Kreis Heinsberg: Ausstellung: Gänzlich neues Eigenleben für nutzlos gewordene Dinge

Kreis Heinsberg : Ausstellung: Gänzlich neues Eigenleben für nutzlos gewordene Dinge

Die Ausstellung „Fotografie“ mit Arbeiten von Pit Siebigs ist vom 24. Juni bis 15. Juli beim Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch (Horster Hof) zu sehen. Sie wird am kommenden Sonntag, 24. Juni, um 11.30 Uhr eröffnet. Der Künstler wird anwesend sein. Zur Ausstellung erscheinen eine Edition und ein Katalog.

Geboren wurde Pit Siebigs am 28. Juli 1957 in Grebben bei Heinsberg. Von 1978 bis 1983 absolvierte er ein Grafik-Design-Studium an der Fachhochschule Aachen und erlangte sein Examen im Fach Fotografie bei Professor Wilhelm Schürmann. Der Künstler lebt und arbeitet in Aachen.

„Fotografie als Abbild von Wirklichkeit? Wohl kaum! Der fotografierende Mensch hat seine Sicht auf die Dinge und Situationen, die ihn umgeben. Er erachtet sie als wichtig, festgehalten zu werden, oder er lässt sich vom Reiz des Motives inspirieren“, erklärte Ingrid Trantenroth-Scholz, zweite Vorsitzende und Kuratorin des Kunstvereins, mit Blick auf die Ausstellung.Die gestellte Aufgabe bestimme die Wahrnehmung. Und die individuelle Umsetzung werde geprägt durch die Erfahrungen des Einzelnen.

Der Fotokünstler Pit Siebigs zeigt laut Trantenroth-Scholz, wie in einer profanen Dingwelt ein geheimnisvolles, fast mystisches Eigenleben verborgen zu sein scheint.

Seine Entdeckungsreise führe ihn in eine Umgebung, die der Vergänglichkeit ausgesetzt sei. Die stillgelegten Werkshallen, in denen Dinge zurückgelassen worden seien, die einmal eine Funktion und Bedeutung im Arbeitsprozess gehabt hätten, seien das Sujet seiner Bilder.

Auch wenn in diesen Bildern der Mensch nicht in Erscheinung trete, so sei doch seine frühere Tätigkeit und Präsenz spürbar und verstärke den Eindruck von Verlassenheit. „Pit Siebigs gibt diesen nun nutzlos gewordenen Dingen ein gänzlich neues Eigenleben“, so Trantenroth-Scholz.

In der Vergrößerung der realen Gegenstände würden dann diese Objekte eine verwandelte Identität annehmen und zu Bild- und Gestaltungselementen mit einer geheimnisvollen Aura werden. Die ästhetische Qualität werde durch die Auswahl und eine spezielle Aufnahmetechnik geprägt. Die vorgefundene Situation werde nicht verändert, nur der Ausschnitt werde vom Künstler bestimmt.

In den von nur wenig Tageslicht erhellten alten Werkshallen erfordere die Aufnahme eine besonders hohe Belichtungszeit, die dann in den entwickelten Bildern eine Farbigkeit sichtbar werden lasse, die nur das geübte Auge des Künstlers im Voraus erkenne. „Blitzlicht ist für ihn tabu“, so Trantenroth-Scholz in ihren Ausführungen über Pit Siebigs weiter.

Diesem profanen, morbiden Sujet hafte dann eine Qualität an, die den Betrachter in eine geheimnisvolle magische Welt versetze. Das Bewusstsein der Vergänglichkeit all dieser Orte werde als bewahrungswürdig erkannt.

Die Ausstellung beim Kunstverein in Unterbruch ist sonntags von 11 bis 17 Uhr und samstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet sowie nach Vereinbarung: Telefon 02452/65598 oder E-Mail an kunstverein@gmx.net.

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