Kreis Heinsberg: Bei „Innovative Schulideen” werden begabte Grundschüler gefördert

Kreis Heinsberg : Bei „Innovative Schulideen” werden begabte Grundschüler gefördert

Eher lilafarben sind die Blätter des Kohlkopfes, den die Genießer in hiesigen Regionen Rotkohl nennen, wenn sie ihn fein zubereitet verzehren. Warum sprechen die Menschen in Süddeutschland dann von Blaukraut? Und was hat das dann auch noch mit Wissenschaft zu tun?

Besonders begabte Grundschulkinder im Kurs „Naturwissenschaftliches Experimentieren” verdeutlichten dies bei ihrem jüngsten Treffen im Chemiesaal des Heinsberger Kreisgymnasiums nicht nur Schulamtsdirektor Peter Kaiser, sondern auch Bankdirektor Hans-Hubert Hermanns von der Raiffeisenbank Heinsberg, die das Projekt „Innovative Schulideen” (ISI) im Kreis Heinsberg unterstützt. Neben Materialien für den Unterricht und Angeboten zu Kooperationen fördert dieses Projekt im Rahmen von Kursen besonders begabte Grundschulkinder.

In diesem Schulhalbjahr laufen drei Kurse: „Eintauchen in die Welt der Kreativität” lautet das Thema derzeit in Erkelenz, „Kreativ mit Fotoapparat und Computer” ist das Motto in Geilenkirchen. Im Heinsberger Kreisgymnasium entführt Marion Maybaum im Beisein von Grundschullehrerin Hedwig Michalski, bei ISI zuständig für die praktische Begabungsförderung, die Kinder an zehn Terminen in die Welt der Naturwissenschaften. Sie hat mit ihnen schon Asseln untersucht und ihnen gezeigt, wie aus einer Zitrone Strom entsteht.

Heute nun gehts um den Kohl. Nacheinander füllen auch Pascal Krings und Fenja Strömer, Schüler der zweiten Klasse in der Grundschule in Hilfarth, nacheinander Zitronensaft, Essig, Salz Zucker und Natron in Reagenzgläser mit Rotkohlsaft. Dabei erkennen die beiden Achtjährigen, dass es die sauren Zugaben sind, die das Gemüse zum Rotkohl machen, und dass Natron für die Blaufärbung verantwortlich ist. „Weils Spaß macht”, antwortet Fenja auf die Frage, warum sie sich an diesem sonnigen Nachmittag auf den Weg ins Gymnasium nach Heinsberg gemacht hat.

Seit sechs Jahren gebe es diese Begabtenförderung im Kreis Heinsberg, erläutert Kaiser dem Besucher im Beisein von Joachim Lengert, stellvertretender Schulleiter am Kreisgymnasium. 14 Grundschulen würden dem Netzwerk derzeit angehören. Sie präsentieren sich mittlerweile einmal pro Jahr in zwei sogenannten Kinderhörsälen: in diesem Jahr am 28. Juni im großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung in Heinsberg und am 3. Juli in der Stadthalle in Erkelenz, jeweils von 15 bis 17 Uhr.Dabei gehe es vor allem darum, Projekte eigenständigen wissenschaftlichen Arbeitens zu präsentieren, so Kaiser. Auch in diesem Jahr geschehe dies wieder in einer bunten Vielfalt, vom naturwissenschaftlichen bis hin zum musisch/künstlerischen Bereich und vor allem nicht nur kognitiv, sondern auch kreativ.

Weiter entwickelt werden soll das Projekt ISI im Kreis Heinsberg künftig zunächst durch eine sogenannte Selbstevaluation der beteiligten Schulen. „Keine Kontrolle!”, betont Kaiser, sondern eine eigene Bewertung in sieben Bereichen. „Damit wir wissen, welche Standards wir künftig für wichtig halten.” Mit einer Auswertung rechnet er für den Herbst dieses Jahres. Ferner sollen die bisher beteiligten, in der Begabtenförderung bereits erfahrenen Schulen weitere Schulen „quasi als Partnerschulen an die Hand nehmen”, um die Basis für das Projekt ISI im Kreis zu verstärken. „Klar sein muss nämlich, dass wir keine Hochbegabtenschulen schaffen wollen”, sagt er. „Der Anspruch auf individuelle Förderung besteht an jeder Schule.

Marion Maybaum hat derweil mit den Schülern weiter im Rotkohlsaft geforscht. „Sie sind so begeisterungsfähig und geben so viel zurück”, ist sie selbst ganz angetan von der Arbeit mit den Kindern im Kurs. „Wenn wir diese Kinder nicht ,abholen würden, würde das ganze Potenzial verpuffen.” Dank des zusätzlichen Angebots würde bei den teilnehmenden Kindern zudem nicht nur bereits sehr früh der Spaß an naturwissenschaftlichen Arbeiten geweckt. Ihnen falle auch der Übergang nach der Grundschule wesentlich leichter, ergänzt Kaiser.