Kreis Heinsberg: Bauchschmerzen mit dem neuen „Kibiz”

Kreis Heinsberg : Bauchschmerzen mit dem neuen „Kibiz”

Kibiz kann kommen: Aus Sicht der Stadt Hückelhoven ist man für das neue Kinderbildungsgesetz mit der putzigen Abkürzung gerüstet. In seiner Sitzung Anfang der Woche hat der Jugendhilfeausschuss den neu zu regelnden Elternbeiträgen für Leistungen der Kindertagespflege zugestimmt.

Wenn das neue Gesetz am 1. August in Kraft tritt, müssen die Eltern mehr als bisher für die Betreuung ihrer Kleinen in einer Kindertagesstätte auf den Tisch legen. Für die 35-Stunden Betreuungszeit gelten dann Sätze, die je nach Einkommen von 30 bis 243 Euro reichen.

„Alle Jugendämter im Kreis haben sich auf die gleichen Elternbeiträge geeinigt”, sagt Ulla Sevenich-Mattar. Und die Fachbereichsleiterin Kinder- und Jugendhilfe bei der AWO im Kreis Heinsberg nennt dies „außergewöhnlich auch im Vergleich mit anderen Kreisen in Nordrhein-Westfalen”.

Der Konsens sei nicht zuletzt erzielt worden, weil sich die Verantwortlichen auf das Ziel Familienfreundlichkeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf als gemeinsames Leitbild geeinigt hätten. Die Betriebskosten werden so zu 16 Prozent über die Elternbeiträge finanziert - das Land gibt im Kibiz 19 Prozent als Quote vor.

„Das ist für die Städte im Kreis Heinsberg eher unrealistisch und kaum zu erreichen”, sagt Ralf Schwarzenberg, Leiter des Jugendamtes Hückelhoven. „Mit der neuen Regelung können wir leben, bislang lag die Refinanzierungsquote in Hückelhoven bei 14 Prozent.” Und die versucht man in Hückelhoven zu halten.

Im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes liegt sie künftig bei 16 Prozent. „Ja, es dreht sich hauptsächlich um die Finanzierung”, sagt Ulla Sevenich-Mattar. „Dabei ist ausschließlich wirtschaftliches Denken in der Erziehung nicht möglich.” Gerade dazu aber würden die Träger von Kindertageseinrichtungen durch das neue Gesetz gezwungen.

„Ein Unding”, sagt die AWO-Fachbereichsleiterin. Bei der für die Betreuungseinrichtungen per Kibiz vorgegebenen finanziellen Kalkulation aber, so Sevenich-Mattar, „spielt die individuelle Situation des einzelnen Kindes für die Bildung keine Rolle”. Dabei sei gerade bei der Betreuung und Förderung von Kindern eine Differenzierung unerlässlich: „Ein Kind braucht viel Zuwendung und damit Zeit, das andere weniger.”

Ja, das leugnet sie nicht, sie hat Bauchschmerzen mit dem neuen Gesetz. Und zwar schon seit längerem: „Wir beschäftigen uns seit mehr als einem Jahr mit dem Kibiz und haben noch längst nicht alle offenen Fragen klären können”, sagt sie.

Ende August gab es eine Demo vor dem Kreishaus, später sind Eltern und Erzieher mit drei Bussen von Heinsberg aus zu einer Kibiz-Anhörung in den Landtag gefahren. Ziemlich „frustrierend” sei das gewesen: „Ich habe das Gefühl”, sagt Sevenich-Mattar, „dass das, was die Pädagogen und Wissenschaftler vorbringen, an manchen Politikern einfach abprallt ”.

So gebe es bis heute keine Konzeption für den Personalschlüssel; keine Sicherheit, wie es mit den unbefristeten Verträgen für die Erzieher weitergehen soll; keine Regelung, wie die notwendigen Fortbildung für die Erzieher aussehen und wie sie finanziert werden soll; keine Antwort auf die Frage, ob die Leiter von Kindertageseinrichtungen auch weiterhin für das Management freigestellt werden.

„Wir werden unsere beiden Kindertageseinrichtungen am Venner Hof und Im Rhin ab August zu einem Verbund zusammenfassen”, kündigt Sevenich-Matta an. In diesem „Familienzentrum” wird jeweils auf den Bedarf zugeschnitten dann noch stärkere Unterstützung für die Familie angeboten.

„Wir würden gerene flexibler auf die Bedürfnisse reagieren können. Das ist mit dem Kibiz leider nicht mehr so einfach,” sagt die Fachfrau. Glücklich sieht sie dabei nicht gerade aus.