Erkelenz-Lövenich: Bedeutung von „Ferkels Tünn” für die Feuerwehr

Erkelenz-Lövenich : Bedeutung von „Ferkels Tünn” für die Feuerwehr

Die Geschichte der Feuerwehr und deren Dokumentation hat sich nicht nur in unserer Region zur Kulturpflege gemausert. Was in Lövenich mit der umfangreichen Sammlung von Peter Höpgens begonnen hat, hat sich zum Rheinischen Feuerwehrmuseum entwickelt.

Ähnlich war es in anderen Orten Deutschlands, wo die private Sammelleidenschaft der Feuerwehrleute Museen hervorgebracht hat. Daraus ist ein Netzwerk entstanden, das durch regelmäßigen Austausch Licht in die oft unbekannte Geschichte der Feuerwehren bringt und zum Erhalt der wertvollen zeitgeschichtlichen Zeugnisse beiträgt. Am 8. März treffen sich die Aktiven der „Arbeitsgemeinschaft der Feuerwehr-Museen in Deutschland” (AGFM) im Rheinischen Feuerwehrmuseum in Lövenich.

Am folgenden Tag findet in den Räumen des Lövenicher Museums die „Zweite Rheinische Feuerwehr Sammel- und Tauschbörse” statt. Neben Museen aus der gesamten Bundesrepublik werden auch Feuerwehrhistoriker aus dem niederländischen Eindhoven erwartet. Zu der Veranstaltung ist bei weitem nicht jeder Sammler zugelassen. „Kommerzielle Sammler und Schnäppchenjäger wollen wir nicht unter den Besuchern wissen”, betont der zweite Vorsitzende des Rheinischen Feuerwehrmuseums, Rainer Merkens. Was auf den ersten Blick wie ein Treffen von Hobbyhistorikern aussieht, hat für Aktiven eine durchaus große Bedeutung.

Denn auf der Tagung werden Themen besprochen, die den Sammlern und Museumsbetreibern neben neuem Wissen auch Rechtssicherheit bringen. Ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung wird der Umgang mit den Paragrafen 86 und 86a des Strafgesetzbuches sein, in denen es um die Zurschaustellung von Symbolen aus dem Dritten Reich und der DDR geht.

„Die Feuerwehren haben auch in der Nazizeit und in der ehemaligen DDR gearbeitet. Dementsprechend finden sich auf den Ausstellungsstücken auch immer wieder verbotene Symbole aus dieser Zeit”, erklärt Bernd Klaedtke, der gemeinsam mit Michael Thissen seit rund vier Jahren die Zeitschrift „Feuerwehrchronik” herausgibt. Deren Zuschaustellung sei jedoch noch immer eine „heikle Sache”, die von der Staatsanwaltschaft verfolgt werden könne.

„Diese juristische Grauzone werden wir beleuchten und wichtige Hinweise zum Umgang mit den entsprechenden Symbolen geben.” Auch die Ergebnisse der Arbeit der „Feuerwehrchronik” werden dem Fachpublikum vorgestellt. In den vier Jahren des Bestehens der Zeitschrift ist eine umfassende Chronik der Feuerwehren entstanden. Dazu wurden Schriften katalogisiert und so auch anderen Forschern zugänglich gemacht. Der Austausch sei für die Historiker wichtig, die bisher „im stillen Kämmerlein” geforscht hätten, hebt Klaedtke hervor.

Ein weiteres Anliegen der Tagung ist es, die vielen Schutzheiligen der Feuerwehr zu beleuchten. Denn neben dem allseits bekannten St.. Florian gibt es eine Vielzahl von Heiligen, die für die Brandbekämpfung zuständig sind. Hier hat Rainer Merkens ausgiebig recherchiert. „St. Florian ist erst relativ spät zum alles umfassenden Schutzheiligen der Feuerwehren geworden”, erklärt er.

Spätestens mit der bundesweiten Namensgebung für die Funkwagen in den 70er-Jahren habe er sich gegen die heilige Konkurrenz durchsetzen können. In Belgien und Frankreich vertrauen die Feuerwehrleute noch heute auf die Heilige St. Barbara, die auch im Bergbau und bei Sprengmeistern eine große Rolle spielt. In der Houverather Löschgruppe vertraut man zum Beispiel auf St. Laurentius. Darüber hinaus sind aber auch die Heiligen Agathe, Antonius („Ferkels-Tünn”) und Donatus in der Brandbekämpfung von großer Bedeutung.