Gangelt: Begegnungen mit Schwertlilie und Goldrute

Gangelt : Begegnungen mit Schwertlilie und Goldrute

„Das blüht uns was”, lacht Monika Tholen, wenn sie von ihren Wanderungen durch das Rodebachtal berichtet. Sie, Stadtführerin der Gemeinde Gangelt, bietet Runden im Frühtau oder zum Sonnenuntergang an.

„Es ist erstaunlich, wie schön und üppig sich die Pflanzenwelt rund um den Naturpark Rodebach derzeit präsentiert.” Auf der einen Seite ist Monika Tholen immer mit einem „Kosmos-Pflanzenführer” ausgestattet, der bei der Bestimmung der ungezählten Gewächse hilft.

Auf der andern Seite kommt ihr aber eine ihrer Prüfungsarbeiten zur Drogistin aus dem Jahre 1969 oft zur Hilfe. Ein Herbarium mit rund 90 Exponaten hat sie derzeit erstellt. Ein Herbarium ist eine Sammlung getrockneter und gepresster Pflanzen beziehungsweise Pflanzenteile für wissenschaftliche Zwecke.

Die Pflanzen wurden gepresst, bevor sie welken, da sonst wichtige Merkmale wie Blattform und Blütenaufbau nicht mehr gut erkennbar sind. Damals wurde die Stadtführerin für diese hervorragende Arbeit ausgezeichnet und eine Woche nach Berlin eingeladen. Heute dient sie immer noch als Nachschlagewerk für schwierige Fälle.

Sie findet aber auch ab und an Pflanzen, die weder ihr Herbarium noch der „Kosmos-Pflanzenführer” identifizieren kann. Das, so erfährt man dann wieder von anderen Fachleuten rund um den Naturpark, hängt mit einer seltenen Gabe der Natur zusammen. Über 50 Jahre lang wurde das Gangelter Bruch landwirtschaftlich genutzt, und so waren die Bedingungen für verschiedene „heute oft seltene” Pflanzenarten nicht mehr gegeben. Aber all die Jahre haben Samen im Boden gelegen, die jetzt, wo sich das Bruch wieder erholt, zu keimen beginnen.

Monika Tholens Rodebachwanderungen, die rund drei Stunden dauern, beginnen am Kahnweiher, und man startet dann in Richtung Mindergangelt. „Das geht dann vorbei an einer Fülle von blühenden Feld- und Wiesenblumen, Sträuchern und Kräutern”, schwärmt Monika Tholen über das Kleinod. Sie findet hier alles vom Wiepenkerbel bis zum Schöllkraut, Strochenschnabel, Johanneskraut, Nesseln, Distelarten, Goldrute sowie einer Vielzahl von Gräsern, Kriechgewächsen und Ampfer.

Ein ganz besonders Bild bietet die gelbe Schwertlilie, die sie in einem der Wassersammelbecken gefunden hat. Nahe der Dahlmühle gibt es neben Holunder, roter Heckenkirsche und Beinwell viele weitere wunderschön blühende Pflanzen. Bis zum Parkplatz am Wildpark findet man dann auch noch gelben und roten Fingerhut.

Neben der Flora gibt es natürlich auch noch die Faune, deren Artenvielfalt stetig zunimmt. Man erfährt bei der Wanderung etwas über die Geschichte des Kahnweihers, der so alt noch gar nicht ist, über die Entwicklung des Naturparks sowie über die Wassermühlen entlang des Rodebaches.