Erkelenz-Hetzerath: Bei ihrer Geburt lacht man über den Hauptmann

Erkelenz-Hetzerath : Bei ihrer Geburt lacht man über den Hauptmann

In dem Jahr, in dem Theresia Reiners in Hückelhoven-Baal das Licht der Welt erblickt, lacht ganz Deutschland über einen arbeitslosen Schuster. Wilhelm Voigt heißt der, verhaftet in der bei einem Trödler erworbenen Uniform „auf Befehl des Kaisers” den Bürgermeister von Köpenick und beschlagnahmt die Stadtkasse.

In Athen gehen bei den Olympischen Zwischenspielen 884 Athleten aus 20 Ländern in 77 Disziplinen an den Start; San Francisco wird durch ein Erdbeben total zerstört, rund 250.000 der 300.000 Einwohner verlieren ihr Obdach.

1906 war das - und am Freitag vollendet Theresia Reiners ihr hundertunderstes Lebensjahr. Die Welt ist für die gelernte Näherin seit vier Jahren die Seniorenwohngemeinschaft in Hetzerath. Sie sei, sagt die Betreuerin Schwester Conny, stets sehr kontaktfreudig und gesellig gewesen, habe immer gerne gefeiert. Kann man verstehen, bei jemanden, der die besten Jahre seiner Jugend in den so genannten „Goldenen Zwanzigern” erlebte.

Die längste Zeit ihres langen Daseins hat sie in Doveren verbracht, ihr Mann arbeitete bei der Bahn. Besuch bekommt sie noch regelmäßig von Sohn Peter, der in Düsseldorf wohnt. Zur Feier des heutigen hundertersten Jahrestages ihrer Geburt wird man Theresia sicher ihr Lieblingsessen servieren: Eintopf - egal wovon.

„Suppen isst sie rauf und runter”, sagt Schwester Conny. Die Kontaktfreude ist ihr auch jenseits der Hundert erhalten geblieben: Beim Abschied ergreift sie die Hand ihres jungen Besuchers zu einem fast formvollendeten Handkuss.