Heinsberg-Karken: Ausnahmekünstler Dieter Crumbiegel feiert 80. Geburtstag

Heinsberg-Karken : Ausnahmekünstler Dieter Crumbiegel feiert 80. Geburtstag

Professor Dieter Crumbiegel feiert am Mittwoch seinen 80. Geburtstag. Wenn es nach dem Geburtstagskind gegangen wäre, wäre der Tag sang- und klanglos vorbeigerauscht. Doch irgendwie ist da wohl doch was durchgesickert. So gibt es am Dienstag einen Empfang im Schloss Zweibrüggen, und die Zeitung kommt auch noch ins Atelier und stört beim Malen.

Eigentlich kann Dieter Crumbiegel sich nur schwer dazu bekennen, dass auch er jetzt zu den 80-Jährigen gehört. Zu groß ist seine Neugier auf das Neue, um aufs Altenteil zu wechseln.

Dieses Neue findet Crumbiegel nach wie vor in der Malerei. Mit Farben und Formen kommuniziert er. Mit der abstrakten Malerei macht er sich auf zu immer neuen Gipfeln. Crumbiegel: „Mich interessiert das Unterwegs-Sein, nicht das Ankommen. Mich interessiert das, was ich noch nicht weiß.“ Er zieht den Vergleich zu einem Bergsteiger, der, wenn er einen Gipfel erklommen hat, auf der Spitze des Berges stehend all die Gipfel entdeckt, die hinter dem erklommenen Berg liegen. Dieter Crumbiegel: „Die Sehnsucht gilt dem Neuen.“

Wenn er bei einer Behörde mal nach seinem Geburtsjahr gefragt werde, sehe er, was die junge Beamtin denkt: „Der hat ja den Adolf noch gesehen.“ Crumbiegel lacht und meint: „Das stimmt natürlich, auf dem Arm meines Vaters habe ich Hitler in seinem offenen Mercedes vorbeifahren sehen. Kaum zu glauben.“ Am 6. Juni 1938 war Dieter Crumbiegel in Essen an der Ruhr geboren worden. Sein Lebensweg führte ihn über das Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Kassel zu einer Professur im Fachbereich Design an die Hochschule Niederrhein in Krefeld. Sesshaft wurde er in Karken, wo er mit seiner Frau Marlies Seeliger-Crumbiegel ein Atelier eröffnete.

Nachdem Dieter Crumbiegel sich unter anderem als Dozent an der Staatlichen Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen mit der Keramik sehr erfolgreich auseinandergesetzt hatte, hat er 1984 die Malerei wieder aufgenommen. In beiden Schaffensgebieten hat Crumbiegel eine Vielzahl von Werken geschaffen. Wie steht es da mit der Schaffenskraft? Crumbiegel zuckt nur mit den Achseln und sagt: „Da hat sich gar nichts verändert. Ich habe Hunderte Bilder gemalt und 1000 Keramiken gemacht, und weitere 10.000 Werke habe ich im Kopf. Eigentlich müsste ich eine Verlängerung bekommen.“

Crumbiegel zu Meisterschüler gemacht

Sein Freund und Kunstexperte Herbert Albin Knops sagte über Dieter Crumbiegel: „Als Künstler ist Crumbiegel in der Malerei stark beeinflusst von der modernen Klassik in direkter Nachfolge von Klee, Kandinsky und Winter.“ Paul Klee und Wassily Kandinsky dürften bekannt sein, Fritz Winter war Gründungsmitglied der Künstlergruppe ZEN49, Professor an der Kunsthochschule Kassel und Schüler von Klee und Kandinsky am Bauhaus. Fritz Winter machte Crumbiegel zu seinem Meisterschüler und förderte seinen künstlerischen Werdegang.

Dieter Crumbiegel fand international hohe Anerkennung für seine moderne Keramik. War Mitglied der „Gruppe 83 — Deutscher Keramiker“. Er gewann erste Preise für seine Arbeiten an öffentlichen Gebäuden im Rahmen von „Kunst am Bau“. Dieter Crumbiegel erinnert sich noch gerne an die streitbaren, aber konstruktiven Diskussionen mit seiner Frau, der Keramikerin Marlies Seeliger-Crumbiegel, die leider schon 2012 verstorben ist. Ihr zu Ehren vergibt das Künstler-Forum Schloss Zweibrüggen, dessen Vorsitzender Dieter Crumbiegel seit 2014 ist, den Marlies-Seeliger-Crumbiegel-Preis für Bildende Kunst.

Da auch mit 80 Jahren die Sehnsucht des Malers Dieter Crumbiegel dem Neuen gilt, immer noch jedes Werk die Tür zum nächsten Bild öffnet, ein Ausruhen auf dem Erreichten nie seine Sache war, gehört auch das Scheitern zu seinem Leben als Künstler. Crumbiegel: „Ich scheitere lieber an dem Unerreichbaren, als mit dem Erreichen vom Mittelmäßigem zufrieden zu sein.“ Und er fügt hinzu: „Also ist das Scheitern eigentlich mein Lebensziel.“

Crumbiegel zitiert zum Schluss des Gesprächs die Schriftstellerin Rachel Joyce: „Sie hatten mit Herz und Verstand beschlossen, das Offensichtliche zu ignorieren und an etwas Größeres und unendlich Schöneres als das real Sichtbare zu glauben. — Das passt zu mir“, sagt er.