Kreis Heinsberg: Baubetriebe fordern mehr Polizeipräsenz

Kreis Heinsberg : Baubetriebe fordern mehr Polizeipräsenz

Das Thema „Klau am Bau” plagt die Baubetriebe in der Region. Die Baugewerbe-Innung Heinsberg hatte in diesem Jahr Landrat Stephan Pusch eingeschaltet und auch NRW-Innenminister Ralf Jäger angeschrieben.

Geklaut werde fast alles, was nicht niet- und nagelfest sei. Neben kleineren Werkzeugen stünden mittlerweile auch teure Maschinen oder Stahlträger auf der Liste der Langfinger. Gerade für viele kleinere Unternehmen seien die Diebe zu einer Existenz gefährdenden Bedrohung geworden. Das Thema „Klau am Bau” hatte die Innung jetzt auch in den Mittelpunkt einer Versammlung im Geilenkirchener Haus des Handwerks gestellt.

„Wir werden aufs Übelste geschädigt”, beklagte der Innungsobermeister, Diplom-Ingenieur Michael Hemmersbach. Er freute sich, zwei Experten zum Thema Sicherheit an diesem Abend begrüßen zu können: Wolfgang Ulbrich von Kommissariat Vorbeugung der Kreispolizeibehörde Heinsberg und Stephan Heiler von der Firma Kötter GmbH & KG Security aus Aachen.

Appell zur Anzeige

Rein statistisch betrachtet, wurden im Jahr 2010 unter den 7482 Diebstahlsdelikten im Kreis Heinsberg nur 64 Taten auf Baustellen verzeichnet, doch allein bis Oktober stieg die Zahl in diesem Jahr schon auf 130 an - bei sieben aufgeklärten Taten, so Ulbrich. Doch er zeigte sich davon überzeugt, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher sei. Er appellierte an alle Betroffenen, Anzeige zu erstatten, um realistische Zahlen - auch als Basis für eventuelle Bekämpfungskonzepte - zu erhalten.

„Sicherheit am Bau sollte ein erklärtes Unternehmensziel sein”, sagte Ulbrich. Und dabei sollten alle Mitarbeiter einbezogen werden. Er stellte verschiedene Schutzmaßnahmen vor, organisatorische (wie Anlieferkontrollen oder Besucherbetreuung), technische (wie einbruchhemmende Produkte, ausreichende Beleuchtung oder Videoüberwachung) und personelle (wie Wachschutz). Es gehe darum, Tatanreize und Tatgelegenheiten zu reduzieren oder auch den sogenannten „Widerstandszeitwert” zu erhöhen.

Prävention sei vorrangig. Denn: Selbst eine aufgeklärte Tat nutze den Betrieben nicht viel. „Ein ermittelter Täter klaut weiter.” Zudem würden sich für die Polizei ohnehin wenig konkrete Ermittlungsansätze bieten. Verstärkte gezielte Kontrollen im Umfeld von gefährdeten Objekten seien möglich, aber die Polizei sei nicht in der Lage, alle Baustellen zu bewachen.

Mangelnde Polizeipräsenz war ein zentraler Vorwurf aus Reihen der Innungsmitglieder, mit dem der Kriminalhauptkommissar konfrontiert wurde,. „Wir werden im Stich gelassen”, lautete eine Botschaft der Baubetriebe. Mehr Polizeipräsenz sei erforderlich. „Ich kann nicht dafür, dass wir zu wenig Polizisten, zu wenig Streifenwagen haben”, sagte Ulbrich. Sein Hinweis: Das Kommissariat Vorbeugung (? 02431/9905555), stehe jedem Betrieb - wie auch jedem Bürger - für eine gezielte, objektbezogene und individuelle Beratung zur Verfügung.

Angebot für Kontrollfahrten

Die Möglichkeiten, Baustellen - beispielsweise über Revierdienste und Kontrollfahrten oder über eine permanente Überwachung mit ­einem Wachmann vor Ort - von der Firma Kötter sichern zu lassen, zeigte deren Kontrollinspektor Stephan Heiler auf. Diesen Weg, Baustellen von einem privaten Sicherheitsdienst überwachen zu lassen, wollen offenbar viele Betriebe zukünftig beschreiten.

In einer Fragebogen-Aktion konnten sie ein unverbindliches Angebot anfordern. Je mehr mitmachen würden, desto günstiger, aber auch desto effektiver werde eine solche Aktion, lautete die Botschaft sowohl von Kötter-Einsatzleiter Heiler als auch von Innungsobermeister Hemmersbach. In einer ersten Rückmeldung wurde schon spontan für 70 Baustellen Interesse daran signalisiert, zwei- bis dreimal in der Nacht Kontrollen vor Ort vornehmen zu lassen.

So dürften in Zukunft - neben der Polizei - auch verstärkt private Wachleute im Kreisgebiet unterwegs sein, um Dieben, die sich auf Baustellen herumtreiben, das Leben schwer zu machen.