in aggressiver Laune jedem Eindringling die Stirn bieten wollen. Wenn Letzteres der Fall ist, macht Leo Scherrers auch schon mal die Bekanntschaft mit dem Stachel. Am Morgen haben ihm zwei Bienen in den Kopf gestochen. Aber das merkt er schon gar nicht mehr. Als Imker ist man da abgehärtet.

Ein Bienenflüsterer bei der Arbeit: Leo Scherrers horcht auf das Summen seiner Bienen. Bei diesem Volk ist alles in bester Ordnung.
Ein Bienenflüsterer bei der Arbeit: Leo Scherrers horcht auf das Summen seiner Bienen. Bei diesem Volk ist alles in bester Ordnung. Foto: Simone Thelen

Seit fast 20 Jahren züchtet Leo Scherrers, Vorsitzender des Imkervereins Selfkant mit eigener Hobby-Imkerei in Heinsberg-Karken, Bienen. „Ich habe mit zwei Stöcken angefangen, zwischendurch waren es einmal rund 30. Jetzt sind noch sechs Stöcke übrig. Man wird nicht jünger“, erklärt er.

Dass die Gesundheit des 65-Jährigen nicht mehr so mitspielt, ist der Grund dafür, dass Leo Scherrers etwas kürzer treten musste. Dennoch, wenn er bei seinen Bienen ist, die Waben mit dem Smoker besprüht und die Gesundheit seiner Völker begutachtet, dann leuchten seine Augen voller jugendlicher Energie.

Jetzt im Frühling ist die Arbeit besonders spannend. Wenn die Natur anfängt zu sprießen und die Bäume und Pflanzen Blüten bekommen, geht für die Bienen die Arbeit los. „Wenn sie denn gut durch den Winter gekommen sind“, gibt Scherrers zu bedenken.

Er selbst hat auch einen Verlust zu melden. Nur fünf seiner sechs Völker haben überlebt. „Die Bienen haben heute mit einigen Problemen zu kämpfen“, weiß er. „Ursachen sind der Klimawandel, verschiedenen Umweltbelastungen und Krankheiten.“

Häufiger Gast der heimischen Bienenvölker ist die aus Asien stammende Varroa-Milbe. Ebenso belastet die amerikanische Faulbrut, eine bakterielle Infektionskrankheit, die Bienen. Scherrers: „Derzeit gibt es einen Sperrbezirk von Oberbruch bis Myhl, um ein Ausbreiten zu verhindern.“

Was bei heimischen Völkern noch nicht im großen Stil zu Buche schlägt, ist die Belastung durch Neonikotinoide, die als Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Vor allem in Gebieten, die durch industrielle Landwirtschaft geprägt sind, haben Imker mit diesem Problem zu kämpfen. „Aber auch das, was mancher Privatmann in seinem Garten spritzt, hat Auswirkungen auf die Bienen“, so Scherrers. „Der Genuss vom Honig ist unbedenklich, aber die Bienen werden geschwächt.“

Würden die Bienen sterben, droht uns Menschen mehr als nur der Verzicht auf das morgendliche Honigbrötchen. Weltweit gibt es rund 20.000 verschiedene Bienenarten. Doch nur neun produzieren Honig. Bienen und andere Insekten spielen aber bei rund 35 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion eine wichtige Rolle. Ohne sie würden Obst und Gemüse zu Luxusgütern, denn sie bestäuben rund 80 Prozent unserer Nutz- und Wildpflanzen.

Honigproduktion gesunken

Leo Scherrers kann auch bei seinen Stöcken beobachten, dass es die Bienen schwer haben. „Es gab Zeiten, da wusste ich im Frühjahr nicht wohin mit den ganzen Bienen. Ein Bienenstock brachte manchmal 80 Kilogramm Honig im Jahr. Heute sind es rund 20 bis 30. Früher musste ich viermal im Jahr Honig schleudern, heute reicht es, wenn ich das zweimal im Jahr mache.“

Weniger faszinierend ist das Hobby des Imkers aber bis heute nicht geworden. Wenn Leo Scherrers erzählt, hängen Besucher an seinen Lippen. Er berichtet davon, wie das Gewicht seiner Stöcke automatisch erfasst und über eine App auf sein Handy geschickt wird.

Er gibt Einblicke in den faszinierenden Aufbau des Bienenvolkes, berichtet vom traurigen Schicksal einer Drohne, die die Königin begatten durfte, erklärt, warum „Edelzellen“ auf die ostfriesischen Inseln geschickt und dort begattet werden und was diese „Inselköniginnen“ von herkömmlichen Bienen unterscheidet.

„Das Thema ist so faszinierend, dass sich immer mehr junge Menschen für Bienen interessieren“ sagt Scherrers. In zahlreichen Kursen geben er und seine Kollegen ihr Wissen deshalb weiter. „Übrigens sind immer mehr Frauen unter den Kursbesuchern. Imkern ist längst kein Männer-Hobby mehr.“

Wer einen ersten Einblick gewinnen möchte, kann ab Ostern auch dem Wildpark Gangelt einen Besuch abstatten. Dort steht der Lehrbienenstand des Imkervereins Selfkant, wo Scherrers und seine Kollegen in die Geheimnisse des Imkerns einführen, erklären, wie Honig geschleudert wird und wie man Bienenwachskerzen dreht. Los geht es am Ostersonntag, 16. April, um 11.30 Uhr.

An den Bienenstöcken im Wildpark können die Besucher dann auch selbst einmal lauschen, ob ihnen die Bienen mit ihrem Gesang etwas sagen wollen. Wer ihre Sprache nicht versteht, bekommt fachmännische Hilfe von Leo Scherrers - ein wahrer Bienenflüsterer.