Kreis Düren: Beteiligung an GdG-Ratswahl ist „nicht so toll“

Kreis Düren : Beteiligung an GdG-Ratswahl ist „nicht so toll“

Für die Katholiken im Bistum Aachen hält das Superwahljahr 2017 einen dritten Urnengang bereit: Die Ratswahlen in den Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) stehen bevor. In elf GdG im Kreis Düren wird am kommenden Wochenende, 11. und 12. November, gewählt.

Was hinter dieser Wahl steckt, wer wählen und wer gewählt werden darf und wie viel Auswahl die Gläubigen wirklich haben, besprach DZ-Redakteurin Anne Welkener mit Thomas Tönneßen. Er ist pastoraler Mitarbeiter im Büro der Regionaldekane Düren-Eifel.

Thomas Tönneßen ist pastoraler Mitarbeiter im Büro der Regionaldekane Düren — Eifel. Foto: wel

Was macht ein GdG-Rat und wie unterscheidet er sich vom Pfarreirat, dem ehemaligen Pfarrgemeinderat?

Thomas Tönneßen: Die Verantwortlichkeiten in der katholischen Kirche sind hierarchisch organisiert. Auf Ebene der Pfarrei kümmert sich der Pfarreirat um das örtliche kirchliche Leben. Er ist für die Profilbildung der jeweiligen Pfarrei verantwortlich, gestaltet das kirchliche Leben vor Ort und hält es lebendig. Dazu können zum Beispiel örtliche Traditionen gehören, wie Pfarrfeste, Wallfahrten oder caritatives Engagement.

Delegierte der Pfarreiräte bringen die Interessen der Pfarrei dann in der nächsthöheren hierarchischen Ebene in den GdG-Rat ein. Dort werden Themen besprochen, die alle Pfarreien der GdG betreffen. Beispielsweise die Gottesdienstordnung, welche festlegt, wann wer in welcher Kirche die Heilige Messe gestaltet. Des Weiteren gilt abzusprechen, welche pastoralen Schwerpunkte gesetzt werden sollen, wo investiert wird und in welchen Bereichen sich die Pfarreien gemeinsam engagieren möchten.

Wozu überhaupt der Zusammenschluss in GdG?

Tönneßen: Schüler sind spätestens ab der weiterführenden Schule nicht mehr nur in ihrer Ortschaft oder ihrem Stadtviertel unterwegs. Wenn wir da als Kirche weiterhin auf unsere kleinen Pfarreien gucken, dann laufen wir meines Erachtens an der Lebenswelt der meisten Menschen vorbei. Außerdem können viele kleine Pfarreien, besonders im ländlichen Raum, nicht mehr eine große Bandbreite an Aufgaben abdecken, so dass sie von einer Bündelung der Kräfte profitieren.

Schauen wir zum Beispiel auf die Jugendkirche: In Düren und Jülich arbeiten wir gemeinsam daran, Kirchenräume für junge Menschen zu schaffen. Das zu organisieren und mit Personal auszustatten überfordert eine Einzelgemeinde vielleicht, aber auf GdG-Ebene ist es deutlich leichter, das möglich zu machen.

Wer darf den GdG-Rat wählen?

Tönneßen: Wahlberechtigt sind alle Katholiken im Bistum Aachen, die mindestens 14 Jahre alt sind. Das sind in 71 GdG mehr als 90.000 Menschen. Wählen gehen kann man entweder in der Kirchengemeinde des Wohnortes oder in der Gemeinde, zu der man sich zugehörig fühlt. Falls jemand beispielsweise regelmäßig den Gottesdienst im Nachbarort besucht, dort im Chor singt oder in einer anderen Kirche engagiert ist, kann er auch dort seine Stimme abgeben. Die Wahllokale sind jeweils vor und nach den Gottesdiensten am 11. oder 12. November in den Gemeinden geöffnet. Wer schnell ist, kann auch noch die Briefwahl beantragen. Eine Wahlbenachrichtigung bekommt man aber nicht zugeschickt.

Wer kann sich zur Wahl stellen?

Tönneßen: Wer sich im GdG-Rat engagieren möchte, muss Katholik, mindestens 16 Jahre alt sein und aus der Pfarrei kommen, in der er sich aufstellen lässt, oder sich dort zugehörig fühlen. Meist sind die Kandidaten schon im gemeindlichen oder pfarrlichen Bereich aktiv und haben einen gewissen Bekanntheitsgrad. Das ist ja auch in der Politik so — würde ich mich morgen zur Wahl stellen, würde mich keiner wählen, weil man mich nicht kennt. Die Kandidaten sollten eine klare Vorstellung haben, für was sie antreten, und auch ein bisschen Wahlwerbung machen.

Wie ist die Wahlbeteiligung?

Tönneßen: Nicht so toll. Sie dürfte mancherorts im einstelligen Bereich liegen. Zählungen, die im Frühjahr und Herbst durchgeführt werden, haben ergeben, dass die Besucherquote der Gottesdienste am Sonntag bei knapp neun Prozent liegt, in Dörfern teils höher. Entsprechend niedrig ist auch die Wahlbeteiligung.

Haben die wenigen Wähler denn genug Auswahl?

Tönneßen: Oft gestaltete es sich in den Gemeinden schwierig, genügend Kandidaten zu finden. Gremienarbeit ist ein zähes Unterfangen. Es finden sich deshalb immer weniger, die das machen wollen. Deshalb kommen manchmal die Räte nicht zusammen. Wenn eine GdG aus zwei Kommunen besteht — wie es im südlichen Kreisgebiet oft der Fall ist — besteht nicht selten ein Hindernis in den Köpfen der Menschen. Wer in der einen Gemeinde wohnt, hat vielleicht mit der anderen Gemeinde überhaupt nichts zu tun. Wenn die Lebensräume sich stark unterscheiden, dürfte es schwierig werden, einen leistungsstarken GdG-Rat zu bekommen.

Was bedeutet es für eine GdG, wenn kein Rat zusammenkommt?

Tönneßen: Die lassen Chancen liegen. Räte- und Gremienarbeit ist manchmal mühsam und langwierig und schlimmstenfalls sogar erfolglos, aber sie bietet auch die Chance, sich als katholischer Sozialraum ein Profil zu geben, Kräfte und Fähigkeiten zu bündeln. Die Arbeit im GdG-Rat erfordert einen anderen Blick auf die Themen und Mut, Dinge auszuprobieren.

Wo werden Sie wählen gehen?

Tönneßen: In St. Lukas, wir wohnen in der Dürener Innenstadt. Die GdG Düren-Mitte hat übrigens einen Sonderstatus im Kreis. Nur hier sind die Kandidaten, die sich zur Wahl stellen, nicht den einzelnen Gemeinden zugeordnet, sondern den Themenbereichen, in denen sie sich engagieren möchten. So gibt es sechs Wahllisten, unter anderem zu den Themen „Zukunft gestalten“, „Junge Kirche“, „Glauben (mit)teilen“ und „Gemeinschaft leben“.

Ist das Ihrer Meinung nach ein zukunftsfähiges Konzept?

Tönneßen: Ich halte das für eine innovative Herangehensweise. Vielleicht ist das zunächst etwas für die größeren Orte, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das auch für ländliche Teile der Region interessant wird.