Kreis Heinsberg: Besondere Einblicke in die Propsteikirche

Kreis Heinsberg : Besondere Einblicke in die Propsteikirche

Wie fesselnd, ja durchaus spannend der Besuch eines Gotteshauses auch außerhalb heiliger Messen oder Andachten sein kann, durften 25 (ausgeloste) Abonnenten unserer Zeitung im Rahmen einer Aboplus-Veranstaltung im Heinsberger Selfkantdom erleben.

Propst Markus Bruns führte mit Pfarrvikar René Mertens die Gäste exklusiv durch das über in der Kreisstadt herausragende Bauwerk, das zugleich Pfarrkirche der Pfarrei St. Gangolf ist.

Ulrich Peters hatte sogar eine der Pfeifen aus der Orgel ausgebaut, um den Gästen im Detail zu erklären, wie sie gefertigt werden. Foto: Anna Petra Thomas

Er freue sich, eine schöne Kirche zeigen zu können, begrüßte der Propst die Gäste, die zum Teil von weit her nach Heinsberg gekommen waren. Seit sieben Jahren sei er in Heinsberg tätig, fuhr Bruns fort. Dass er Propst sei, hänge nicht mit seiner Person zusammen, sondern sei vielmehr eine Auszeichnung der Pfarrei St. Gangolf, die in den 1940er Jahren zur Propstei erhoben worden sei.

Am Taufbecken erzählte einer der Besucher, dass er aufgrund seiner Taufe in dieser Kirche mit zweitem Vornamen Gangolfus heiße. Foto: Anna Petra Thomas

Die Geschichte der Kirche gehe zurück bis in die Jahre 1128/29 und sei eng verbunden mit Oda von Heinsberg, Großmutter des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg, die hier ein Stift zum heiligen Gangolfus gegründet habe. Bis ins 19. Jahrhundert hinein seien die Stiftsherren in Heinsberg tätig gewesen.

Mehr als mannshoch ist die Figur des heiligen Christophorus. Im ­Vordergrund: Propst Markus Bruns. Foto: Anna Petra Thomas

Auf der im Jahr 1993 errichteten Seifert-Orgel spielte Organist Ulrich Peters, der auch Orgelsachverständiger im Bistum Aachen ist, für die Gäste. Zwischendrin eilte er zu den begeisterten Zuhörern, die im Kirchenschiff nicht nur seinen musikalischen Darbietungen lauschen durften, sondern von ihm als dem Experten ganz viele interessante Informationen über die Orgel erhielten. Eigens dafür hatte Peters eine kleine Pfeife aus der Orgel ausgebaut.

Werke aus dem Barock spielte Ulrich Peters für die Aboplus-Gäste auf der Orgel im Selfkantdom. Foto: Anna Petra Thomas

Der Propst erklärte den aktuellen, spätgotischen Kirchenbau aus dem 15. Jahrhundert, der wie Heinsberg auch am 16. November 1944 durch britische Bomber zerstört und dann von seinen Vorgängern wieder aufgebaut wurde. Mit nur einer Stimme Mehrheit sei damals für den Wiederaufbau und nicht für einen Neubau an anderer Stelle entschieden worden. „Gottlob, dass man das getan hat“, so Bruns. Die aktuelle Innenausstattung trage weitestgehend die Handschrift von Albert Honings, der 23 Jahre lang Propst an St. Gangolf gewesen sei.

Die Propsteikirche St. Gangolf in Heinsberg war Ziel einer Aboplus-Veranstaltung. Foto: Anna Petra Thomas

Nächste Station war die Krypta unter dem heutigen Altarraum. Sie ist der Restbestand einer romanischen Vorgängerkirche, die im Zusammenhang mit dem Stift um 1250 erbaut worden war. Die hier aufbewahrte Reliquie der heiligen Hedwig von Schlesien sei nach dem Zweiten Weltkrieg für viele aus dem Osten vertriebene Menschen ein Bezugspunkt zur verlorenen Heimat gewesen, so Bruns.

Wieder die Steintreppe hinauf und vorbei an der Kreuztragungsgruppe ging es weiter in die Taufkapelle. Dort konnte einer der Besucher gar berichten, dass er aufgrund seiner Taufe in St. Gangolf mit zweiten Vornamen Gangolfus heiße. Das Patronat des heiligen Gangolfus für eine Kirche sei selten und Heinsberg habe damit im Bistum eine Alleinstellung, betonte der Propst.

Ebenfalls vom Meister von Elsloo soll die knapp 3,60 Meter hohe Christophorus­figur stammen — mit der spannenden Frage, wo sich die fehlende Hand des Knaben befinden mag. Beeindruckend auch der Besuch auf der oberen Ebene des Hochchores mit dem Rundumblick von der Rückseite des Triumphkreuzes vorbei am Chorgestühl zum 1955 vom Heinsberger Künstler Hein Minkenberg geschaffenen Hochaltar mit dem Tabernakel des Kölner Künstlers Paul Nagel.

Wieder unten in der Kirche fiel der Blick auf den erst 2009 von Gereon Heil geschaffenen Kreuzweg. Bruns erläuterte die Pläne, den Marienaltar mit den nach dem Krieg übriggebliebenen Teilen im nördlichen Seitenschiff der Kirche wieder aufzubauen — in der Nähe des Hochgrabes der Herren von Heinsberg aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, wo der Besuch endete, ehe jeder Gast Lektüre zur Kirche in Empfang nehmen durfte.

(anna)