Städteregion: Betriebe in der Städteregion bieten Stellen für Langzeitarbeitslose an

Städteregion : Betriebe in der Städteregion bieten Stellen für Langzeitarbeitslose an

Menschen, die ein Jahr oder länger arbeitslose sind, wieder in Lohn und Brot zu bringen, ist ein mühsames Geschäft. Aber eines, das die Mühe lohnt, wenn es richtig angegangen wird. Denn stimmen die Rahmenbedingungen und das Unterstützungsangebot für Arbeitslose und Betriebe, dann schaffen selbst Menschen, die mehrere Jahre aus dem Arbeitsleben raus sind, den Sprung zurück.

Das weiß kaum einer so gut wie Kurt Rieder. Seit vielen Jahren ist der Teamleiter im Jobcenter Städteregion verantwortlich für die Umsetzung von Förderprogrammen zur Integration von Langzeitarbeitslosen, speziell für die des Bundes.

Kurt Rieder vom Jobcenter Städteregion. Foto: Jutta Geese

Positive Zwischenbilanz

Und da ist im Moment viel Bewegung drin. Zwei Bundesprogramme, die in der Städteregion recht erfolgreich eingesetzt werden, laufen aus. Und noch ist unklar, ob es für die Menschen, die gerade dabei sind, wieder Fuß zu fassen auf dem regulären Arbeitsmarkt, ein Anschlussförderprogramm gibt. Rieder ist auf Bundesebene an der Vorbereitung eines solchen Programmes beteiligt, ist aber nicht sicher, ob das erforderliche Gesetz so zügig verabschiedet werden kann, dass die Jobcenter es zum 1. Januar 2019 umsetzen können.

Wie wirkungsvoll eine mehrjährige Förderung und intensive Begleitung von Langzeitarbeitslosen durch sogenannte Jobcoaches und eine gute Betreuung der Betriebe ist, zeigt eine Zwischenbilanz der beiden Bundesprogramme, mit denen Rieder und sein Team seit 2015 arbeiten. „Die Nachfrage nach Plätzen war sowohl bei den Arbeitslosen als auch bei den Betrieben groß“, stellt Rieder fest.

Mit dem Programm „LZA“ konnte das Jobcenter Städteregion 200 Frauen und Männer fördern — 619 Bewerbungen gab es für diese Plätze. Ende 2017 erfolgten die letzten Einstellungen, so dass derzeit noch 129 Stellen besetzt sind.

Was Rieder besonders freut: „Obwohl wir keine Werbung gemacht haben, haben wir 419 Stellen von Betrieben angeboten bekommen.“ Am Ende haben sich 186 Betriebe beteiligt. Das Spektrum der Stellen war breitgefächert, es reichte von Jobs in Tankstellen, Schreinereien und anderen Handwerksbetrieben über Gärtnereien und den Lager- und Logistikbereich bis hin zu Tätigkeiten in Kommunalverwaltungen und gemeinnützigen Beschäftigungsträgern.

Aber, betont Kurt Rieder: „Drei Viertel der Stellen wurden von der privaten Wirtschaft angeboten.“ Und das ist bedeutsam, weil es die Privatwirtschaft ist, die im Anschluss an die Förderung unbefristete Jobs anbieten soll.

„Manche der kleinen und mittelständischen Betriebe wollten sogar zwei, drei oder vier Langzeitarbeitslose nehmen“, berichtet Rieder. „Und es hat funktioniert, obwohl ein knappes Drittel der Teilnehmer, 67 Frauen und Männer, fünf Jahre und länger arbeitslos war, die anderen mindestens zwei Jahre. Wir haben festgestellt, dass der Unterschied zwischen zwei oder fünf Jahren Arbeitslosigkeit gar nicht so groß ist, wenn man die Vermittlung von den Menschen aus angeht, also schaut, was das Richtige für sie ist.“

Der Schlüssel zum Erfolg

Bewerberorientiert, nicht stellenorientiert sei das Jobcenter vorgegangen. Und wenn der passende Betrieb gefunden und ein sozialversicherungspflichtiger Arbeitsvertrag abgeschlossen war, dann begann die Arbeit der Jobcoaches. Jeder dieser Betreuer kümmert sich um zehn bis 20 Langzeitarbeitslose, ist Ansprechpartner bei Problemen im Job ebenso wie bei privaten Problemen, wenn nötig, während der gesamten Förderdauer von zwei beziehungsweise drei Jahren. „Das ist der Schlüssel zum Erfolg“, ist Kurt Rieder überzeugt.

Die vergleichsweise geringe Abbrecherquote von 23 Prozent ist für ihn ein Beleg der Wirksamkeit des Programms. „Das ist eine Super-Quote!“ Zumal statistisch zu den Abbrechern auch die 15 Personen zählen, die eine neue Stelle gefunden haben. Die meisten haben die Arbeit jedoch aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig beendet, einigen wurde betriebsbedingt gekündigt, und einige wenige brachten die Motivation zur dauerhaften Arbeit nicht auf.

Ähnlich erfolgreich ist laut Rieder das Bundesprogramm „sTAM“ — soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt —, das für Menschen konzipiert wurde, die vier Jahre und länger Hartz-IV-Leistungen bezogen haben. Etwa 300 Frauen und Männer, aus der Städteregion, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance haben, haben mit Hilfe dieses Programms zumindest vorübergehend einen Job gefunden.

„Wir haben niemanden gedrängt teilzunehmen“, betont Rieder. „Viele kleine Vereine haben wir gewinnen können, Stellen zur Verfügung zu stellen“, freut sich Rieder. Und einige Teilnehmer haben sogar einen sozialversicherungspflichtigen Job gefunden.

Teuer, aber notwendig

„Am 31. Dezember ist definitiv Schluss mit der Förderung“, bedauert Kurt Rieder, der auf einen nahtlosen Anschluss für die Teilnehmer hofft. Denn viele haben wieder Hoffnung geschöpft, haben durch die Beschäftigung an Selbstbewusstsein gewonnen, aber sie seien „zu schwach für den ersten Arbeitsmarkt“. Sie würden wieder zurückfallen in Ein-Euro-Jobs oder „aufs Sofa“, fürchtet Rieder.

Zwar verursachten Programme mit solch intensiver Betreuung einen hohen Verwaltungsaufwand und seien teuer — LZA kostet in der Städteregion rund 8,5 Millionen, „sTAM“ gut 11,3 Millionen Euro. „Aber wir brauchen solche Programme“, ist Kurt Rieder überzeugt.

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