Waldfeucht: Bauerndart mit der Mistgabel

Waldfeucht : Bauerndart mit der Mistgabel

„Wir sind in einer Grenzregion, wo man sich gerne begegnet”, eröffnete Bürgermeister Johannes von Helden das historische Begegnungsfestival in Waldfeucht, in dessen Mittelpunkt der „Wall”, die nun bereits zur Hälfte wiederhergestellte mittelalterliche Stadtbefestigung stand.

Für jeden Geschmack etwas, ob Musik oder Show, Kleinkunst oder Kunsthandwerk, historisches Handwerk, Lebensgewohnheiten oder Fahrzeuge, das Festival bescherte Waldfeucht am Sonntag eine wahre Völkerwanderung.

So begrüßte denn auch ein sichtlich stolzer Bürgermeister bereits zur Eröffnung viele Ehrengäste, die schon am Morgen den Weg an die Bühne 4 gefunden hatten, dort wo einst das Waldfeuchter Untertor stand. „Das hier einmal wiederherzustellen, wäre ein Traum”, nutzte der 1. Bürger der Gemeinde die Gelegenheit, Zukunftswünsche zu äußern.

„Auch wenn der Anstoß zur Wiederherstellung des Walls aus unseren Reihen kam, so wäre dies ohne die Mitarbeit der Bevölkerung nicht zu realisieren gewesen”, dankte von Helden den Bürgern aber auch allen, die sich engagierten und auch dieses Fest mitgestalteten. „Heute sind 341 Akteure dabei, deren Lohn Ihr Beifall ist.”

Schon bei der Grünen Woche in Berlin habe ihn der Auftritt der Aktionsgemeinschaft Selfkant beeindruckt, bekannte Dr. Ludger Wilstacke, der den Schirmherrn, NRW-Minister Eckhard Uhlenberg, vertrat. Es lohne sich, im ländlichen Raum zu leben und zu arbeiten, der die gleiche Aufmerksamkeit verdiente wie die Ballungsräume. Er verwies auf das neue NRW-Förderprogramm „Ländlicher Raum”.

Gemeinsam mit den Gemeinden Selfkant und Gangelt sei Waldfeucht zwar eine der kleinster „Leader”-Regionen, doch ganz vorne mit dabei. Als eine der ersten habe man das Regionalmanagement arbeitsfähig gemacht und schon in sechs Arbeitskreisen zahlreiche Projekte diskutiert.

Mit „Hej Vöcht, kiek ens diene Wall” begeisterten Günter Mobers und Robert Schmitz die Gäste. Josef Vraetz beschrieb in diesem Lied in Vöchter Mundart zur fetzigen Musik von Pink Floyds „The Wall” die Instandsetzung der historischen Stadtbefestigung von der Bestandsaufnahme mit „Müll on Schlamassel” bis zum Riesenfest am Sonntag.

Ebenfalls aus der Feder von Josef Vraetz stammte der zweite, von Tanja Peters bei der Eröffnung präsentierte Titel „Wir sind Selfkant”. Außerdem beleuchte Helmut Windeck die interessante Historie Waldfeuchts in einem Kurzvortrag. Den musikalischen Rahmen gestaltete der Musikverein Waldfeucht.

Nonstop Rock mit elf Gruppen im stündlichen Wechsel auf der Doppelbühne am Obertor war ein Leckerbissen für die Jugend.

Kleinkunst vom orientalischen Tanz, afrikanischen Trommeln bis zu den Liedermachern Karl Hamacher und Adreas Joerißen sowie Kristin und Kerstin oder dem Jugendtheater Waldfeucht sowie dem Rurtal-Trio lockte die Besucher vor die Bühne am Schlösschen. Liebhaber von Volksmusik, Big-Band-Musik und Gesang kamen vor der Bühne am Untertor auf ihre Kosten.

Pferde im Wall

Im Wall selbst präsentierten sich Pferdesportler mit verschiedenen Reitdarbietungen, war ein historisches Zeltlager aufgebaut und wurden alte Traktoren gezeigt. Auch die Feuerwehr präsentierte historisches neben modernstem Gerät.

Rekordverdächtig war der Besuch am Stand der Landwirtschaft. Neben vielen Informationen rund um die Kartoffel konnten die Frauen der Nachfrage nach Reibekuchen, Bratkartoffeln und Folienkartoffeln kaum nachkommen. Ein Riesenspaß war hier auch das „Hennenroulett” oder „Bauerndart”, wobei eine Mistgabel den Pfeil ersetzte.

Dazu gab es historisches Handwerk wie Korbflechten oder Spinnen und eine Wäscherin arbeitete am Waschbrett. Verein, Gruppen und Organisationen nutzten ebenfalls das Fest, um sich und ihre Arbeiten zu präsentieren.