Monschau: Ausstellung „Unseen“: Verborgenes in den Mittelpunkt gerückt

Monschau : Ausstellung „Unseen“: Verborgenes in den Mittelpunkt gerückt

Dass die Schauspielerin Jessica Lange nicht nur vor der Filmkamera, sondern auch hinter der Fotokamera zu überzeugen weiß, davon können sich die Besucher des Kunst- und Kulturzentrums der Städteregion Aachen in Monschau überzeugen. Dort wurde am Sonntag die Ausstellung der Oscar-prämierten Schauspielerin mit dem Titel „Unseen“ eröffnet.

Der Leiterin des KuK, Dr. Nina Mika-Helfmeier, war es gelungen, diese Ausstellung nach Monschau zu holen und damit die Fotokunst der berühmten Schauspielerin zum ersten Mal in Deutschland zu zeigen. Offensichtlich hatten das Programm des Hauses und die Referenzen der Kooperationspartner die Künstlerin davon überzeugt, diese Ausstellung in Monschau zu präsentieren. Auf die Frage der Galeristin, wo Monschau liege, hatte Helfmeier wahrheitsgetreu geantwortet: zwischen Paris und Berlin. Zuvor wurde die Ausstellung In Moskau und Barcelona gezeigt.

Spannende Perspektiven mit Anziehungskraft: Zur Eröffnung der Ausstellungen von Jessica Lange und Peter Stollenwerk (kleines Bild mit Dr. Nina Mika Helfmeier) waren am Sonntag zahlreiche Besucher nach Monschau in das Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen. Foto: A. Gabbert

134 Aufnahmen

„Unseen“ präsentiert mit 134 Aufnahmen einen seltenen Blick auf die in zwei Jahrzehnten bis 2006 entstandenen Arbeiten der Künstlerin und besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil der Ausstellung heißt: „Things I see“. In diesem Teil gewährt Lange einen subjektiven Einblick in ihre Welt — einen Blick auf die Dinge, die sie sieht. „Diese ihre Welt ist zweideutig und geheimnisvoll. Sie sieht Dinge und macht diese sichtbar, die auf den ersten Blick im Verborgenen liegen, die je nach Aufmerksamkeit des Betrachters ungesehen bleiben: unseen“, erläuterte Mika-Helfmeier den zahlreichen Gästen, die zur Vernissage ins KuK gekommen waren.

„Jessica Langes Fotografien sind kraftvoll und bewegend, und sie ermöglichen dem Betrachter den Zugang zu einer subtileren Ebene des Lebens. Sie lädt dazu ein, sich Zeit zu nehmen, um wirklich zu sehen. Ihre Bilder haben eine starke filmische Sensibilität, aber eine, die oft am Rand der Verborgenheit, der Dunkelheit liegt“, sagte Helfmeier.

So steht man als Betrachter vor den teils großformatigen und oft grobkörnigen Schwarz-Weiß-Bildern und fragt sich: Ist das ein Kind in einem Park, den Kopf von einem Ballon verdeckt, die kleinen Hände ausgestreckt? Oder ist es ein außerirdisches Wesen? Warum trägt ein androgyn und unschuldig wirkendes Mädchen eine dunkle Maske? Ist das ein Hundekopf, neben elektronischen Leitungen, die den Himmel durchschneiden oder ein Wasserspeier auf dem Dach? Hält das kleine Mädchen wirklich eine Schlange in der Hand?

Die oftmals kargen und rätselhaften Szenen lassen dem Betrachter viel Spielraum für eigene Gedanken und Interpretationen. Sie sind einfach gehalten und beinhalten doch eine enorme Ausstrahlung und eine Fülle von Auslegungsmöglichkeiten. Weil die Künstlerin nicht alles zeigt und vieles nur andeutet, entstehen vor dem geistigen Auge Geschichten voller Geheimnisse.

Von Russland bis Mexiko

Der zweite Teil der Ausstellung umfasst Arbeiten, die während der Reisen der Künstlerin in Russland, Finnland, Äthiopien, Minnesota, Italien, New York und vor allem in Mexiko entstanden sind. Deshalb heißt der zweite Teil der Ausstellung auch: Mexico, On Scene. „Langes auffällige und spontane Momentaufnahmen aus Mexiko sind abwechselnd tröstlich und beruhigend und besitzen eine Art schwermütiges Geheimnis“, sagte Helfmeier. Das Wesentliche sei die Bewegung des Lebens, der Alltag. Gerade das Festhalten von „Lebensnuancen“ mache diese Art der Fotos zu „unprätentiösen Dokumenten des Alltags“.

„Gleichwohl wirken diese Aufnahmen geheimnisvoll — als ob sie in der Dunkelheit etwas verbergen. Dabei sehen wir, auch wenn die Gestalten und die Situationen auf den Fotos im Dunkeln liegen, Details, oder in der Sprache der Künstlerin: Dinge, die ihr eigenes Licht erzeugen“, erklärte Mika-Helfmeier, bevor sich die Besucher die Werke selbst in Ruhe anschauen, oder sich mit einem Text von Patti Smith noch intensiver auf die Ausstellung einstimmen konnten.

(ag)
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