Heinsberg/Hückelhoven: Bei den „Verlierern” ganz gut im Rennen

Heinsberg/Hückelhoven : Bei den „Verlierern” ganz gut im Rennen

Von den 32 Kommunen, die im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Aachen durch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zwischen 2001 und 2009 beobachtet wurden, konnten nur sieben einen Zuwachs an Kaufkraft erzielen. Dies bestätigte Nils Jagnow, zuständig für Stadtentwicklung und Bauleitplanung, auf Anfrage unserer Zeitung.

In den durch die IHK veröffentlichten Zahlen lag die Stadt Heinsberg als erster „Verlierer” mit einem Minus von sieben Millionen Euro (-3,2 Prozent) noch ganz gut im Rennen um die Gunst der Konsumenten.

Auch Hückelhoven bewegte sich mit einem Verlust von zehn Millionen Euro (-5,6 Prozent) noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von -6,7 Prozent. In der ehemaligen Zechenstadt wird durch die IHK lobend hervor gehoben, dass die Stadt in den letzten Jahren auf die Entwicklungen reagiert habe.

„Dort wurde die Innenstadt umgebaut, das Hückelhovencenter an der Nahtstelle zu Innenstadt angesiedelt und 2200 kostenfreie Parkplätze zu Verfügung gestellt”, heißt es in einer Stellungnahme. So sei es möglich gewesen, 35 Millionen Euro an Kaufkraft zurück zu holen.

Die beiden wesentlichen Standbeine zur Ermittlung der Kaufkraft seien auf Seiten der Einzelhändler durch die Umsatzsteuer zu ermitteln und bei den Kunden durch das Aufkommen der Einkommensteuer in einer Kommune. Dazu kämen natürlich noch Befragungen, erläuterte Jagnow. „Ein Großteil des Kaufkraftabflusses geht in den Online- und Versandhandel oder wird einfach gespart”, sagt der IHK-Experte.

Bei den Kaufkraft-Gewinnern wie Kall in der Eifel mit einem Zuwachs von 96 Millionen Euro (+161,7 Prozent), Würselen mit 53 Millionen Euro (+26,1 Prozent) oder Niederzier mit sieben Millionen Euro (+9,8 Prozent) sei generell ein Phänomen zu beobachten, das bei den Konsumforschern und den Vertretern der Kammer gemischte Gefühle hervorruft.

In allen drei Kommunen seien es die Großansiedlungen, die den Umsatzgewinn und im Schlepptau auch kleinere Einzelhändler nach sich zögen. Was im ersten Augenblick nur zu begrüßen sei, habe jedoch einen entscheidenden Wermutstropfen. Die Großansiedlungen fänden oftmals auf „der grünen Wiese” statt, was im Negativfall eine Verödung der Innenstädte begünstige. Doch genau dies sei nicht gewollt.

Vor dem Hintergrund der GfK-Ergebnisse dürfte auch das Einzelhandelsstandort- und Zentrenkonzept, das die Stadt Heinsberg bei der BBE-Unternehmensberatung in Auftrag gegeben hat, überaus bedeutsam sein.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang nämlich, dass sich die Verkaufsflächen im Kammerbezirk nach Schätzungen der IHK seit 2001 insgesamt um mehr als zehn Prozent erhöht haben, obwohl sich der Kaufkraftabfluss im selben Zeitraum mehr als verdoppelte.