Kreis Heinsberg: Bessere Versorgung für Traumaopfer im Kreis gefordert

Kreis Heinsberg : Bessere Versorgung für Traumaopfer im Kreis gefordert

Um „Frühzeitiges Erkennen einer Traumatisierung von Opfern” ging es am Dienstag beim Runden Tisch gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch. Rund 60 Teilnehmer, unter anderem aus Schulen, Jugendämtern und Beratungseinrichtungen, kamen zur vierten Auflage ins Heinsberger Kreishaus.

Das erneut „volle Haus” zeige, dass die Netzwerkarbeit Zuspruch finde und die beteiligten Fachbereiche in ihren eigenen Arbeitsfeldern weiterbringe, erklärte Franz Heinrichs, Sprecher des Arbeitskreises gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch.

Willi Paffen, stellvertretender Landrat, hieß die Teilnehmer willkommen. Die Thematik des Arbeitskreises berge die größte Problematik für Helfende und Therapeuten darin, dass das traumatisierende und verletzende Geschehen hinter verschlossenen Türen und oft im engsten Kreis der Familie geschehe, betonte er. „Oft sind die Signale nach außen sehr unspezifisch und bergen in sich die Gefahr der Missdeutung.” Da mehr Sicherheit zu finden, sei ein wichtiger Teil der prophylaktischen und therapeutischen Arbeit.

Passend zur Thematik wurde mit einem Text in deutscher Übersetzung das Lied „Luka” von Suzanne Vega präsentiert. Mit einem Satz wurde die Verbindung zur Veranstaltung verdeutlicht: „Sie schlagen nur solange, bis du weinst.”

Ebenso eindrucksvoll: Mitglieder des Arbeitskreises lasen Einträge aus dem Gästebuch zur Ausstellung „Opfer” vor, die im November im Haus Basten in Geilenkirchen gezeigt worden war. „Bedrückend, beeindruckend, beschämend, nicht neu, aber besonders deutlich, sprachlos”, lautete einer der Einträge.

Mit einer Definition des Begriffs Psychotrauma begann Dr. Claudia Bredenbeck, Oberärztin des Zentrums für Psychotraumatologie am Alexianer Krankenhaus in Krefeld, ihren Vortrag. Dabei handele es sich um eine seelische Verletzung durch ein Ereignis außergewöhnlicher Bedrohung, die eine tiefgreifende Verzweiflung auslöse.

Wichtig sei, ein Trauma immer als Prozess zu betrachten, begründete sie die Einteilung in die Schockphase der ersten 72 Stunden und die Einwirkphase der ersten vier Wochen. Erst danach spreche man bei Fortbestehen von Symptomen von einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), wobei zwischen akuter, chronischer und chronisch-komplexer PTBS unterschieden werde. Interessant für die Zuhörer waren vor allem ihre Erläuterungen zum Kölner Risikoindex, der eine genauere Beurteilung der Entwicklung einer PTBS erlaube.

In der von Regionalredakteur Dieter Schuhmachers moderierten Diskussion mit der Referentin sowie mit Marietta Ringering vom Frauenhaus, Sylke Kreyes (AWO-Beratungsstelle) und Monika Loges, Richterin am Amtsgericht, wurde deutlich, dass Beratung und Therapie nur sinnvoll möglich seien, wenn Betroffene sich selbst dafür entscheiden würden. „Selbstbestimmung in Zusammenhang mit Trauma ist ein hohes Gut”, so Bredenbeck.

Diskussionsbeiträge von Teilnehmern am Runden Tisch zeigten: Es wird der Bedarf einer verbesserten Versorgung vor Ort im Kreis mit einer Traumaambulanz oder zumindest mit weiteren niedergelassenen Traumaspezialisten gesehen. „Ich werde dies gerne als Impuls mitnehmen”, versprach die Referentin.