Kreis Heinsberg: Beratungsstelle der AWO hat mehr als 500 Menschen unterstützt

Kreis Heinsberg : Beratungsstelle der AWO hat mehr als 500 Menschen unterstützt

Die Beratungsstelle für Schwangerschaftkonflikte, Familienplanung, Sexualität der AWO im Kreis Heinsberg hat ihren Jahresbericht 2017 vorgestellt. 506 Personen suchten persönliche Beratung zu Themen rund um Schwangerschaft, Schwangerschaftskonflikt, Familienplanung und Sexualität.

Weitere 439 Personen wurden in Informations- und Präventionsveranstaltungen erreicht, die in Kitas, Schulen und Integrationskursen sowie für Multiplikatoren angeboten wurden.

Die Beratungs- und Gruppenangebote sind kostenlos und für alle offen. „Bei uns sollen alle Menschen unabhängig von Religion, Nationalität, sexueller Orientierung oder sozialem Status ergebnisoffene, kompetente, kostenfreie und wertschätzende Beratung erfahren“, so Leiterin Birgit Goertz.

In der Schwangerschaftsberatung sind finanzielle Notlagen oftmals Anlass für den Erstkontakt. Über die Beratungsstelle können Gelder aus der Bundesstiftung „Mutter und Kind — Schutz des ungeborenen Lebens“ beantragt werden. So konnten im vergangenen Jahr 204 Schwangere aus dem Kreis Heinsberg finanzielle Unterstützung für Umstandsmode und Säuglingserstausstattung erhalten.

Im Rahmen der Antragstellung werde aber oftmals deutlich, dass die Frauen und Paare weitergehende Hilfebedarfe haben und sich komplexe Beratungs- und Betreuungssituationen ergeben, heißt es im Jahresbericht. Dabei stünden neben finanziellen Problemen vielfach partnerschaftliche und persönliche Probleme — etwa psychische Erkrankungen oder die Wohnsituation der Schwangeren — im Vordergrund.

Zudem finden immer mehr berufstätige Frauen und Paare den Weg in die Schwangerschaftsberatungsstelle, um sich über die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen in Bezug auf Mutterschutz, Elternzeit und Elterngeld (Basiselterngeld, ElterngeldPlus, Partnerschaftsbonus) zu erkundigen.

Im Berichtsjahr 2017 fanden laut Arbeiterwohlfahrt 207 Frauen den Weg in die Beratungsstelle, weil sie sich im Schwangerschaftskonflikt befanden. Am stärksten vertreten war dabei die Altersgruppe der 27- bis 34-jährigen. 11 Minderjährige wurden ebenfalls im Schwangerschaftskonflikt beraten. Die Schwangerschaftskonfliktberatung ist gesetzlich vorgeschrieben, falls eine Frau einen Schwangerschaftsabbruch aus persönlichen Gründen in Erwägung zieht.

Ziele der Beratung sind der Schutz des ungeborenen Lebens und die psychosoziale Unterstützung der Schwangeren. Die Frauen erhalten aber auch, sofern sie dies wünschen, notwendige Informationen zum Schwangerschaftsabbruch und einen Nachweis über das Beratungsgespräch, welches eine der Voraussetzungen für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch darstellt, für den es keine medizinische oder kriminologische Indikation gibt. Das Gespräch erfolgt ergebnisoffen, die Entscheidung über das Fortsetzen oder Beenden der Schwangerschaft liegt eigenverantwortlich bei der Schwangeren.

„Trotz der Situation einer Zwangsberatung wird das Gespräch von vielen Frauen und Paaren im Nachhinein als hilfreich und positiv empfunden“, schildert Birgit Goertz.

Das Jahr 2017 war stark von der Arbeit mit Migrantinnen und Migranten geprägt, wie im Jahresbericht deutlich wird. „Durch zusätzliche NRW-Landesmittel konnten wir besondere Angebote für Flüchtlinge vorhalten“, so Goertz. „Diese reichten von Gruppenangeboten in arabischer Sprache zu Themen wie Fruchtbarkeit, Verhütungsmittel und sexuelle Rechte bis hin zur Kostenübernahme von Verhütungsmitteln für geflüchtete Frauen.

Fehlendes Wissen über Verhütung stellten die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle besonders oft bei geflüchteten Frauen fest. „Selbst mit Sprachmittlern ist eine diesbezügliche differenzierte Beratung oftmals schwierig, da es sich aufgrund kultureller und religiöser Hintergründe um ein hochsensibles Thema handelt“, heißt es in der Bilanz der Beratungsstelle.

Die Beratungsstelle ist im Gesundheits- und Sozialzentrum der Arbeiterwohlfahrt in Hückelhoven, Bauerstraße 38, zu erreichen. Terminabsprache unter 02433/901701 oder schwangerschaft@awo-hs.de.