Städteregion: Bauernhof in Dänemark, Kita in Schweden

Städteregion : Bauernhof in Dänemark, Kita in Schweden

Lena Kilian, angehende Landwirtin, war vier Wochen auf einem Bauernhof in Dänemark. Angelina Izbudak, angehende Erzieherin, arbeitete in einer Kindertagesstätte im schwedischen Stockholm. Nik Esser, Auszubildender im Garten- und Landschaftsbau, legte in einem Nationalpark in Nordirland einen Rosengarten an.

Mirko Gyo, angehender Heilerziehungspfleger, half in der britischen Hauptstadt London in einer Tagespflegeeinrichtung für Menschen mit Behinderung. Und Jule Düppengiesser freut sich im Rahmen ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau auf Juni. Dann wird sie zwei Wochen lang in einem Fünf-Sterne-Hotel in der tschechischen Hauptstadt Prag arbeiten.

Den Horizont erweitern

Im Rahmen ihrer Ausbildung haben die fünf jungen Leute die Chance genutzt, für ein paar Wochen im Ausland zu arbeiten und zu lernen. Finanziell unterstützt wurden sie dabei vom Erasmus-Förderprogramm der Europäischen Union. Denn mit Erasmus können nicht nur Studenten, sondern auch Azubis Auslandserfahrung sammeln. Die Berufskollegs in der Städteregion bieten solche geförderten Auslandspraktika an und helfen bei der Organisation.

Die Käthe-Kollwitz-Schule (KKS) an der Bayernallee in Aachen beispielsweise ist seit zwei Jahren mit im Boot. „Zur laufenden ‚Woche der beruflichen Bildung‘ möchten wir zeigen, was in der Berufsausbildung alles möglich ist“, sagt Lehrerin Birgit Werner, die sich an der Schule um das Erasmus-Programm kümmert: „Angehende Fachkräfte haben so die Chance, im Ausland ihren Horizont zu erweitern.“

Im vergangenen Jahr hat die KKS rund 50 Auszubildende mit dem Erasmus-Programm ins Ausland geschickt. Gewünscht ist allerdings sehr viel mehr. „Ziel ist es, zehn Prozent unserer Schülerinnen und Schüler für eine Auslandserfahrung zu gewinnen“, beschreibt Schulleiterin Monika Büth-Niehr. Und die Käthe-Kollwitz-Schule betreut immerhin 2500 junge Menschen.

Ein Auslandspraktikum bringt nicht nur den Azubis Vorteile. Die Betriebe, davon ist Birgit Werner überzeugt, können mit der Teilnahme am Erasmus-Programm die berufliche Ausbildung attraktiver machen. Und das ist ja durchaus nötig. Durch die Bank haben die Firmen Nachwuchssorgen und klagen sehr über den Fachkräftemangel. Die „Woche der beruflichen Bildung“, die unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender stattfindet und am heutigen Freitag zu Ende geht, soll deshalb kräftig die Werbetrommel rühren für die berufliche Ausbildung.

Ein fremdes Land, eine andere Sprache und andere Gewohnheiten: Das Praktikum im Ausland war durchaus ein Abenteuer für die Schülerinnen und Schüler. Lena Kilian arbeitete auf einem Biohof mit 130 Stück Milchvieh. Die Kühe wurden, anders als in ihrem Ausbildungsbetrieb in Hürtgenwald (Kreis Düren), allesamt von Robotern gemolken, erzählt sie. Angelina Izbudak stellte fest, wie weit die Digitalisierung in einer schwedischen Kita schon fortgeschritten ist: „Da wird sehr viel mit Tablets gearbeitet, und alles Wichtige wird für die Eltern im Netz gepostet. Die Kinder sind ganz viel draußen und spielen im Winter jeden Tag im Schnee.“

Für kleine Betriebe nicht einfach

Erasmus-Auslandspraktikum und Ausbildung, das passt allerdings nicht immer so ganz einfach zusammen, weiß die Schulleiterin. „Den Unternehmen fehlt für diese Wochen ja eine Arbeitskraft, und das ist gerade für kleine Betriebe schwierig“, sagt Büth-Niehr. Nik Esser musste für seinen Chef sogar ein Referat über den Nationalpark Mount Stewart Garden schreiben, um darzulegen, warum er ein paar Wochen in Nordirland Gartenbau betreiben wollte. Und für sein Praktikum musste er zwei Wochen Urlaub opfern.

Aber alle sind mit positiven Erfahrungen zurückgekehrt. Angelina Izbudak will die netten Leute, die sie in Stockholm kennengelernt hat, auf jeden Fall noch einmal treffen. Und Lena Kilian erhielt von ihren Gastgebern in Dänemark die herzliche Einladung, noch einmal auf dem Bauernhof mitzuarbeiten. „So ein Auslandspraktikum erweitert den Horizont“, bilanziert Lehrerin Birgit Werner. „Man lernt, Grenzen zu überwinden, und wächst in seiner Persönlichkeit.“ Und im Lebenslauf mache so etwas auf jeden Fall Eindruck.