Erkelenz: Bauxhof ist seit zehn Jahren eine neue Heimat

Erkelenz : Bauxhof ist seit zehn Jahren eine neue Heimat

Von den ersten Aussiedlern, die vor zehn Jahren aus der ehemaligen Sowjetunion in den Bauxhof einzogen, wohnt fast niemand mehr dort.

Die deutschen Staatsbürger, die in der Bundesrepublik ihre neue Heimat fanden, sind vom Bauxhof umgezogen in andere Wohnungen.

Viele sind in Erkelenz geblieben, andere haben ihr Glück anderswo gesucht und gefunden. Insofern ist der Bauxhof ein Übergangsheim, eine Siedlung, in der es eine rege Fluktuation gegeben hat und gibt.

Das zehnjährige Bestehen des Bauxhofes in seiner jetzigen Form nimmt die Stadt Erkelenz zum Anlass für ein kleines Jubiläumsfest vom 24. bis 29. September.

Bevor im Herbst 1992 der Bauxhof den Aussiedlern als Wohnstätte angeboten werden konnte, lag schon viel Arbeit hinter der Stadtverwaltung.

Sie kaufte die Siedlung, in der bis dahin britische Militärangehörige wohnten. Wohnungen für rund 1000 Menschen standen am Schulring nach dem Fortzug der Briten plötzlich leer.

Die Stadt griff zu, sie erwarb im Juni den Bauxhof für rund 18 Millionen Mark, zu dem das Land über 10 Millionen Mark beigesteuerte. Dieser Zuschuss war verbunden mit der Verpflichtung, den Bauxhof 25 Jahre lang als Übergangsheim zu nutzen.

Am 10. August 1992 wurden die Wohnblöcke mit 160 Wohnungen und 41 Garagen von der Stadt übernommen. Die Sanierung war noch im Gange, als am 1. September schon die erste Familie mit acht Personen in das Haus Kastanie im Bauxhof einzog.

Anschließend zogen wöchentlich, jeweils mittwochs, 50 bis 80 Aussiedler ein. Das Ziel der Stadt Erkelenz, bis Ende des Jahres die größtmögliche Aussiedlerzahl zu erreichen, um den Verlust der Schlüsselzuweisungen nach dem Fortzug der britischen Militärangehörigen auszugleichen, wurde dadurch erreicht.

Um den Kontakt zwischen der Bevölkerung und den Aussiedlern zu fördern, gab es bereits im November 1992 das erste Bauxhoffest. Aus dem Nebeneinander solle ein Miteinander werden, meinte damals Bürgermeister Willy Stein in seiner Eröffnungsrede in einem Festzelt. Die Neubürger würden es noch schwer genug in ihrer neuen Heimat haben, da müsse jedwede Unterstützung von Bürgern und Verwaltung gewährt werden.

Die Aussiedler selbst brachten vor zehn Jahren großen Optimismus mit. „Wir sind glücklich, dass wir die Stadt Erkelenz gewählt haben”, sagte beim ersten Bauxhoffest Natalia Tucholke im Namen der neuen Erkelenzer.

Dass der Bauxhof auch überregional Beachtung fand und als gelungenes Modell für eine vorbildliche Integration von Aussiedlern in der Bundesrepublik Deutschland angesehen wurde, zeigt eine Goldplakette, die Erkelenz 1994 bei einem Wettbewerb des Bundesinnenministers für ihre „beispielhaften Leistungen” erhalten hat.

Zehn Jahre später gilt es, Jubiläum zu feiern und Bilanz zu ziehen. Dies wird bei den Feiern geschehen und es wird wohl auch deutlich werden, dass nicht alles Gold ist, das glänzt.

Das Jubiläumsfest beginnt am Dienstag, 24. September, um 19 Uhr mit einem „Abend der Begegnung” im Alten Rathaus. Am Freitag gibt es auf den Grünflächen am Bauxhof um 15 Uhr ein Fußballturnier und um 20 Uhr eine Disco im Festzelt. Darin ist am Samstag um 19 Uhr auch der Festabend.