Kreis Heinsberg: Bessere Vernetzung der Suchthilfe-Angebote gefordert

Kreis Heinsberg : Bessere Vernetzung der Suchthilfe-Angebote gefordert

Es gibt verstärkt Probleme bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch zunehmenden Konsum von Cannabis, da sie ein hohes Risiko haben, eine Abhängigkeit zu entwickeln, die zu dramatischen körperlichen Folgen führen kann. Dies war ein Fazit, das die Zuhörer nach dem ­elften Hückelhovener Suchtforum im evangelischen Gemeindeszentrum mitnahmen.

95 Interessenten waren der Einladung der von Caritasverband und Diakonischem Werk getragenen Beratungsstelle für Suchtfragen gefolgt: Mitarbeiter aus Sucht- und Jugendhilfe, Jugendeinrichtungen, Psy­chiatrie und Schulsozialarbeit sowie Lehrer und Ärzte. Sie erfuhren, dass es ein Hilfesystem mit vielen Unterstützungsmöglichkeiten gibt, die besser vernetzt und kompatibler sein müssten. Diese Forderung stand am Ende bei der Podiumsdiskussion.

Als vierfacher Familienvater von zwei erwachsenen Kindern und zwei Teenagern sei man hellhörig, wenn man von Fällen von Jugendlichen mit Suchterkrankung höre, unterstrich in seinem Grußwort Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen. „Das Thema ist präsent. Dies bekomme ich in Gesprächen mit Verbänden und Schulen immer wieder mit“, sagte er. Deshalb begrüße er es, dass sich das Hückelhovener Suchtforum mit dem Thema befasse.

„Bei der Themenfindung orientieren wir uns daran, womit wir in unserer konkreten Arbeit in Berührung kommen“, sagte Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen. Seit ein paar Jahren sei festzustellen, dass es bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Verschiebung beim Substanzkonsum gebe und immer mehr junge Leute durch den Konsum von Cannabis und Amphetaminen in problematische Lebenssituationen geraten würden. Die klassische Suchtberatung sei an Erwachsenen orientiert. Jugendliche hätten andere Bedürfnisse und bräuchten deshalb auch andere Behandlungen, so Trapp.

Substanzmissbrauch

Bevor diese vorgestellt wurden, ging Professor Dr. Michael Borg-Laufs von der Hochschule Niederrhein in seinem Vortrag „Substanzmissbrauch im Kontext jugendlicher Grundbedürfnisse und Entwicklungsaufgaben“ der Frage nach, was schiefgehe, wenn Jugendliche nach der Phase des Probierkonsums abhängig würden, während andere den Absprung schaffen würden. Er stellte fest, dass im Jugendalter viele Dinge ausprobiert würden.

Während der Substanzgebrauch bei einigen in einen kulturangemessenen Substanzgebrauch im Erwachsenenalter münde, gebe es andere, mit übergangsweisem oder andauerndem problematischen Substanzgebrauch. Gründe dafür seien biologische, soziale und psychische Risikofaktoren. Jugendliche stünden vor vielen schwierigen Anforderungen wie Akzeptanz der körperlichen Veränderungen und des eigenen Aussehens, Geschlechtsrollenverhalten, Aufbau eines Freundeskreises zu den Altersgenossen, Ablösen und emotionale Unabhängigkeit von den Eltern, Letzteres verbunden mit dem Austesten von Grenzen.

Wichtig sind deshalb laut dem Referenten eine gelungene Bindung zu mindestens einem Elternteil, eine nachvollziehbare Erziehung ohne Grenzverletzung, Orientierung, Kontrolle, Lustgewinn und Selbstwert. In all diesen Bereichen könne es Bruchstellen oder Probleme geben, die dazu führen würden, dass der Jugendliche Substanzen missbrauche.

Helfen könne man, indem man bei den zentralen Schutzfaktoren ansetze wie sozialen Kompetenzen, Selbststeuerung und Selbstwirksamkeit. Von herausragender Wichtigkeit jedoch sei, so Borg-Laufs, eine gute Beziehung zu den Eltern. In der therapeutischen Arbeit müsse der Blick deshalb auf die Familie, die Schule, die Peers (Peergroup — Gleichrangige) sowie digitalen Medien gerichtet werden, um gegebenenfalls Alternativen aufzuzeigen.

Behandlung in LVR-Klinik

Dr. Freia Hahn, Chefärztin an der LVR-Klinik Viersen, ging auf die Behandlung von drogenabhängigen Jugendlichen ein. Zunächst stellte sie heraus, dass bei der Hauptdroge Cannabis seit 2014 die Konsumentenzahl wieder ansteige und dass bei Cannabiskonsum im Jugendalter ein sechsfach erhöhtes Risiko einer Abhängigkeit bestehe und psychische Erkrankungen, Hirnvolumenminderung und eine negative Schulentwicklung die Folgen sein könnten.

Hilfe böten die zwei Stationen der Klinik mit der vierwöchigen qualifizierten Entzugsbehandlung mit acht Behandlungsplätzen und der 26-wöchigen medizinischen Rehabilitationsbehandlung mit 15 Behandlungsplätzen. Behandlungsziele seien unter anderem körperliche Entgiftung, Erholung, Stabilisierung, Rückfallprophylaxe, Festigung der Motivation zur Drogenabstinenz.

Hahn benannte die Kriterien für den Behandlungserfolg: multiprofessionelles Team, Kontakteinschränkungen, strukturierter Wochenplan, therapeutische Angebote, soziale Integration und ambulante Nachbehandlung.

Eine weitere Hilfe stellten am Ende Psychologe Michael Krämer und Pädagogin Marina Pippel von der Salus Klinik in Köln-Hürth mit dem Konzept „Generation Adventure“ für 18- bis 25-Jährige vor mit dem Ziel der gesellschaftlichen und beruflichen Teilhabe. Zum Konzept gehörten Einzelgespräche, Fallkonferenzen, Housekeeping, Homeoffice, Küchentraining sowie Projekte wie Survival Camp, Theater und Veranstaltungsmanagement.