Heinsberg: Ausstellung im Begas-Haus: Pünktchen, Striche, Tupfen … fertig!

Heinsberg : Ausstellung im Begas-Haus: Pünktchen, Striche, Tupfen … fertig!

„Ich sehe meinen Vater als einen über Jahrzehnte intensiv schaffenden Maler“, schreibt Dr. Peter Funken über seinen Vater Hans-Peter Funken. Der Satz ist nachzulesen in einem kleinen aber feinen Katalog, der zur Ausstellung „Hans-Peter Funken — Abstraktion und Landschaft“ im Museum Begas-Haus erschienen ist.

Hans-Peter Funken ist vielen Bürgern seiner Heimatstadt Heinsberg sicherlich noch in guter Erinnerung. Er war Lehrer am Kreisgymnasium, Autor und Illustrator in vielen Heimatkalendern und Künstler. Dem Künstler ist nun zu seinem 100. Geburtstag eine Ausstellung im Begas-Haus gewidmet, die einen Querschnitt seines künstlerischen Schaffens aus den 1940er Jahren bis in die 2000er bietet.

Sehr gut besucht war die Vernissage zur Ausstellung „Hans-Peter Funken —Abstraktion und Landschaft“ im Museum Begas-Haus. Fotos/Repro: defi.

Hans-Peter Funken ist vor fünf Jahren in Aachen gestorben. Die Schau im Begas-Haus macht einen Teil seines Lebens, die Kunst, nun für viele Menschen neu erfahrbar. Denn das Gesamtwerk des Hans-Peter Funken dürften bislang wenige in solch schöner Fülle gesehen haben. Die Familie Funkens hatte sich an die Leitung des Museums Begas-Haus gewandt, wie Museumsleiterin Dr. Rita Mülle-jans-Dickmann in ihrer Begrüßungsrede zur Vernissage berichtete.

Dem Wunsch nach einer Ausstellung zum 100. Geburtstag war man gern nachgekommen. Barbara Jacobs, Assistenz der Museumsleitung, hatte als Kuratorin die Ausstellung betreut. Ruth Först, Tochter von Hans-Peter Funken, hatte die Arbeiten begleitet. Dr. Peter Funken übernahm bei der Vernissage die Aufgabe, die Besucher auf die Werkschau seines Vaters hinzuführen.

Sechs Werkgruppen seien, so Peter Funken, für diese Ausstellung gebildet worden aus dem großen Fundus der hinterlassenen Arbeiten. Peter Funken ist als Kunstwissenschaftler und —kritiker gewohnt, über Kunst zu sprechen und zu schreiben. Das Wagnis über den eigenen Vater etwas zu sagen, ist er mit Bedacht eingegangen. So ist ein sehr persönlicher Text über den Menschen und Künstler Hans-Peter Funken für den Katalog entstanden, den Peter Funken für die Ausstellungseröffnung in eine Rede fasste.

Sein Vater habe sich nie festlegen lassen, stellte Peter Funken fest. Erste Aquarelle zeigen sehr schöne Landschaftsmotive, obwohl der Aufenthalt des angehenden Künstlers in Norwegen unter keinem guten Stern stand. Funken war als Soldat im Kriegsjahr 1944 auf den Lofoten gewesen. Sein Vater habe als Autodidakt in verschiedenen Stilen gearbeitet und dabei beständig Experimente im Feld der Malerei durchgeführt, erläuterte Peter Funken. Diese Experimente seien eng verbunden gewesen mit der Kunstentwicklung im 20. Jahrhundert.

Nach der naturalistischen Phase habe sich Hans-Peter Funken ab den 1960er Jahren einer vom Gegenstand losgelösten abstrakt gestischen Malerei zugewandt. Hans-Peter Funken benutzte damals erstmals die Technik der Monotypie, ein Abdruckverfahren, bei dem von einer Glasscheibe auf Papier gedruckt wird. Peter Funken schildert in seinem Text eine Szene in der Küche, die er als Sechsjähriger erlebte. Die bedruckten Blätter des Vaters lagen zum Trocknen auf dem Küchenboden, und der Sohn hüpfte zum Leidwesen des Vaters dazwischen hin und her.

Peter Funken verwies auf die Einflüsse des Informel auf die Kunst seines Vaters. Sehenswerte Beispiele dieser Schaffensphase aus den 1960er Jahren finden sich einige in der Ausstellung. Hans-Peter Funken wandte sich in den folgenden Jahren wieder vermehrt der Darstellung der niederrheinischen Landschaft zu, malte die Dörfer des Selfkants, Straßen, Häuser und Höfe. „Dies war die Landschaft, die er kannte und liebte, das Land zwischen Rur und Maas, flach und wellig, nicht besonders spektakulär, aber grün und stimmungsvoll, mit markanten Baumpassagen, vor allem Weiden und Pappeln. Im Herbst melancholisch, von Nebeln durchweht …“, schreibt der Sohn über die Kunst des Vaters.

Ganz zum Schluss sei Hans-Peter Funken in seiner Kunst ganz frei geworden, so Peter Funken: „Am Ende seiner Tage sehe ich ihn mit der Tuschfeder schwarze Pünktchen aufs Papier setzen, Striche und Tupfen … fertig!“

Der schöne Text, den sich niemand entgehen lassen sollte, der sich für Hans-Peter Funken und seine Kunst interessiert, endet mit der Erkenntnis: „Er machte, was er wollte, er musste sich und uns nichts beweisen. Er genügte sich selbst — was will ein Mensch mehr.“ Die Ausstellung im Begas-Haus in Heinsberg ist noch bis zum 1. Juli zu besichtigen. Es gilt, einen Maler zu entdecken, auch wenn man den Menschen Hans-Peter Funken glaubt gekannt zu haben.

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