Beifall für den Totengräber

Beifall für den Totengräber

Vergangenen Sonntag fand der Neujahrsempfang der Jungen Liberalen in Hückelhoven statt. Das ist eigentlich eine Nachricht, die ungefähr so interessant ist wie das MDR-Nachtprogramm. Aber diesmal war den JuLis ein besonderer Coup gelungen.

Sie hatten den aktuellen Superstar der deutschen Spitzenpolitik eingeladen: Jürgen W. Möllemann. Und das beste war: Möllemann kam auch noch. Der Totengräber der FDP wurde von seinen Noch-Parteigenossen sogar mit standing ovations empfangen.

Gut, einige waren allerdings auch nur aufgestanden, um den Saal zu verlassen. Bei seinem Vortrag lief er dann zu gewohnter Hochform auf und lieferte putzmunter seine markigen Sprüche ab. Allerdings trog offenbar der Schein, denn nur zwei Tage später, am Dienstag, war er wieder so krank, dass er die Sitzung der FDP-Bundestagsfraktion in Berlin aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Wer so viel rumkommt, muss natürlich auch mit seinen Kräften haushalten und Prioritäten setzen. Und ein Auftritt in Hückelhoven ist selbstverständlich weit wichtiger als ein Erscheinen in Berlin, wo es ja nur um sein Ausschlussverfahren ging.

Wie wichtig ein Auftritt in Hückelhoven ist, demonstrierte eindrucksvoll der ursprünglich geplante Gastredner, FDP-Landeschef Pinkwart. Der nämlich sagte seinen Besuch kurzfristig ab, und zwar für eine Karnevalssitzung in - jetzt halten Sie sich fest - Münster (!). Ganz anders Möllemann. Der hatte sich für seine Hückelhovener Grundsatzrede sogar fit spritzen lassen, denn er gestand vor der Presse: "Ich stehe unter Medikamenten." Ob das auch beim Erstellen seines berühmten Flugblattes der Fall war, gab er nicht zu Protokoll. Obwohl das einiges hätte erklären können.