Kreis Heinsberg: Ausstellung „Menschen bei Glanzstoff“ im Begas-Haus

Kreis Heinsberg : Ausstellung „Menschen bei Glanzstoff“ im Begas-Haus

„Mit der Gründung der Rheinischen Glühlampenfabrik in Oberbruch im Jahr 1891 war die Industrialisierung endgültig auch im Heinsberger Raum angekommen.“ So lautet die erste Information, mit der die Ausstellung „Menschen bei Glanzstoff“ im Heinsberger Begas-Haus ihre Besucher empfängt.

Gleich daneben beeindruckt ein mehrere Quadratmeter großer Schwarz-Weiß-Blick in eine der früheren Werkshallen.

 Jakob Wöllenweber ist Vorsitzender des Fördervereins Industriepark Oberbruch.
Jakob Wöllenweber ist Vorsitzender des Fördervereins Industriepark Oberbruch. Foto: Anna Petra Thomas

Insgesamt zeigt die Ausstellung auf weißen Stellwänden in Augenhöhe 52 großformatige Fotos aus dem Fundus des Werksarchivs, die für die neue Präsentation zunächst hochauflösend digitalisiert werden mussten. Sie geben dem Betrachter Einblicke in Produktion, Qualitätskontrolle, Technik, Ausbildung und Verwaltung, befassen sich darüber hinaus mit den Themen Gastarbeiter, Schichtwechsel und Sozialleben.

Ebenso wurden zwei mehr als 50 Jahre alte Filme restauriert und ebenfalls digitalisiert. Den Film „Werke und Menschen bei Glanzstoff“, der einen Einblick in den Produktionsablauf vermittelt, zeigt das Heinsberger Museum in seinem kleinen Kinoraum. Interviews mit Zeitzeugen, allesamt ehemalige Mitarbeiter aus Produktion und Technik, Ausbildung und Betriebsrat, wurden für eine Medienstation aufbereitet.

Zur Eröffnung der Ausstellung waren am Sonntag so viele Menschen gekommen, dass es schließlich im Dachgeschoss des ehemaligen Hauses Lennartz keinen freien Platz mehr gab. Mit der Ausstellung werde ein Kapitel Heinsberger und vor allem Oberbrucher Industriegeschichte nachhaltig in Erinnerung gerufen, erklärte Bürgermeister Wolfgang Dieder in seiner Begrüßung.

Dass Oberbruch nach dem Zuzug von Gastarbeitern aus Griechenland, Portugal und Spanien zu einer interkulturellen Lebens- und Arbeitsstätte geworden sei, bleibe ein Verdienst der dort lebenden Menschen. Aber auch um Oberbruch herum seien viele Menschen mit dem Glanzstoff-Werk verbunden gewesen, erklärte er. „Geschichte und Tradition des heutigen Industrieparks leben in diesen Bildern weiter.“

Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann erinnerte an ihre Idee zur Ausstellung, die im Dezember 2015 entstanden war. Damals habe ihr Jakob Wöllenweber, Vorsitzender des Fördervereins Industriepark Oberbruch, einen Kalender mit 13 Fotos unter dem Motto „Menschen bei Glanzstoff“ geschenkt.

„Die Realisierung dieses Projektes in der Kürze der Zeit wäre unmöglich gewesen, wenn nicht so viele engagierte Helfer an unserer Seite gewesen wären.“ Ihr Dank ging vor allem an Wöllenweber und sein ehrenamtliches Team. „Ihre Dokumentation der Werksgeschichte, die mit hohem Zeitaufwand bearbeitet wird, war das Fundament für diese Ausstellung“, sagte sie. Zudem würden Vereinsmitglieder künftig auch für Führungen zur Verfügung stehen.

Wöllenweber selbst stellte zunächst den Förderverein vor, der 2013 gegründet wurde und derzeit 60 Mitglieder zählt. Sein Ziel ist, die historischen Dokumente zum Industriestandort Oberbruch zu sichern und sie auf lange Sicht in einem Industriemuseum zu präsentieren. Herzstück der Sammlung seien rund 10.000 Fotos, darüber hinaus die Unternehmenszeitschriften seit 1934 in gebundener Form sowie Filme, Bücher und Kunstobjekte, so Wöllenweber.

Sein Dank für die Unterstützung bei dem Ausstellungsprojekt ging ans Museum, an das ehrenamtliche Team des Vereins, an die Sponsoren der Ausstellung, vor allem aber an die sieben Zeitzeugen im Alter zwischen 73 und 95 Jahren, die von ihrer Arbeit bei Glanzstoff in Interviews noch einmal ausführlich berichtet haben. Sie sind jetzt Ehrenmitglieder des Fördervereins.

(anna)