Besonders miese Noten für die Post

Besonders miese Noten für die Post

Erkelenz (an-o) - Ist die Stadt behindertengerecht? Oder anders: Wie fühlt sich ein Rollstuhlfahrer beim Bummeln? Dieser Frage stellten sich mutig Vertreter der Jungliberalen in einem Selbstversuch.

Wenn man plötzlich in einem Rollstuhl sitzt, dann fallen einem die Treppen an den Eingängen vieler Läden erst wirklich auf. Mit sechs Rollstühlen, die der Verein mobiler Körperbehinderter im Kreis Heinsberg zur Verfügung gestellt hatte, erkundeten Jungliberale am Samstag die Stadt. Immer an ihrer Seite: Vereinsvorsitzender Karl Mayer, der die "Behinderten auf Zeit" auf viele Kleinigkeiten im Leben eines Rollstuhlfahrers aufmerksam machte.

Damit die "Julis" nicht mogeln konnten, wurden die Beine mittels Klebeband an die Rollstühle gefesselt. Dann startete die Tour durch Erkelenz, unter äußerst widrigen Umständen: In strömendem Regen, doch die Jungliberalen hielten tapfer durch. Erste Anlaufstelle: Das Rathaus. Zwar ist das Gebäude für "Rollies" leicht zugänglich, das Bürgerbüro hatte jedoch seine Tücken. So ist der dort aufgestellte Computer für Rollstuhlfahrer kaum nutzbar, da aus sitzender Position auf dem LCD-Monitor nichts zu erkennen ist. Auch das Kabel der Tastatur ist zu kurz. Der Weg führte weiter durch die Fußgängerzone. Wegen allzu vieler schwer zu erreichender Geschäfte kein besonders gutes Pflaster für Rollstuhl-Fahrer.

Hilfe nicht selbstverständlich

Einige nennenswerte Ausnahmen: Das Kaufhaus Martini, in dem mittels eines geräumigen Aufzugs alle Etagen bequem zu erreichen sind. Die metallene Rampe der Schuhvitrine erwies sich zwar angesichts der Nässe als fast unüberwindlich, doch schon beim ersten Versuch sie zu überwinden, boten sofort Verkäufer freundlich ihre Hilfe an - nicht selbstverständlich. Auch das Schreibwarengeschäft Viehausen ist für Rollstühle über eine Rampe zugänglich, auch wenn größere, elektrische Modelle ein wenig rangieren müssen.

Besonders miese Noten dagegen für die Filiale der Post. Die Treppe ist für Rollstühle schier unüberwindlich. Ein anderer Weg in das Gebäude? Nicht mehr vorhanden. "Früher bestand die Möglichkeit, über einen Aufzug auf dem Hinterhof das Gebäude zu betreten", so Postlers Hans-Josef Knopp. "Doch der Eingang wurde geschlossen - aus Sicherheitsgründen."

McDonalds für Rollstuhlfahrer "scher verdaulich"

Auch Mc Donalds erwies sich für Behinderte als "schwer verdaulich". "Zum Beispiel fehlt eine Behindertentoilette", so Christian Peters, Kreisvorsitzender der Julis, der natürlich auch im Rollstuhl saß.

Anschließend zog Peters ein erstes Fazit: "Wir haben schwere Arme. Aber wir haben einiges gesehen, das uns vorher nicht aufgefallen ist." Eine eingehende Nachbesprechung wird es natürlich geben, allerdings erst nach den Wahlen. Das Thema soll schließlich nicht im Wahlkampf untergehen.