Heinsberg: Autor Rogge hält 400 Gästen den Spiegel vor

Heinsberg : Autor Rogge hält 400 Gästen den Spiegel vor

Die Handys blieben an in der Heinsberger Begegnungsstätte, „denn Mütter und Väter müssen immer erreichbar sein”.

Den versprochenen Preis für die „schrecklichste” Handy-Melodie des Abends, den brauchte Jan-Uwe Rogge nach mehr als zwei Stunden dann doch nicht zu vergeben.

Selbst sein Angebot, vielleicht lieber die Heinsberger Kirmes zu besuchen, statt seinem Vortrag „Kinder brauchen Grenzen” Gehör zu schenken, blieb völlig unbeachtet. Genau das Gegenteil war der Fall.

Rund 400 Besucher, die der Einladung des Katholischen Forums für Erwachsenen und Familienbildung der Region Heinsberg und der Buchhandlung Gollenstede gefolgt waren, fesselte der bekannte Familienberater und Erfolgsautor des gleichnamigen Buches sowie weiterer Fachpublikationen vom ersten Satz an, nachdem ihn Birgit Heisterkamp vom Forum in Heinsberg willkommen geheißen hatte.

Wer einen erhobenen Zeigefinger oder einen trockenen Fachvortrag erwartet hatte, der wurde allerdings „bitter” enttäuscht. Jan-Uwe Rogge erwies sich als Entertainer, bei dem selbst so mancher Kabarettist noch etwas lernen könnte. Allerdings nahm er auch kein Blatt vor den Mund, sprach den Erziehungsalltag ohne Schnörkel an und wusste im Rollenspiel als „geplagte Eltern” ebenso zu überzeugen wie aus dem Blickwinkel des Kindes.

„Eltern sind bekennende Masochisten” - mit dieser Feststellung schockte er vielleicht einen kleinen Teil der Besucher, hatte andererseits aber auch die Mehrzahl als Lacher auf seiner Seite.

Gelacht wurde an diesem Abend noch sehr häufig. „Schließlich finden Kinder Eltern immer zum Lachen”, verblüffte der Autor so manchen Zuhörer.

Er wolle Geschichten erzählen - überraschte er jene im Publikum wohl zunächst ein wenig, die einen aus seinen Büchern rezitierenden Autor erwartet hatten.

Erziehung habe etwas mit Lachen und Leichtigkeit zu tun und so habe jede Mutter am Tag das Recht auf zehn Fehler - Väter könnten keine Fehler machen, denn sie seien ja nicht da - beschrieb er treffend den Erziehungsalltag.

Mit der Aufforderung an die Mütter, sich abends dann für den schlimmsten Fehler des Tages auch noch zu belohnen, verblüffte er sicherlich zunächst nicht wenige seiner Zuhörer. Er machte den Eltern klar - einige Väter waren ebenfalls im Publikum auszumachen - „Kinder lieben unvollkommene Eltern, da auch Kinder unvollkommen sind”.

Jan-Uwe Rogge nannte Kinder sogar die „Weisheitslehrer der Eltern”. Er widersprach vehement der Aussage: „Kinder sind unbeschriebene Blätter”.

Bereits mit der Geburt sei das Kind vielmehr eine Persönlichkeit. Kinder zu erziehen, so machte er deutlich, heiße, sie in das Leben zu begleiten und nicht, ihnen einen Rolle zuzuschreiben. Vielfach beginne dies leider bereits im Kindergarten.

Den „anspruchsvollen” Eltern von heute hielt er den Spiegel vor. Eine klare Absage erteilte er dem „Hochleistungssport Erziehung”. Ein dreijähriges Kind sei eben drei Jahre alt und keine fünf, ein Fünfjähriger keine sieben und ein Siebenjähriger keine neun Jahre alt, machte er an konkreten Beispielen deutlich. „Großeltern erden die Eltern” nannte er die Tatsache, dass die Kinder bei den Großeltern erführen, wie Vater oder Mutter als Kinder wirklich waren.

In der Pause hatte dann das Publikum - darunter auch Erzieherinnen und Lehrer - Gelegenheit, für den Autor konkrete Fragen vorzubereiten. Er beantwortete diese wiederum in Form von beispielhaften Geschichten aus dem Alltag, bei denen sich so mancher selbst wiedererkannte.

„Das bleibt haften”, so eine Mutter am Ende des Abends. Bis zu 100 Kilometer waren interessierte Zuhörer nach Heinsberg gekommen, um Jan-Uwe Rogge live zu erleben, ein Aufwand der sich lohnte.