Städteregion: Beratungsangebote: Billige Energie steht Sanierung oft im Weg

Städteregion : Beratungsangebote: Billige Energie steht Sanierung oft im Weg

Die Zeiten haben sich geändert, und das ist im vorliegenden Fall nicht unbedingt eine gute Nachricht. Denn mit den Heizkosten — vor allem beim Betrieb mit Öl — ist auch die Motivation vieler Menschen gesunken, in die Sanierung ihrer Immobilie zu investieren.

„Die Sanierungsquote ist viel zu niedrig“, bedauert Gerhard Weiß. Er kann ein Lied davon singen, denn als Energieberater der Verbraucherzentrale hat der Architekt es seit vielen Jahren regelmäßig mit Eigentümern von älteren Häusern zu tun.

Werden in den kommenden Monaten wieder Hausbesitzer vor Ort beraten: Sabine Fenchel (l.), Beate Schraven und Gerhard Weiß. Foto: Grobusch

In den kommenden Monaten wird sich dieser Kontakt wieder intensivieren, wenn die Verbraucherzentrale gemeinsam mit dem Verein „altbau plus“ die nächste Runde ihrer Haus-zu-Haus-Beratung startet. Fünf Schwerpunkte sollen bis Dezember gesetzt werden. Eröffnet wird die Aktion diesmal — nächste Woche und bis Ende April — in Simmerath, im Zwei-Monats-Rhythmus werden danach Stolberg, Monschau, Eschweiler und Baesweiler folgen.

Jeder Beratungsfall hat seine besonderen Eigenheiten, pauschale Beurteilungen sind angesichts der vielfältigen baulichen Gegebenheiten, der unterschiedlichen Bewohner und der individuellen finanziellen Möglichkeiten kaum möglich. Und dennoch hat Weiß bei aller Verschiedenheit einen in der gesamten Städteregion zunehmend verbreiteten Trend zum Nichtstun erkannt.

„Wenn die Leute früher ihre Energieabrechnungen und damit verbunden die Aufforderung zur Nachzahlung erhielten, dann glühten bei uns die Telefonleitungen“, erzählt er. Heute hingegen gebe es für viele Haushalte eine Rückzahlung. „Energie tut nicht mehr weh“, stellt der Berater fest. Außerdem kursierten viele Gerüchte, etwa über die vermeintliche Belastung von Dämmstoffen oder die angeblich negativen Folgen von Sanierungen (Stichwort: Schimmel). Das sorgt laut Weiß für eine „große Verunsicherung“ und hat für die Berater spürbare Folgen.

„Unsere Arbeit ist schwieriger geworden“, berichtet Sabine Fenchel, die gemeinsam mit Gerhard Weiß, Heike Kempf, Jörg Hubrich und Beate Schraven zum Team der Haus-zu-Haus-Beratung gehört. Weil das Interesse in der Bevölkerung nachgelassen hat, ist die Zahl der jährlichen Aktionen von einstmals drei auf 2017 erstmals fünf hochgeschraubt worden. Auf diesem Wege wollen die Initiatoren erreichen, dass die Beratungsquote trotz geringerer Resonanz auf einem akzeptablen Niveau gehalten werden kann.

Die grundsätzliche Vorgehensweise hat sich derweil nicht geändert. In Absprache mit den Kommunen werden zunächst Straßen oder Viertel ausgesucht, in denen ein besonders hoher Sanierungsbedarf vermutet wird. Im Blickpunkt stehen dabei Häuser, die in den 1960er bis 1980er Jahren gebaut wurden.

Nach der gemeinsamen Auswahl des Aktionsgebietes wird dieses von einem Mitglied des Expertenteams in Augenschein genommen. Daraus resultiert eine Liste von Immobilien, deren Eigentümer dann mit Hilfe der Verwaltungen ausfindig gemacht und angeschrieben werden. Wenn sie Interesse an einer Beratung haben, können sie sich an die Verbraucherzentrale oder den Verein „altbau plus“ wenden. Der finanzielle Aufwand hierfür ist sehr überschaubar. Dank der Förderung durch die Städteregion und die Europäische Union wird lediglich eine Pauschale von 30 Euro fällig.

„Der Aufwand für die Berater liegt in der Summe bei rund fünf Stunden. Wenn man bedenkt, dass wir alles qualifizierte Leute sind und der Stundenlohn beispielsweise für einen Ingenieur zwischen 80 und 150 Euro liegt, dann ist das wirklich ein sehr gutes Angebot“, findet Gerhard Weiß.

Mehr noch als die finanziellen Vergünstigungen wissen viele Hauseigentümer die Qualität der Beratung zu schätzen, wie Auswertungen gezeigt haben: „Wir beraten unabhängig und haben kein wirtschaftliches Interesse. Das ist für viele Leute ganz wichtig und beschert uns einen großen Vertrauensvorsprung“, betont Beate Schraven. Hinzu komme, dass der fachmännische Blick von außen völlig neue Perspektiven eröffnen könne. „Wir bringen Dinge ins Spiel, über die die Eigentümer noch nicht nachgedacht haben. Und wir bewahren sie nicht selten vor Fehlinvestitionen.“ Beispielsweise bringe es wenig, neue Fenster einzusetzen, wenn es keinerlei Dachdämmung gebe.

Die Palette der Empfehlungen ist riesig. „Sie reicht von der Änderung der Nutzungsgewohnheiten bis zur Komplettsanierung“, schmunzelt Gerhard Weiß. Dabei sei die Energie- ein Stück weit auch eine Sozial- und Lebensberatung. Schließlich gehe es um das Zuhause der Menschen und ihren Alltag. Im Beratungsumfang enthalten sind auch Infos über aktuelle und zum individuellen Bedarf passende Förderprogramme auf allen Ebenen: von der Kommune bis zur Europäischen Union.

Da gibt es durchaus beachtliche Zuschüsse. Doch auch die überzeugen längst nicht jeden Hausbesitzer davon, dass es Sinn macht, in die energetische Sanierung zu investieren. Ebenso wenig wie die globale Perspektive. Gerhard Weiß kritisiert das: „Es muss viel mehr getan werden, um den Klimawandel zu stoppen.“ Gemeinsam mit seinen Kollegen will er auch in den kommenden Monaten seinen Teil dazu beitragen, dass sich diese Einsicht durchsetzt — dezent, fachlich kompetent und unverbindlich. So wie es das Konzept der Haus-zu-Haus-Beratung vorsieht.