Aus der Geschichte: Bierbrauer lieferten ein Drittel der Stadteinnahmen

Aus der Geschichte: Bierbrauer lieferten ein Drittel der Stadteinnahmen

Heinsberger Land. Wer kennt sie nicht, die Hopfengärten der Hallertau, mit 1700 Hektar das größte Hopfenanbaugebiet der Welt, mit einem Ertrag von 650 000 Zentnern pro Jahr.

Meilenweit begleiten sie südlich der Donau den Urlaubsreisenden auf seinem Weg in den sonnigen Süden. Doch auch im Heinsberger Land ist der Hopfen, der sich übrigens vorzüglich zum Begrünen von Wänden eignet, nicht unbekannt, wenn auch nur noch als wucherndes Unkraut an verwilderten Hecken.

In Lövenich gibt es viele Hinweise für einen früheren Hopfenanbau, der bei kleinen Leuten im Hausgarten vornehmlich als lebendige Hecke und von Großgrundbesitzern im so genannten „Hoppenkamp” angebaut wurde.

Die Lövenicher Karnevalsgesellschaft trug dieser alten Tradition Rechnung, als sie sich den Namen „Hoppesäck” gab. Die Hopfenzapfen waren einst ein begehrter Rohstoff für die heimischen Bierbrauer - und das waren nicht wenige.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es im alten Kreis Heinsberg nicht weniger als 70 Bierbrauereien, die zusammen 126 Arbeiter beschäftigten. Dazu kamen noch fünf Brantweinbrauereien. Heinsberg selbst hatte sieben Brauereien und der alte Kreis Geilenkirchen hatte deren 26 mit 54 Arbeitern.

Der starke Bierverzehr erklärt sich schon allein aus der Tatsache, dass das Bier im früheren Jahrhundert ein beliebtes Nahrungsmittel war. Bier trank man bei allen Mahlzeiten und zu jeder Tageszeit. Selbst Damen von Adel haben einen herzhaften Trank aus der Bierkanne nicht verachtet.

So berichten beispielsweise die Urkunden vom ehemaligen Frauenkloster zu Dalheim, dass sich die Äbtissin und der Konvent im Jahre 1345 verpflichteten, dem Herrn Hermann, Rektor des Bernardusaltares, täglich dreieinhalb Maß Bier zum Geschenk zu machen, und die Klosterordnung

von 1587 erwähnt, dass die Dalheimer Äbtissin den Klosterfrauen ohne Widerrede Braupfane und Holz stellen musste, wenn diese zu Brauen gedachten.

Bier wurde zum Volksgetränk und die Stadtväter setzten alles daran, den Bierverbrauch zu steigern. Floss doch dadurch so mancher zusätzliche Groschen in das Steuersäckel. Von der Stadt Heinsberg weiß man, dass sie im Jahre 1647, also im vorletzten Jahr des 30-jährigen Krieges, allein 3500 Gulden an Einnahmen aus der Biersteuer zu verzeichnen hatte. Das war mehr als ein Drittel der gesamten Einnahmen.

In Gangelt klagte man in diesen Jahren oft über schlechte Zeiten und dass nicht genug Bier getrunken wurde. Die Stadt Gangelt war berechtigt, die Biersteuer in den Orten Birgden Broichhoven, Brüxgen, Hastenrath, Höngen, Kreuzrath, Langbroich, Schümm, Stahe, Vinteln sowie Groß- und Kleinwehrhagen zu erheben. Dazu verlangte die Stadt von jeder gebrauten Pfanne Bier als besondere Abgabe das „Kürbier”, das sie sich in natura liefern ließ.

Fast immer waren die Bierbrauer auch gleichzeitig Schankwirte. Die ersten Bierbrauer lassen sich um 1050 im niederländischen Maasraum nachweisen. Hier entstand um 1600 die Sage von Gambrinus, dem Erfinder des Bieres. Eine große Gambrinusfigur zierte vor dem Zweiten Weltkrieg den Giebel der Heinsberger Gaststätte Güthoff an der Ecke Hochstraße/Marktplatz.

Es wäre allerdings ein großer Irrtum anzunehmen, dass das Bier des Mittelalters besonders gut gemundet habe. Eher war das Gegenteil der Fall. Man nahm bittere Kräuter und Wurzeln als Würze. Hierzu zählte auch der heute nahezu ausgestorbene Gagelstrauch, mundartlich auch „Grut” genannt, der nur noch in der Teverener Heide anzutreffen ist.

Von ihm stammen auch die Familiennamen Grüters und Grüter, mit denen ursprünglich der Beruf des Bierbrauers bezeichnet wurde. Das Grutbier war nur begrenzt haltbar und transportfähig. Ihm entstand spätestens seit der Mitte des 14.Jahrhunderts mit dem Hopfenbier ein mächtiger Konkurrent.

Die Technik zur Herstellung des Hopfenbieres war in Hamburg oder Bremen entwickelt worden und kam über die Niederlande und Westfalen ins Rheinland. Gegenüber der Grut hatte der Hopfen mehrere Vorzüge. Neben der größeren Haltbarkeit und Transportfähigkeit kam die herbere Würze dem damaligen Zeitgeschmack entgegen, und der Hopfen war billiger als die Grut. Den Hopfen zogen sich die ehemaligen Brauer selbst. Im Kappbusch aber wuchs er wild. Hier hatten die Einwohner von Brachelen das Recht, den Hopfen zu pflücken und an die Brauereien zu verkaufen.

Das in den Fruchtzapfen der Hopfenpflanze enthaltene Hopfenbitter, ein scharf riechender und bitter schmeckender Stoff, gibt dem Bier Würze und Haltbarkeit.

Fruchtzapfen und Hopfenbitter liefern auch wertvolle Heilmittel. Englische Ärzte haben den Hopfen gegen Schlaflosigkeit empfohlen und lassen ihre Patienten auf einem mit getrockneten Hopfenzapfen gefüllten Kissen schlafen.